Tim Wiese landet in Hoffenheim - und fällt tief

Seit er in Hoffenheim spielt, ist er ungewohnt fehlerhaft: Tim Wiese, bedröppelt.
Seit er in Hoffenheim spielt, ist er ungewohnt fehlerhaft: Tim Wiese, bedröppelt.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Marcos Antonio brauchte in Nürnberg nur wenige Sekunden um zum Fehleinkauf zu werden. Er immerhin fiel auf, Junior Fernandes in Leverkusen nicht. "Naldo hat Probleme in seinem Spiel" und Torjäger als Toreverhinderer. In unseren Flops finden sich neben fehlerhaften Verteidigern stümperhafte Stürmer.

Essen.. Vom fürchterlichen 16-Minuten-Debüt über torlose Angreifer bis zu Tim Wiese. Diese neuen Spieler sind bisher Nieten - klicken Sie sich durch unsere Flops der Neuverpflichtungen.

Die Flops der Neuzugänge in der Textversion

Marcos Antonio (1. FC Nürnberg): Der Wechsel von Philipp Wollscheid vom "Glubb" nach Leverkusen, riss ein großes Loch in die Nürnberger Defensive. Eines, das Trainer Dieter Hecking und Manager Martin Bader mit einem erfahrenen Mann schließen wollten. Sie fanden: Marcos Antonio, Brasilianer, 29 Jahre alt, zuvor Profi in Rumänien, Portugal, Griechenland, Frankreich und in seiner Heimat. Gespielt hat er in der Bundesliga bisher einmal, 16 fürchterliche Minuten lang: Sein erster Bundesliga-Ballkontakt ein Fehler, der zum Tor führte, wenig später noch ein Schnitzer, dann endlich die erlösende Auswechslung. Mehr war von Marcos Antonio noch nicht zu sehen.

Junior Fernandes (Bayer Leverkusen): Mit Südamerikanern hat Bayer Leverkusen meist beste Erfahrungen gemacht: Jorginho, Emerson, Paolo Sérgio, Zé Roberto, Arturo Vidal. . . Die Liste lässt sich fortsetzen. Mit Junior Fernándes hat Bayer Leverkusen bisher keine guten Erfahrungen gemacht. Der seit kurzem 24-jährige Chilene kam mit der Empfehlung von vier Länderspielen und sechs Treffern in elf Spielen der Copa Libertadores, der südamerikanischen Champions League. Aber an das Niveau in Deutschland hat sich Junior Fernandes noch nicht gewöhnt: acht Bundesliga-Minuten hat der Vier-Millionen-Mann gespielt, verteilt auf zwei Partien.

Naldo (VfL Wolfsburg): Jahrelang war Naldo neben Per Mertesacker die Stütze der Bremer Defensive. Dann fiel er mit einer rätselhaften Knieverletzung lange aus. Nach einer umstrittenen OP kam Naldo spektakulär zurück. Wenig später wechselte er nach Wolfsburg - und fiel prompt durch den Medizincheck. Später bestand er ihn doch. Zur Stütze der Wolfsburger Defensive aber ist der Brasilianer nicht geworden. Sein Trainer Felix Magath kritisierte seinen neuen Innenverteidiger: "Fast jeder hat uns zu diesem Transfer gratuliert. Aber Naldo hat momentan einige Probleme in seinem Spiel. So etwas kostet Punkte." Immerhin und irgendwie überraschend: Magath will Naldo nicht schon wieder verkaufen, er will ihm helfen. Bitter nötig: Wolfsburg hat die zweitschlechteste Defensive der Liga.

Edu (Fürth): In Bochum verfluchen Sie den Brasilianer noch heute. Der Kabarettist und VfL-Aufsichtsrat Frank Goosen schimpfte einst: "Nur der VfL schafft es, den einzigen Brasilianer zu verpflichten, der keinen Fußball spielen kann." Lassen wir einmal dahingestellt, ob Edu nun Fußball spielen kann oder nicht. Immerhin: Er ist Profi. Und der VfL ist auch nicht der einzige Verein, der ihn verpflichtet hat. Sogar in Südkorea trat Edu gegen den Ball, auch in Istanbul. Und Schalke schoss der, der doch keinen Fußball spielen kann, einst mit zwei Toren gegen Inter Mailand ins Champions-League-Halbfinale.Nun spielt Edu in Fürth, im schwächsten Sturm der Liga, bisher ohne Tor und ohne Vorlage. Fürth also kann auch Brasilianer verpflichten, die keinen Fußball spielen können.

Eljero Elia (Werder Bremen): Der teuerste Bremer Einkauf dieser Saison spielte eine starke Vorbereitung, schoss Traumtore und war im Dribbling nicht zu stoppen. Elia, so schien es, werde die Bundesliga wieder das Fürchten lehren. So wie einst beim HSV. Doch als die 50. Bundesliga-Saison angepfiffen wurde, streckte Elia die Waffen: er trifft nicht mehr, er bereitet kaum mehr vor, zu seinen gefährlichen Dribblings setzt er nicht mehr an. Immerhin, der niederländische Flügelspieler arbeitet viel für die Mannschaft. Das darf man ihm zu Gute halten. Elia aber wurde verpflichtet, um für die junge Bremer Mannschaft Spiele zu entscheiden. Das tat er noch nicht.

Eren Derdiyok (TSG Hoffenheim): Eren Derdiyok war einst ein Versprechen, als er in der Schweizer U21 mehr Tore geschossen als Spiele absolviert hat. Heute ist er 24 Jahre alt, gilt seit Jahren als kompletter Stürmer, technisch versiert, körperlich stark und torgefährlich. Aber bei allem Talent: Derdiyok ist nur Bundesliga-Durchschnitt. 25 Tore in 90 Spielen für Bayer Leverkusen sind in Ordnung, mehr nicht. Das Versprechen blieb unerfüllt. Hoffenheim verpflichtete Derdiyok trotzdem. In der Hoffnung auf sein Talent, auf die Einlösung des Versprechens. Und nun? Derdiyok ist nicht mal mehr Bundesliga-Durchschnitt: in dieser Saison ist er noch torlos, seine (kicker)-Noten sind grausam.

Bas Dost (VfL Wolfsburg): Außer in Wolfsburg war man in der Bundesliga besorgt, als Bas Dost zum VfL wechselte. Da sollte aus Holland ein neuer Makaay nach Deutschland kommen, oder ein neuer Huntelaar, ein Stürmer jedenfalls der trifft. Und trifft. Und trifft. In der vergangenen Saison satte 32-mal in 34 Spielen der niederländischen Eredivisie. Dost wurde Torschützenkönig im Land der van Bastens, der Kluiverts und der van Persies. Und am ersten Spieltag schoss er Wolfsburg in Stuttgart zum Sieg. Es sollte bis heute der einzige Saisonsieg des VfL bleiben. Es blieb auch Dosts bisher einziges Bundesligator.

Aristide Bancé (FC Augsburg): Wahrscheinlich hat Aristide Bancé die auffälligste Frisur der Bundesliga. Wahrscheinlich hat er auch die ausgefallenste Liste an Arbeitgebern vorzuweisen: Stade d'Abidjan, RFC Daoukro, Athletic Club d'Adjamé, Santos FC Ouagadougou, KSC Lokeren, Metalurh Donezk, Germinal Beerschot, Kickers Offenbach, 1. FSV Mainz 05, Al-Ahli Dubai, Umm Salal Sports Club, Samsunspor. Und nun wurde der Torjäger vom FC Augsburg verpflichtet, als Star im Team der Namenlosen, Ergebnis: sieben Bundesliga-Spiele, kein Tor, keine Vorlage. Bancé ohne seine Frisur? Nur ein unauffälliger Fußballer.

Andrey Voronin (Fortuna Düsseldorf): Als Aufsteiger spielt Fortuna Düsseldorf bisher eine hervorragende Saison: Platz sieben nach sieben Spieltagen, erst eine Niederlage. Man ist versucht zu sagen: trotz Andrey Voronin. Der Ukrainer, der auch schon in Liverpool spielte, ist der einzige Star im Düsseldorfer Kollektiv. Aber er findet sich noch nicht zurecht, sucht noch seine Form und hat noch kein Tor erzielt. Zuletzt wurde er gar aus der Startelf verdrängt, vom Dänen Ken Ilsö. Die Fortuna aber wird Voronins Tore brauchen, wenn sie den Klassenerhalt schaffen möchte. Die mangelnde Durchschlagskraft in der Offensive wurde bisher kaschiert durch herausragende Abwehrarbeit und durch Dani Schahins Glücksmomente. Voronin aber wurde verpflichtet, damit es in der Offensive nichts zu kaschieren gibt.

Tim Wiese (TSG Hoffenheim): Tim Wiese sprach als Nationaltorwart von Angeboten von Real Madrid, dann landete er in Hoffenheim - und ist seither tief gefallen. Früher standen seinen markigen Sprüchen stets spektakuläre Paraden gegenüber. Heute spricht er von der deutschen Meisterschaft, verschuldet mit heftigen Patzern Gegentore und steht in der Schießbude der Liga. Auf die Kritik reagierte TSG-Neuzugang und -Kapitän Wiese - wie üblich - patzig. Zu allem Überfluss verletzte er sich auch noch und wurde aus der Nationalmannschaft ausgebootet. Ob Hoffenheim wirklich der Verein ist, den sich der extrovertierte Torhüter gewünscht hat? Und ob Wiese wirklich der Torhüter ist, auf den man im beschaulichen Kraichgau setzen kann? Die Zukunft wird's zeigen. Aber der Anfang der ungleichen Beziehung ging ordentlich daneben.