1.FC Köln - Ruhe gibt's anderswo
21.08.2011 | 21:13 Uhr 2011-08-21T21:13:00+0200
Köln. Gegen Kaiserslautern zeigte der 1.FC Köln eine deutliche Leistungssteigerung, blieb aber erneut sieglos. Sportdirektor Volker Finke will eine Diskussion um den Trainer gar nicht erst aufkommen lassen - dafür gibt es Wirbel um Lukas Podolski.
Man muss wohl allen Gerüchten noch einmal vorbeugen: Stale Solbakken ist Norweger, nicht etwa Däne. Auf diese Idee könnte man ja kommen, wenn man den Trainer des 1. FC Köln reden hört.
„Wir haben besser verdient dann ein Punkt“ sagte Solbakken nach dem 1:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern . Das klang so niedlich wie der dänische Koch aus der Muppets-Show, aber mit diesem Vergleich würde man dem Norweger wohl kaum gerecht. Manchmal wirkt der neue Mann an der Linie sogar schon so, als sei er einer der wenigen, der im endlosen Kölner Puppentheater die Ruhe behält. Das 1:1 dürfte zumindest dazu beigetragen haben, dass sich ein Teil der wieder mal sehr aufgeregten Diskussionen um eine wieder mal sehr voreilige Trainerentlassung gelegt haben sollten.
Eine Woche lang war’s in Köln nach dem verhagelten Start mit einem 0:3 gegen Wolfsburg und dem demütigenden 1:5 auf Schalke richtig rund gegangen. Am Samstag nach dem Remis gegen die Pfälzer, das die Kölner in der Tabelle zwar keinen Meter voran brachte, aber zumindest gefühlt zur Entspannung beitrug, ging deshalb Sportdirektor Volker Finke vor die Kameras, um Grundsätzliches zum Mann aus Norwegen los zu werden.
Finke in der Bringschuld
Finke ist da durchaus in der Bringschuld. Er hat Solbakken ausgesucht, er hat sich damit auch dafür entschieden, es mit einem System zu versuchen, das in der Defensive auf die in Deutschland heilige Doppelung der Außenstürmer verzichtet und das nach den beiden Auftaktpleiten samt Trainer sofort zur Debatte stand. Solbakken überfordere die Elf, hieß es, Solbakken habe in der Vorbereitung zu selten und zu lax trainieren lassen, um seine Ideen einzupauken. Und dann benutzte der Trainer in seinem skandinavischen Singsang vor dem Spiel gegen Kaiserslautern auch noch den Begriff „Endspiel“.
Das rief nun den Sportdirektor auf den Plan. Man weiß ja noch gar nicht so viel über Solbakken, und Finke erklärte nun, der Trainer habe das mit dem Endspiel „sehr feinsinnig“ und „sehr ironisch“ gemeint, so sei er nämlich. Solbakken habe sich einfach über den Wirbel gewundert, der hierzulande nach zwei Niederlagen gemacht werde.
Finke stützt Solbakken
Dahinter steckte Finkes Botschaft: Mein Mann und ich wollen hier endlich für Ruhe und Kontinuität sorgen, und schon deshalb steht dieser Coach nicht zur Debatte.
Im Stadion sah es immerhin so aus, als habe ein Großteil der Fans das schon vorher verstanden: „Heute ist kein Endspiel. Es ist eure Chance, Herz zu zeigen“, stand auf einem langen Spruchband vor der Kölner Kurve. Immerhin das tat die Mannschaft danach ausgiebig. Solbakken hatte auf Stammkeeper Michael Rensing (Knieprobleme) und Lukas Podolski, der trotz Fiebers im Stadion saß, verzichten müssen, außerdem musste nach vier Minuten Verteidiger Christian Eichner mit einer Platzwunde raus. Der Rest des Kölner Aufgebots ackerte und rackerte trotzdem 90 Minuten lang, steckte auch das frühe 0:1 durch Ivo Ilicevic weg und glich durch Mato Jajalo kurz danach aus. Der Rest des Spiels gehörte Solbakkens Elf, aber Jajalo und Milivoje Novakovic scheiterten immer wieder am überragenden Lauterer Keeper Kevin Trapp.
Das Spiel war, wenn man den Maßstab nicht hoch anlegt, ein deutlicher Fortschritt gegenüber den Auftritten gegen Wolfsburg und in Schalke. Und es war trotz der zu geringen Ausbeute Grund genug, um ein wenig Ruhe in Köln einkehren zu lassen.
Galatasaray an Podolski interessiert
Ruhe? In Köln?
Geht natürlich nicht. Wenn also Solbakken ein wenig aus der Schusslinie geraten ist, muss Lukas Podolski her. Galatasaray Istanbul, heißt es zumindest in türkischen Medien, stehe vor der Verpflichtung des Nationalspielers. Ganz Köln trat darauf hin zur Verteidigung seines Erb-Schatzes an: „Wir wollen Lukas Podolski ohne Wenn und Aber halten. Es gibt keine Chance für Gespräche“, sagte Volker Finke gestern. Und Solbakken hatte vorher schon angemerkt, er sei zu 100 Prozent sicher, dass Podolski die Saison in Köln beenden werde.
Ob das auch für den Trainer gilt? Auf die Zahl 100 will man sich in seinem Fall noch immer nicht so recht einlassen. Aber Solbakkens Werte sind nach dem Spiel gegen Kaiserslautern deutlich gestiegen. Viel mehr sollte er in Köln auf Dauer auch nicht erwarten.
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