Wie Guardiola ungestraft den „Kloppo“ macht

Hatte wieder  Redebedarf mit dem Schiedsrichter-Assistenten: Bayern-Coach Pep Guardiola im Spiel gegen Schalke. Foto: Getty
Hatte wieder Redebedarf mit dem Schiedsrichter-Assistenten: Bayern-Coach Pep Guardiola im Spiel gegen Schalke. Foto: Getty
Foto: Bongarts/Getty Images
Was wir bereits wissen
In seinem ersten Bayern-Jahr pflegte Pep Guardiola sein Gentleman-Image. Inzwischen bedrängt er die Schiedsrichter-Assistenten fast wie Jürgen Klopp an dessen schlimmsten Tagen. Anders als Klopp aber konnte der Katalane bisher immer mit Nachsicht rechnen. Ein Kommentar.

Essen.. Das Drama um Borussia Dortmund zieht in der Bundesliga nahezu alle Aufmerksamkeit auf sich. Schalke? Kein Thema mehr. Trainer-Rauswurf in Berlin? Wen juckt’s? Zeit also, mal wieder den Fokus auf den Branchenführer zu richten.

Nein, nicht wegen der schier unglaublichen Serie von zwei sieglosen Bayern-Spielen. Lohnender ist – womit wir indirekt doch schon wieder beim BVB wären – ein Blick auf den Trainer. Macht doch Pep Guardiola, der in seinem ersten Bayern-Jahr noch sein Gentleman-Image gepflegt hatte, zunehmend den „Kloppo“. Soll heißen: Jürgen Klopp, der sich nach seinen beiden Dortmunder Meisterjahren bekanntlich spieltaktisch von den Bayern kopiert sah, wird so gesehen von Guardiola inzwischen gewissermaßen ein weiteres Mal mit seinen eigenen Waffen geschlagen.

Promi-Bonus für Guardiola?

Nicht erst seit dem Schalke-Spiel, in dem er nach einem (fälschlicherweise) aberkannten Tor bis zur Eckfahne gestürmt war, um beim Schiedsrichter-Assistenten zu protestieren, hält es den meist wild gestikulierenden Spanier bei strittigen Entscheidungen gewöhnlich nicht mehr in seiner Coaching-Zone. Zwei Unterschiede zu Klopp fallen dennoch auf: Guardiola schaltet schneller auf Schmusekurs zu den Schiedsrichtern um, und anders als Klopp konnte er bisher nach seinem regelwidrigen Verhalten immer mit Nachsicht rechnen - beim DFB ebenso wie bei den meisten Fans. Der frühere Fifa-Schiedsrichter und TV-Experte Urs Meier aus der Schweiz hat nicht von ungefähr in seiner aktuellen „Focus“-Kolmune die Frage nach einem Promi-Bonus für Guardiola und den Folgen für die Autorität der Schiedsrichter aufgeworfen.

Rückrunden-Auftakt Sicher, Emotionen gehören zum Fußball, und Benimmregeln sollten nicht jede Spontanietät im Keim zu ersticken versuchen. Nur darf nicht der Eindruck entstehen, dass beim DFB mit zweierlei Maß gemessen wird.

Nebenbei: Die Sorgen, sich mit Temperamentsausbrüchen ihres Trainers auseinander setzen zu müssen, würden sie in Dortmund heute gerne noch einmal haben.