Leverkusen dreht auf schlechtem Darmstädter Rasen das Spiel

Stefan Kießling und seine Kollegen von Bayer Leverkusen hatten am Ende in Darmstadt doch noch Grund zum Jubeln.
Stefan Kießling und seine Kollegen von Bayer Leverkusen hatten am Ende in Darmstadt doch noch Grund zum Jubeln.
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Was wir bereits wissen
  • Bayer Leverkusen gelingt ein 2:1-Sieg bei Darmstadt 98.
  • Der VfL Wolfsburg und der VfB Stuttgart feiern einen 2:0-Sieg.
  • Hoffenheim gelingt beim Einstand von Neu-Trainer Julian Nagelsmann ein 1:1 gegen Bremen.

Bremen/Stuttgart/Wolfsburg/Darmstadt.. Bayer Leverkusen ist wieder auf Kurs Champions League. Die Mannschaft von Trainer Roger Schmidt landete am Samstag einen glücklichen 2:1 (0:1)-Sieg beim SV Darmstadt 98 und verbesserte sich auf den dritten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga. Vor 16 800 Zuschauern im Stadion am Böllenfalltor brachte Sandro Wagner den Aufsteiger mit seinem siebten Saisontor (28. Minute) in Führung. Ein Eigentor von SV-Kapitän Aytak Sulu (62.) und ein Kontertreffer von Julian Brandt (77.) brachten dann die Wende für die Gäste.

BVB Bayer gelang damit auch die Generalprobe für das Achtelfinal-Hinspiel am Donnerstag in der Europa League bei Sporting Lissabon. Für die Werkself war es das sechste Spiel ohne Niederlage nach einer dürftigen Vorstellung. Die "Lilien" verpassten vor dem Auswärtsspiel beim FC Bayern München den ersehnten zweiten Heimsieg. Auch aus einem erneuten Coup wie beim 1:0 im Hinspiel in Leverkusen wurde nichts.

Vier Tage nach dem Viertelfinal-Aus im DFB-Pokal gegen Werder Bremen wechselte Trainer Roger Schmidt gleich auf vier Positionen: Brandt, Marlon Frey, Tin Jedvaj und Admir Mehmedi kamen für Hakan Calhanoglu und Roberto Hilbert sowie für Torjäger Javier "Chicharito" Hernández (Muskelfaserriss) und den erkrankten Weltmeister Christoph Kramer.

Wagner bringt Darmstadt in Führung

Auf dem ramponierten Rasen und bei strömendem Regen taten sich die Leverkusener schwer, eine spielerische Linie zu finden. Zudem waren sie immer wieder damit beschäftigt, Darmstadts Flügelflitzer Marcel Heller einzufangen, der Wendell auf dessen linken Seite gut beschäftigte.

Heldt Die Gastgeber mauerten sich nicht hinten ein: Luca Caldirola zeigte eine Kostprobe von Darmstadts Kopfballstärke und prüfte in der 22. Minute erstmals Torhüter Bernd Leno. Der Sieg beim Mitkonkurrenten Hoffenheim hatte dem Team von Chefcoach Dirk Schuster noch mehr Selbstvertrauen gegeben. Unbeirrt vom hochkarätigen Gegner kämpfte es sich in die Partie und kaufte den Leverkusenern immer mehr den Schneid ab."Oh Lilien, oh Lilien, oh Lilien!", tönte es dann nach einer knappen halben Stunde aus den Lautsprechern: Eine Schuss aus sieben Metern von Jan Rosenthal konnte Leno noch abwehren, nicht aber den Kopfball des wuchtigen Wagners - das verdiente 1:0.

Nach dem Wechsel blieben die Darmstädter ein eklige Gegner für Bayer. Voller Leidenschaft warfen sie sich in die Zweikämpfe. Die erste klare Torchance für den Favoriten ließ so weiter auf sich warten.Nach einer knappen Stunde brachte Bayer-Coach Schmidt Hakan Calhanoglu. Das zahlte sich aus: Nach einem umstrittenen Freistoß des türkischen Nationalspielers lenkte Abwehrchef Sulu den Ball ins eigene Netz. Auch das 1:2 ärgerte die "Lilien" und Schuster mächtig, da die Hausherren ein Foulspiel reklamierten und dann ausgekontert wurden. Brandt spitzelte den Ball zum 2:1 ins Tor.

Wolfsburg gelingt Befreiungsschlag gegen Ingolstadt

Der VfL Wolfsburg kann doch noch gewinnen. Weltmeister Julian Draxler (29. Minute) und Youngster Robin Knoche (39.) schossen den zuletzt bis auf Rang acht abgestürzten Vizemeister der Fußball-Bundesliga am Samstag zum 2:0 (2:0) gegen den erschreckend schwachen Aufsteiger FC Ingolstadt. Damit gelang dem Team von Trainer Dieter Hecking vier Tage vor dem Champions-League-Duell bei KAA Gent der erste Dreier nach zuvor sieben sieglosen Spielen in Serie.

Einzelkritik Mit nun 30 Punkten hat der Pokalsieger wieder Anschluss an die Europapokalplätze. Die offensiv eklatant harmlosen und defensiv schwachen Ingolstädter präsentierten sich als perfekter Aufbaugegner und verpassten es, in der Tabelle am VfL vorbei zu ziehen. Mit 26 Punkten bleibt das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl im Mittelfeld der Tabelle.Wolfsburg verdiente sich den ersten Erfolg seit dem 21. November (6:0 gegen Bremen) durch viel Leidenschaft und Engagement vor allem in der ersten Halbzeit. Bereits vor dem Spiel gab es dafür deutliche Zeichen.

VfL-Coach Hecking, dem vom Stadionsprecher demonstrativ der Rücken gestärkt wurde, verzichtete angesichts der indiskutablen Leistung von Nicklas Bendtner beim 0:3 in der Vorwoche auf Schalke auf den Angreifer. Trotz der aktuellen Notsituation im Sturm stand der dänische Problemprofi gar nicht erst im Kader.

Draxler und Knoche treffen für die Wölfe

Der "Vorsänger" in der VfL-Kurve forderte die Wolfsburger Fans auf, auf Pfiffe zu verzichten, dennoch wurden die Profis mit einem ebenso derben wie eindeutigen Slogan empfangen: "Reisst euch endlich den Arsch auf", hing als Transparent im Stadion. In der Tat bemühten sich die Niedersachsen gegen biedere Gäste deutlich, auch wenn spielerisch noch deutlich Luft nach oben ist.

Spielbericht Ingolstadt spielte solide, machte es den vermeintlich verunsicherten Gastgeber durch ständige Fehler im Aufbau aber zu leicht. Nach einem solchen vollendete Draxler mit seinem dritten Saisontor einen Konter, ehe Knoche nach einer Ecke zu seinem ersten Saisontor im erst zweiten Spiel in dieser Spielzeit abstaubte.

Schon zur Halbzeit war das Spiel gelaufen, weil Ingolstadt nach vorne einfach nichts gelang. VfL-Keeper Koen Casteels, der den verletzten Diego Benaglio (Blockade im Rippenbereich) vertrat, wurde erst nach 67 Minuten erstmals geprüft, als der Belgier einen Kopfball von Marvin Matip erstklassig parierte. Aus dem Spiel heraus blieben die Schanzer aber vollkommen harmlos. Da auch Wolfsburg nicht mehr als nötig tat und einige vielversprechende Angriffe nicht konsequent zu Ende spielte, erlebten die gut 26 000 Zuschauer eine öde zweite Hälfte.

VfB-Siegesserie geht gegen Hertha weiter

Der VfB Stuttgart setzt seine Aufholjagd in der Fußball-Bundesliga fort. Mit dem fünften Sieg nacheinander beendeten die Schwaben beim 2:0 (0:0) am Samstag zugleich die Serie von Hertha BSC. Der Champions-League-Kandidat aus Berlin verlor nach sechs Partien erstmals wieder im Oberhaus und rutschte auf Platz vier. Der überragende Serey Dié mit seinem ersten Ligatreffer in der 51. Minute und Filip Kostic (84.) sorgten vor 45 465 Zuschauern in der Mercedes-Benz-Arena für den insgesamt verdienten Erfolg der Stuttgarter, die sich auf Rang neun verbesserten.

VfB-Trainer Jürgen Kramny vertraute seiner zuletzt in der Liga so erfolgreichen Startformation. Für den gelb-rot gesperrten Spielmacher Daniel Didavi bot er erwartungsgemäß Alexandru Maxim auf. Hertha-Coach Pal Dardai konnte wieder auf den im Pokal noch fehlenden Kapitän Fabian Lustenberger zurückgreifen. Dagegen fiel neben Stürmer Salomon Kalou (Oberschenkelverletzung) kurzfristig auch Verteidiger Mitchell Weiser wegen muskulärer Probleme aus, für den Peter Pekarik ins Team rückte.

Beide Mannschaften neutralisierten sich im ersten Durchgang weitgehend und konnten kaum gefährlichen Druck aufs gegnerische Tor entwickeln. Die Schwaben erarbeiteten sich bei einem leichten spielerischen Übergewicht zwar mehr Chancen, allerdings drohte durch Kostic (2.), Maxim (18.) und Timo Werner (27.) keine ernsthafte Gefahr. Die stabile Berliner Abwehr hatte ihre Kontrahenten zunächst sicher im Griff.

Kostic entscheidet die Partie

Hertha agierte in der Offensive äußerst harmlos, hatte allerdings vor der Pause die mit Abstand beste Möglichkeit. Torjäger Vedad Ibisevic scheiterte an seiner alten Wirkungsstätte jedoch am glänzend reagierenden VfB-Keeper Przemyslaw Tyton, der den Schuss mit dem Fuß abwehren konnte (37.).Nach dem Seitenwechsel verstärkten die Berliner ihre Offensivbemühungen, aber der VfB ging in Führung. Serey Dié krönte seine starke Leistung mit einem sehenswerten Volleyschuss zum 1:0. Herthas aufgerückter Abwehrchef John Anthony Brooks hatte dann mit einem Schuss an den Außenpfosten Pech (56.).

Dardai verstärkte nach dem Rückstand seine Offensive und brachte den früheren Stuttgarter Stürmer Julian Schieber nach einer Stunde für Lustenberger. Während sich der bisherige Tabellendritte um den Ausgleich bemühte, versuchte der VfB, seine Führung auszubauen. Kostic verzog bei der nächsten guten Möglichkeit jedoch knapp (66.).

Sieben Minuten vor dem Ende machte der quirlige Kostic es dann aber besser. Nach einem Ballverlust der Hertha vollstreckte der Serbe per Flachschuss zur Entscheidung. Damit bleibt der VfB das beste Team der Rückrunde und kann sich allmählich sogar in Richtung Europacup-Plätze orientieren. Pokal-Halbfinalist Berlin dagegen ist in der Bundesliga in diesem Jahr weiter sieglos.

Hoffenheim-Trainer Nagelsmann holt Punkt beim Debüt

Der jüngste Trainer in der Geschichte der Fußball-Bundesliga hat bei seiner Premiere einen glücklichen Punkt geholt. Der erst 28 Jahre alte Julian Nagelsmann kam am Samstag bei seinem Einstand mit der TSG Hoffenheim zu einem 1:1 (1:1) bei Werder Bremen. Auch bei Nagelsmanns erstem Spiel als Erstliga-Coach gelang der TSG kein Sieg im Weser-Stadion, nachdem der Vorletzte der Tabelle zuvor bereits sieben Mal in Bremen erfolglos geblieben war.

Das Tor durch den später mit Gelb-Rot (77.) vom Platz gestellten Andrej Kramaric (10.) war zu wenig, der Abstand der TSG auf einem Nicht-Abstiegsrang ist mit sechs Punkten weiter erheblich. Die Bremer, für die vor 38 454 Zuschauern der starke Papy Djilobodji (13.) traf, haben als Drittletzter fünf Zähler Vorsprung auf die Hoffenheimer, sind aber ebenfalls weiter in großer Gefahr.

Dutzende von Fotografen und Kameraleuten umlagerten Nagelsmann, ehe es um 15.30 Uhr für den Bundesliga-Neuling ernst wurde. Der Nachfolger von Huub Stevens, der wegen Herzrhythmusstörungen sein Amt niedergelegt hatte, sah eine Partie zweier engagierter Teams mit frühen Toren.

Nagelsmann lässt 3er-Kette spielen

Nagelsmann hatte die TSG-Startelf im Vergleich zur Niederlage gegen Darmstadt 98 in der Vorwoche auf vier Position geändert und überraschte mit neuer Taktik. Defensiv stand Hoffenheim im selten gespielten 3-4-1-2-System, das bei eigenem Ballbesitz geändert wurde. Deutlich torgefährlicher waren jedoch die Bremer, die ein 4-1-4-1-System spielten.

Der Bundesliga-Neuling, der noch kein Fußball-Lehrer ist, erlebte einen perfekten Start seines Teams mit einem kuriosen Treffer. Nach einem Ballverlust von Claudio Pizarro bediente Tobias Strobl Stürmer Kramaric, dessen Kopfball vom Pfosten an Felix Wiedwalds Rücken und von dort ins Netz prallte.

Fast im Gegenzug glich Werder aus, auch mit leichter Mithilfe des Gegners. Nach Ecke von Florian Grillitsch traf Djilobodji TSG-Verteidiger Ermin Bicakcic, der den Ball unhaltbar ins Netz abfälschte.

Baumann rettet 1899 den Punkt

Danach verlief das Spiel wenig spektakulär. Die Bremer dominierten dabei, die Hoffenheimer kamen kaum mehr in den Strafraum der Gastgeber. Bei der besten Chance der gefährlicheren Bremer scheiterte Fin Bartels aus rund 16 Metern an 1899-Keeper Oliver Baumann, der den Ball um den linken Pfosten lenkt.

Werder-Coach Viktor Skripnik baute trotzdem zur Pause um und brachte Levin Öztunali, doch das Team des 46 Jahre alte Werder-Coaches begann die zweite Halbzeit schwach. Erst nach einer Anlaufphase kamen die Bremer wieder zu Chancen.

Bester Hoffenheimer war in der zweiten Hälfte Baumann. Der Schlussmann parierte mehrfach gegen die stürmischen Bremer, die in Überzahl zu hektisch agierten. Nagelsmann, der das Geschehen meistens ruhig am Rande verfolgte und wenig Emotionen zeigte, sah wenig gute Konter seines Teams. (dpa)