Fußball

Steuerhinterzieher Hoeneß ist als Bayern-Präsident untragbar

Angeklagt: Bayerns Aufsichtsratschef und Präsident Uli Hoeneß.
Angeklagt: Bayerns Aufsichtsratschef und Präsident Uli Hoeneß.
Foto: Getty Images

Eine Anklageerhebung ist in der Regel ein zwingender Anlass für einen Rücktritt. Nicht so beim FC Bayern München. Weder der Verein noch Uli Hoeneß mochten sich zu der jüngsten Entwicklung im Fall des bekennenden Steuerhinterziehers äußern. Ein Kommentar.

Essen.. Wäre Uli Hoeneß am Tag, als seine millionenschwere Steuerhinterziehung bekannt geworden ist, als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München zurückgetreten – er hätte sich wohl selbst bei vielen Gegnern ein Mindestmaß an Respekt verdient. Aber Hoeneß reagierte nach dem bewährten bayrischen „Mia san mia“-Motto, anders ausgedrückt: Mir kann keiner!

Hoeneß' Umfeld rechnet Verdienste um FC Bayern gegen "Steuersünden" auf

Wer nach Erklärungen für die Uneinsichtigkeit des 61-Jährigen sucht, findet sie nicht zuletzt in seinem Umfeld, das seine Verdienste um den FC Bayern gegen seine „Steuersünden“ aufrechnete und nebenbei gebetsmühlenartig von der Unschuldsvermutung redete, die auch für Hoeneß gelten müsste. Dabei hatte dieser doch seine Schuld mit seiner Selbstanzeige längst eingestanden.

Dass Fans – blind vor Vereinsliebe – auf T-Shirts die Botschaft verkünden „Uli darf das“, ist peinlich, aber beinahe schon wieder witzig. Skandalös ist es dagegen, wenn sich angesehene Vorstände von Dax-Unternehmen im Aufsichtsrat des Rekordmeisters nicht an die Spielregeln halten, die sie für ihre eigenen Konzerne aufgestellt haben. Ein Steuerhinterzieher ist dort als Führungskraft ebenso untragbar wie jemand, der Geld von einem Geschäftspartner annimmt. Und Hoeneß hat, wie wir wissen, mit geborgten Millionen des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus an der Börse gezockt. Dass dieses Verhalten zu keinen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geführt hat, ist den Verjährungsfristen geschuldet. Dass es auch von den Medien kaum noch thematisiert wird, bleibt ebenso bemerkenswert wie ärgerlicht.

Hoeneß Nachdem die Münchner Staatsanwaltschaft am Dienstag Anklage wegen Steuerhinterziehung erhoben hat, stellt sich die Frage: Worauf warten der Verein und vor allem Uli Hoeneß noch, um endlich die unausweichlichen Konsequenzen zu ziehen? Jeder Tag, an dem der Aufsichtsratschef und Präsident im Amt bleibt, lädiert nicht nur zunehmend sein ohnehin stark beschädigtes Ansehen, sondern auch das des FC Bayern und seiner Verantwortlichen.