Hertha-Lolita

Lolita-Affäre überschattet erfolgreichen Hertha-Saisonstart

Konnte sich angesichts der Berichte über eine angebliche Sex-Affäre einiger seiner Spieler mit einer 16-Jährigen  nicht so recht über den Sieg gegen den HSV freuen: Hertha-Coach Jos Luhukay.
Konnte sich angesichts der Berichte über eine angebliche Sex-Affäre einiger seiner Spieler mit einer 16-Jährigen nicht so recht über den Sieg gegen den HSV freuen: Hertha-Coach Jos Luhukay.
Foto: dpa

Wichtig ist nur auf’m Platz? Dank seiner enormen Popularität sorgt der Fußball zunehmend auch außerhalb des Rasens für Aufreger. Wie jetzt Bundesliga-Aufsteiger Hertha leidvoll erfuhr - durch Berichte über eine angebliche Sexaffäre mehrerer Profis mit einer 16-Jährigen. Ein Kommentar.

Berlin.. Die Faszination des Fußballs liegt nicht in seiner Schönheit. Nach welchen Kriterien sollte die auch bemessen werden? Es ist die Unberechenbarkeit und die schier unerschöpfliche Dramaturgie des Spiels, welche die Menschen in ihren Bann zieht und die sämtliche Emotionen bedient – von Freude über Wut und Fassungslosigkeit bis zur Trauer.

Wer nach 50 Jahren Bundesliga glaubte, schon alles erlebt zu haben, ist vom Hoffenheimer Sejad Salihovic eines Besseren belehrt worden. Ein Elfmeterschütze, der – obwohl doch eigentlich berauscht vom Hochgefühl des erfolgreichen Schusses – Sekunden später einen Gegenspieler ohrfeigt und dafür vom Platz fliegt: Kein Drehbuchautor hätte sich getraut, so ein dämliches Szenario zu entwerfen.

Gut, acht Platzverweise an einem einzigen Spieltag mögen Liga-Rekord sein, sind aber nicht wirklich umwerfend und taugen schon gar nicht dazu, womöglich einem Trend zu größerer Härte, dünneren Nervenkostümen oder schlechteren Schiedsrichterleistungen das Wort zu reden. Aufgebrachte Trainer, die Pfiffe kritisieren, gehören ohnehin zum Alltag.

Wobei die Erregung von Mönchengladbachs Lucien Favre, eher ein Mann der besonnenen Worte, schon wieder aus dem Rahmen fällt. Weil sie nach dem dritten gegen sein Team verhängten fragwürdigen Handelfmeter weniger den Unparteiischen als einer nicht mehr nachvollziehbaren Regel bzw. Regelauslegung gilt, was auch für das passive Abseits und die Doppelbestrafung Elfmeter/Platzverweis gilt.

Luhukay kann Hertha-Erfolg kaum genießen

Die bemerkenswertesten, weil nachdenklichsten Worte des Wochenendes kamen jedoch von einem Trainer, der sich aktuell überhaupt nicht benachteiligt, geschweige denn – wie seine Kollegen Jens Keller (Schalke) oder Thorsten Fink (HSV) – schon in diesem frühen Saisonstadium unter Druck gesetzt fühlt. Hertha-Coach Jos Luhukay mochte sich über den guten Saisonstart der Berliner nicht so recht freuen, weil ihn Dinge um den Schlaf gebracht hatten, die nur indirekt mit dem Fußball zu tun haben.

Fußball-Bundesliga Vor dem Hintergrund der sogenannten Lolita-Affäre mehrerer Hertha-Profis, die Sexkontakte zu einer 16-Jährigen gehabt haben sollen, sprach der Holländer – ausdrücklich als Vater von zwei Kindern – mit sichtlicher Betroffenheit über „Normen und Werte des Lebens“. Worte, die umso eindringlicher wirken, weil sie über die übliche Medienschelte hinausgehen. „Wir werden mit privaten Dingen konfrontiert“, so Luhukay, „die sehr, sehr peinlich für uns alle sind.“

Der zunehmende Verlust jeglicher Privatsphäre ist auch ein Preis für die Popularität des Fußballs. Weil dessen Hauptdarsteller längst nicht nur auf dem Platz Aufsehen erregen, tragen sie aber auch eine Verantwortung dafür, ihrer – hoch dotierten – Rolle gerecht zu werden.

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