SC Paderborn gibt sich trotz 1:3 gegen Wolfsburg kämpferisch

Frustriert und enttäuscht: Die Spieler des SCP nach der Partie gegen Wolfsburg.
Frustriert und enttäuscht: Die Spieler des SCP nach der Partie gegen Wolfsburg.
Foto: imago/Eibner
Was wir bereits wissen
Die einen feierten die Qualifikation für die Champions League, die anderen schlichen enttäuscht vom Platz. Doch kurz nach dem 1:3 gegen den VfL Wolfsburg schöpften die Fußballer des SC Paderborn neuen Mut im Kampf um den Bundesliga-Verbleib.

Paderborn.. Mit beiden Händen halten die Fans des SC Paderborn ihre schwarz-blauen Schals über ihre Köpfe. Viele haben sich von ihren Plätzen erhoben, um inbrünstig die Vereinshymne mitzusingen, welche die so genannten Ultras auf der Südtribüne der Benteler-Arena anstimmen. „Helden geben nie auf“, heißt das Lied - und diese Zeile geben die Anhänger den Fußball-Profis zu Beginn der Nachspielzeit dieser Partie gegen den VfL Wolfsburg mit auf den Weg. Über die 1:3-Niederlage hinaus, welche den SCP im ersten Moment als den Verlierer des Spieltages ausweist, weil die Konkurrenz punktet und die Ostwestfalen auf Rang 17 der Tabelle abrutschen.

Paderborn hat die Bundesliga bereichert

Helden geben nie auf - das war bereits das ostwestfälische Motto, als die Paderborner mit dem Aufstieg in die Bundesliga den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte erreichten. An diesem Montag jährt sich das deutschlandweit als Sensation oder gar als Fußball-Wunder beschriebene Ereignis. Seitdem strafte der SCP viele Experten Lügen, bereicherte die Bundesliga sogar durch eine famose Hinrunde und besitzt trotz des Tabellenplatzes noch alle Chancen, die viel größere Sensation, den Klassenerhalt, zu schaffen. „Aus eigener Kraft“, wie Kapitän Uwe Hünemeier betont.

Spielbericht Denn der Abstiegskampf bietet in diesem Jahr eine Dramatik, wie sie die Liga noch nie zuvor sah. Nur vier Punkte trennen das Schlusslicht VfB Stuttgart (30) vom 13. Hertha BSC Berlin (34). Mittendrin und punktgleich mit dem SC Freiburg und Hannover 96: der SC Paderborn mit 31 Zählern. „Ich drücke euch die Daumen, dass ihr das packt“, sagt selbst Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking, der in Soest aufwuchs und einst selbst für den SCP Fußball spielte. „Andere Klubs werden mehr Nerven lassen müssen in den letzten beiden Spielen“, ergänzt der Mann, dessen Klub sich durch den Sieg endgültig die Teilnahme an der Champions League sichert.

Rupp vergibt Chance zur Führung

Gegen den Außenseiter aus Paderborn gibt sich Wolfsburg nur in einer Szene eine Blöße. In der elften Minute schießt Lukas Rupp den Ball aus bester Position über das VfL-Tor. „Der ist mir über den Fuß gerutscht“, erzählt Rupp später traurig. Eine frühe Führung der Gastgeber - und die Aufgabe wäre schwer geworden für die Niedersachsen. So trifft Timm Klose nach einer Ecke zum 1:0 für die Gäste (16. Minute) und Bas Dost erhöht bereits in der 25. Minute auf 2:0. Paderborn gibt sich jedoch nie auf, hält spielerisch mit, wenngleich der letzte Biss fehlt. Als Dost zum 3:0 trifft (82.), ist die Niederlage besiegelt.

Fußball „Die Lage hat sich nicht verändert“, sagt Paderborns Trainer Andre Breitenreiter nach der Partie mit Blick auf den irren Abstiegskampf. Er ergänzt: „Ich kann ihnen versichern, dass wir nach einer Niederlage gegen einen Champions-League-Teilnehmer wie Wolfsburg nicht in ein tiefes Loch fallen werden. Abgerechnet wird zum Schluss!“

Auch Michael Born, Geschäftsführer Sport, ist nach „dem guten Spiel in Ballbesitz“ (Breitenreiter) weit entfernt von jeglicher Abstiegs-Panik. „Unsere Konzentration gilt den letzten beiden Spielen“, sagt der Wittgensteiner, „wir haben noch alle Chancen.“ Schalke 04 und VfB Stuttgart heißen die Gegner - denen die Paderborner Aufstiegshelden gemäß des Auftrags der Fans unerschrocken und zuversichtlich gegenüber treten werden. Dass sie verstanden haben, beweist Lukas Rupp, kurz nachdem die Vereinshymne durch die Arena schallt - mit dem Treffer zum 1:3.

Falk Blesken

Stimmen zum Spiel: "Paderborn hat alles selbst in der Hand"

Lukas Rupp (SC Paderborn): "Trotz des 0:2 zur Pause haben wir uns für die zweite Halbzeit noch Chancen ausgerechnet. Mein Tor kam aber leider zu spät. Wir haben den Ball über 90 Minuten gut laufen lassen. Das macht uns Mut für die letzten beiden Saisonspiele."

Bas Dost (VfL Wolfsburg): "Vor dem Spiel war der Druck auf unserer Seite zu spüren. Wir mussten gewinnen, um endlich die Champions-League-Qualifikation klar zu machen. Wir haben das hier in Paderborn souverän gelöst und ich bin glücklich über meinen Tor-Doppelpack. Endlich habe ich wieder getroffen!"

Süleyman Koc (SC Paderborn): "Wenn wir auf Schalke und am letzten Spieltag gegen Stuttgart so weitermachen wie heute in der zweiten Halbzeit gegen Wolfsburg, dann bin ich optimistisch. Wir müssen elf Freunde sein auf dem Platz, zusammenhalten und als Team auftreten, um die Klasse zu halten. Die anderen kochen auch nur mit Wasser und wir wollen alle ein weiteres Jahr in der Ersten Bundesliga spielen. Das fühlt sich immer noch super an."

Uwe Hünemeier (SCP-Kapitän): "Wir schauen nur auf uns und wir werden jetzt sicher nicht nervös, weil wir momentan Tabellenvorletzter sind. Wenn eine Mannschaft mit solchen Situationen ungehen kann, dann sind wir es. Das haben wir vergangene Saison im Aufstiegsrennen bewiesen. Unser Trainer wird jetzt einen guten Plan für das Schalke-Spiel ausarbeiten."

Klaus Allofs (Manager, VfL Wolfsburg): "Die Paderborner haben als Underdogg der Bundesliga überrascht. Daran ändert auch die heutige Niederlage nichts. Sie haben am letzten Spieltag gegen Stuttgart noch alles selbst in der Hand. Die können das schaffen."

Hans-Joachim (Akki) Watzke (BVB-Chef, Ehrengast auf der Tribüne): "Paderborn hat in der ersten Halbzeit nicht aggressiv genug gespielt. Im Abstiegskampf musst du entschlossener auftreten. Allein mit spielerischen Mitteln kannst du einen Champions-League-Kandidat nicht in die Knie zwingen."

Srdjan Lakic (SCP-Stürmer, der vormals für Wolfsburg gespielt hat): „Die Niederlage ist bitter, aber nicht deshalb, weil es eine gegen meinen Ex-Klub und meinen Freund Ivan Perisic war. Das schaltet man aus in 90 Minuten. Wir sind ja alle Profis.“

gesammelt von Hartwig Sellmann