Warum Mainz 05 im Fall Soto nur ein geringes Risiko eingeht

Nach seiner schweren Verletzung musste Elkin Soto am Sonntag von Sanitätern vom Platz getragen werden.
Nach seiner schweren Verletzung musste Elkin Soto am Sonntag von Sanitätern vom Platz getragen werden.
Was wir bereits wissen
Nach seiner Knieverletzung drohte Elkin Soto die Arbeitslosigkeit. Mainz will nun mit dem Spieler verlängern. Das Risiko dabei hält sich in Grenzen.

Mainz.. Es war die Horror-Szene der Bundesliga-Saison: Beim Versuch auf das gegnerische Tor zu schießen, prallt der Mainzer Spieler Elkin Soto bei der 1:2-Niederlage gegen den Hamburger SV am vergangenen Wochenende mit Rafael van der Vaart zusammen und verdreht sich dabei sein linkes Knie. Die Folge: Eine vollständige Ausrenkung des Kniegelenks, Soto riss sich dabei das Kreuzband, den Innenband und den Meniskus.

Zwar wurde der Kolumbianer inzwischen erfolgreich in einer Spezialklinik operiert, wann oder ob der 34-Jährige wieder Fußball spielen kann, bleibt jedoch fraglich. Und das acht Wochen bevor Sotos Vertrag bei Mainz 05 ausläuft. Wer würde einen derart schwer verletzten Spieler noch unter Vertrag nehmen? Christian Heidel, Manager des Bundesligisten, kündigte unmittelbar nach dem Spiel an, den langjährigen Mainzer Spieler nicht im Regen stehen zu lassen. "Wenn er will, bekommt er sofort einen Vertrag für ein weiteres Jahr", sagte Heidel und erntete dafür viel Anerkennung in der Öffentlichkeit. Soto

Zahlen wird die Berufsgenossenschaft

"Das ist eine nette Geste", sagt Ulf Baranowsky von der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV). "Doch für Mainz 05 besteht hier kein hohes Risiko." Zahlen müssten die Rheinhessen nämlich erst, wenn der Spieler wieder einsatzfähig wäre. Hintergrund: Wie bei jedem anderen Angestellten auch springt nach sechs Wochen der Arbeitsunfähigkeit die Berufsgenossenschaft ein. Sie zahlt einem Bundesligaspieler, der mehr als 120.000 Euro netto pro Jahr verdient, den Höchstsatz von 213 Euro pro Tag. Das sind 6390 Euro im Monat. Ein Spieler könnte sich natürlich noch privat zusatzversichern.

Bei Fußballspielern ist das die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG), die dann auch etwaige Operationen und Reha-Maßnahmen finanzieren würde. Sollte der Spieler nach 26 Wochen immer noch nicht genesen sein und von den Ärzten eine verminderte Erwerbsfähigkeit in Höhe von 20 Prozent attestiert bekommen, hätte er Anrecht auf eine Verletzenrente.

Vertragsverlängerung ist besser für den Spieler

"Trotzdem wäre eine Vertragsverlängerung besser für den Spieler", sagt Ulf Baranowsky. "Falls er wieder fit wird, hat er eine Perspektive. Er bekäme die Möglichkeit, sich wieder zu zeigen und reguläre Gehaltszahlungen zu beziehen." Andernfalls müsste er sich arbeitslos melden und Arbeitslosengeld I beantragen.

Christian Heidel und die Mainzer also als Samariter zu feiern, wenn sie Soto weiter unter Vertrag nehmen, wäre überzogen. Zahlen müssten sie erst, wenn Soto sich erholen sollte. Dass sie jedoch dem Spieler einen Gefallen tun und ihm eine Perspektive bieten, ist im Millionen-Geschäft Profifußball alles andere als selbstverständlich.

Update: In einer früheren Version des Artikels haben wir geschrieben, dass sich das Verletztengeld der Berufsgenossenschaft am letzten Bruttogehalt des Betroffenen orientiert. Diesen Fehler haben wir korrigiert.