Langzeit-Urlauber Müller dankt Löw - Neues Rekord-Ziel

Fünf Wochen Urlaub - wie paradiesisch. Thomas Müller genießt jeden einzelnen Tag. Schließlich wird der Weltmeister den nächsten Sommer ohne Fußball, ohne ein großes Turnier, wohl erst wieder im Jahr 2019 erleben.

Egling.. Die extralange Verschnaufpause hat der Nationalspieler vom FC Bayern München auch der Weitsicht von Joachim Löw zu verdanken. Der Bundestrainer hatte ihm angeboten, ausnahmsweise in den Länderspielen gegen die USA und Gibraltar nach dem Bundesliga-Ende auf ihn zu verzichten. "Ich habe das dankend angenommen", erzählte Müller am Freitag. Denn so musste er seinen Urlaub im Gegensatz zu seinen Bayern-Kollegen Bastian Schweinsteiger oder Mario Götze nicht vorübergehend unterbrechen.

"Ich war die letzten Jahre immer dabei bei der Nationalmannschaft", berichtete Müller am Rande eines Benefizturniers zugunsten von trauernden Kindern ("YoungWings") zu den außergewöhlich langen Ferien, die er ein Jahr nach dem unvergessenen WM-Triumph in Brasilien verbringen darf. Die intensive Erholung für Körper und Geist soll sich in der kommenden Saison, an deren Ende die Europameisterschaft in Frankreich steht, auszahlen. "Man will ja auch, dass zum richtigen Zeitpunkt die Leistung passt", sagte Müller.

Nur auf der faulen Haut zu liegen, das ist selbst im Urlaub nichts für einen Rastlosen wie Müller. "Ich war auch mal eine Woche nur am Strand gelegen", sagte er fast verteidigend. Aber: Ohne Ball geht es bei ihm nicht. Sein Fußball-Hunger hält sich vor dem Trainingsstart am 1. Juli zwar in Grenzen, aber auf den kleinen Golfball drischt er intensiv ein. Bei 6,5 steht aktuell sein Handicap. Und er will immer mehr. Kommende Woche darf er einen Tag vor den BMW Open der Golfer in München sogar mit Deutschlands Star Martin Kaymer eine Runde spielen. "Ich freue mich drauf", sagte Amateur Müller.

Erst am 1. Juli muss er wieder beim FC Bayern zur Arbeit antreten. Und mit dem Rekordmeister möchte er in der kommenden Saison Bundesliga-Geschichte schreiben. "Es hat noch keine Mannschaft geschafft, viermal nacheinander deutscher Meister zu werden. Wir haben uns in den letzten Jahren viele Rekorde geschnappt, der würde mir persönlich gefallen", sagte Müller. Bislang haben es auch die Seriensieger des FC Bayern maximal geschafft, dreimal in Serie den Titel zu gewinnen; und zwar gleich viermal: 1972-1974, 1985-1987, 1999-2001, 2013-2015.

Im Urlaub nimmt sich Müller auch Zeit für Kinder. Für Mädchen und Jungen, die den Tod von Vater oder Mutter betrauern. "Kinder sind meist nicht selbst in der Lage, sich zu helfen", begründete der Fußballstar sein nun schon mehrjähriges Engagement als Botschafter für die Beratungsstelle "YoungWings". Die Stiftung sei ihm ans Herz gewachsen, beim Umgang mit den Kindern merkt man es ihm auch an. "Thomas symbolisiert das Kämpfen, das Machen, das Tun auf dem Fußballplatz", sagte Stiftungsgründerin Martina Münch-Nicolaidis. Mit diesen Eigenschaften sei er ein wertvolles Vorbild für die Kinder: "Er ist authentisch, er ist echt."

In Deutschland leben rund 800 000 trauernde Kinder und Jugendliche, die ein enges Familienmitglied verloren haben. 20 Kinder waren am Freitag beim Turnier im Golfclub München-Riedhof dabei. Aktuell plant die Stiftung den Bau eines Sternenhauses in München. Dafür müsse nur noch ein Grundstück gefunden werden. "Das wäre eine Heimat für die Kinder", meinte Müller.