Schweinsteiger verlässt Bayern - Das Geschäft kommt zuerst

Für die Fans von Bayern München wiegt der Verlust der Identifikationsfigur Bastian Schweinsteiger schwerer als der rein sportliche Abgang.
Für die Fans von Bayern München wiegt der Verlust der Identifikationsfigur Bastian Schweinsteiger schwerer als der rein sportliche Abgang.
Foto: imago/MIS
Was wir bereits wissen
Abseits einer kühlen Betrachtung sagt uns das Gefühl, dass den Bayern ein Herzstück wegbricht. Weil die Branche nunmal so ist. Ein Kommentar.

Essen.. Als Stürmer soll man dahin gehen, wo es weh tut, sagen die Fußballer, und meinen damit den gegnerischen Strafraum. Als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München musste der gelernte Stürmer Karl-Heinz Rummenigge bei der Saisoneröffnung des Rekordmeisters dahin gehen, wo es ihm weh tat – und das war gleich die gesamte Arena. Wen wundert’s: Rummenigge hatte den Schweinsteiger-Wechsel zu verkünden und wurde dafür natürlich ausgepfiffen.

Der Wechsel spricht Bauch und Kopf gleichermaßen an. Das Besondere ist, dass Verstand und Gefühl bei diesem Transfer nicht überein zu bringen sind.

Es gibt viele Vorteile durch den Schweinsteiger-Transfer

Der Verstand sagt, dass der Wechsel gut für alle Seiten ist. Für Manchester United, weil es einen Weltmeister bekommt, der mit seiner Art gut in die Premier League passen müsste. Für Schweinsteiger, weil er dort eine neue Herausforderung findet. Und einen so lang laufenden und so hoch dotierten Vertrag, wie ihn die Bayern nicht mehr mit ihm abschließen wollten. Und schließlich ist der Wechsel auch nicht verkehrt für den Rekordmeister, weil er für einen fast 31-Jährigen noch viel Geld erhält, der verletzungsanfällig und sportlich dank des Überangebots auf seiner Position nicht mehr unverzichtbar geworden ist. Wichtiger noch: Der Verein erspart sich die Debatten und Aufgeregtheiten, die so unvermeidlich wie der Fön über München gekommen wären, wenn Schweinsteiger wie zu erwarten in der neuen Saison öfter auf der Bank gesessen hätte.

Das alles ist die kühle Betrachtung, die wir mit dem Kopf anstellen, und es ist wohl kein Zufall, dass der FC Bayern seit dem Fall von Uli Hoeneß von Karl-Heinz Rummenigge geprägt wird, einem Verstandesmenschen. Viele sagen, einem kalten Verstandesmenschen.

Fußball aber ist, allen völlig aus der Relation geratenden Millionensummen zum Trotz, auch Bauchsache. Gefühlssache. Und das Gefühl sagt uns, dass mit Bastian Schweinsteiger ein Herzstück der Bayern wegbricht. Einer, der als „Schweini“ begonnen hat, den viele Menschen aber längst respektieren und seit seinem großen Kampf vor einem Jahr im WM-Finale gegen Argentinien regelrecht verehren.

Abschied Schweinsteigers Abgang symbolisiert bei Bayern München also auch einen Stilwechsel, der typisch ist für unsere Gesellschaft. Es ist die zunehmende Geringschätzung jeder Werte, die sich nicht in Euro und Cent berechnen lassen und die Verbundenheit, Loyalität oder Respekt heißen. Karl-Heinz Rummenigge setzt auf Trainer Pep Guardiola, und das mit aller Konsequenz. Dafür hat man sich – sportlich nachvollziehbar, aber sehr geschäftsmäßig – von einem getrennt, der Bayern verkörpert hat wie kaum ein anderer.