Mehr Alkoholverbote im Fußball, weniger Gästetickets?

Die Innenminister diskutieren mal wieder Maßnahmen gegen die Gewalt im Fußball. Bei der Konferenz in Mainz geht es am Freitag um die Ausweitung des Alkoholverbotes und die Reduzierung von Tickets für Gästefans jeweils bei Hochrisiko-Spielen.

Frankfurt/Main.. Die Begeisterung über weitere Verschärfungen hält sich bei DFB und DFL in Grenzen - bei den Fanorganisationen sowieso. Stellt sich die Frage: Was soll da überhaupt beschlossen werden?

Zwar ist das Reizthema Pyrotechnik weiter präsent und es gab auch in der vergangenen Saison wüste Szenen wie beim Platzsturm der Kölner Ultras beim Derby in Mönchengladbach. Ansonsten bemühen sich aber weitgehend alle Seiten, das im Dezember 2012 nach heftigen Grabenkämpfen verabschiedete Sicherheitskonzept umzusetzen.

"Wir haben weltweit mit die sichersten Stadien. Wir haben eine international einzigartige Qualifizierungsoffensive für Präventions- und Sicherheitsarbeit", sagt Hendrik Große Lefert, der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Man müsse aber mit den Clubs, Fans und vor allem der Polizei "am Ball bleiben".

Vor der Innenministerkonferenz (IMK) hat nun deren Vorsitzender, der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz, eine Ausweitung des Alkoholverbotes und Verringerung der Gästeplätze ins Spiel gebracht. "Wenn es weniger Gästekarten gibt, könnten mehr Pufferzonen in den Sitzblöcken eingerichtet werden", erklärt der SPD-Politiker. "Das wäre ein gutes Mittel gegen Gewalt - genauso wie ein umfassendes Alkoholverbot bei Risikospielen auch im Umfeld des Stadions."

Dirk Middelhof, Repräsentant des internationalen Queer Football Fanclubs, gibt zu bedenken: "Jeder weiß, dass sich in den letzten zwei Jahren vieles gebessert hat. Solche Maßnahmen würden die Bemühungen konterkarieren und den Fans das Vertrauen entziehen."

Konkret geht es darum, dass Bier und andere Alkoholika nicht nur in Kneipen und Kiosken, sondern auch im Öffentlichen Personennahverkehr rund um das Stadion verboten werden könnten. "Die Praktiker im Feld wissen, dass das nicht effektiv ist, wahrscheinlich sogar kontraproduktiv", sagt Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) in Frankfurt/Main. "Die, die an Gewalt interessiert sind, trinken in der Regel eh nicht. Die, die trinken wollen, machen das einfach exzessiv vorher. Und die Riesenmehrheit, die einfach nur ein Bierchen beim Fußball trinken will, fühlt sich gegängelt."

Ein Verbot, so Große Lefert, müsse jedenfalls in jedem Einzelfall geprüft werden, von "Gießkannen-Standards" hält er wenig. Alkoholverbote nur in den Stadien - wie zum Beispiel beim DFB-Pokalfinale 2014 in Berlin zwischen Bayern München und Borussia Dortmund- werden nämlich längst bei Hochrisiko-Spielen ausgesprochen.

"Mit großer Sensibilität" beobachten die Fans nach Angaben Gabriels die Debatte um die Tickets bei Auswärtsspielen. "Da kann es schnell passieren, dass die Konflikte zwischen den Vereinen, Verbänden und Behörden und den Fans wieder tiefer werden", warnt er.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will dem Ergebnis der IMK nicht vorgreifen, ist aber grundsätzlich stolz auf die "Reise-Kultur" der Zuschauer: In kaum einer Liga der Welt begleiten die Fans ihre Mannschaft so intensiv zu Auswärtsspielen. Bislang bekommt der Gastclub zehn Prozent der Karten. Nun wollen die Innenminister darüber reden, ob diese bei Hochrisikospielen auf 5 oder gar 0 Prozent reduziert werden sollen. Bislang waren solche Maßnahmen eine gern angewandte Strafe des DFB-Sportgerichts nach Ausschreitungen.

Große Lefert sieht dies als "ultimative Maßnahme: Im Grundsatz wollen wir natürlich nicht weniger Gästefans in unseren Stadien". Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) spricht sich für personalisierte Eintrittskarten aus. Ansonsten seien "harte Strafen die Botschaft", so ein Sprecher. Für große Sicherheitsschneisen rechts und links der Gästeblöcke in den Stadien, die dann leerbleiben oder mit Polizisten besetzt würden, kann sich die Gewerkschaft ebenfalls nicht begeistern. Schöne Fernsehbilder gibt das nach Ansicht der Clubs und Dachverbände auch nicht.