Köln-Keeper Horn: "Fan-Mehrheit muss Platzsturm verhindern"

Etwa 25 Vermummte stürmten den Rasen des Borussia-Parks nach der 0:1-Derbyniederlage. Keiner hinderte sie daran.
Etwa 25 Vermummte stürmten den Rasen des Borussia-Parks nach der 0:1-Derbyniederlage. Keiner hinderte sie daran.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Nach der Derbypleite rasten FC-Fans aus und niemand hinderte sie daran, kritisiert Kölns Keeper. Auch der Ordnungsdienst hinterlässt keine gute Figur.

Mönchengladbach.. Rainer Bonhof feiert gerne Karneval. Vor ein paar Tagen war Borussia Mönchengladbachs Alt-Internationaler und heutiger Vizepräsident nach Köln gefahren, um eine Sitzung des rheinischen Rivalen 1. FC zu besuchen. Bonhof, kostümiert als Bauer mit Latzhose, schunkelte Arm in Arm mit einem flotten Husaren, unter dessen Kostüm Kölns Manager Jörg Schmadtke steckte. Es hätte ein Beispiel dafür sein können, dass man Bundesliga-Fußball und Karneval, ja sogar Mönchengladbach und den 1. FC Köln an einem Wochenende unter einen Hut bringen kann – wenn im Gehirn alle Windungen arbeiten.

Ordnungsdienst überfordert

Aber nach dem Derby, das die Borussia spät, aber hoch verdient 1:0 gewann, ging’s wieder lang und breit um eine kleine Gruppe Kölner, bei denen eben Windungen aussetzen und die, verkleidet mit weißen Überzügen, nach dem Derby den Platz stürmen.

Viel mehr als die letzten Minuten blieb von diesem Derby daher nicht haften. Alles, was den Fußball schön macht und alles, was nicht zum Fußball gehört, ihn aber immer wieder in Verruf bringt, spielte sich kurz vor oder nach dem Ende der Partie ab.

Derby-Krawalle Kaum hatte Schiedsrichter Deniz Aytekin nach dem 1:0 für Gladbach abgepfiffen, stürmten ungefähr 30 Kölner, versteckt unter weißen Überzügen, aus ihrem Block aufs Spielfeld. Gladbachs Ordner waren in diesen Momenten vollkommen überfordert, und wieso es den Kölnern gelang, durch ein Fluchttor auf den Rasen zu kommen, wird die Borussia noch beschäftigen müssen. Es dauerte eine halbe Minute, da rückte unter dem donnernden Applaus von 54 000 normal denkenden Besuchern die Polizei an und beendete den Platzsturm. Zumindest eine halbe Minute lang hätte, da auch die Spieler noch auf dem Feld waren, Schlimmeres passieren können. Zum Glück blieb es eher bei einer Provokation als bei einer gezielten Hetzjagd. Botschaft: Seht her, was möglich ist.

Die Kölner Verantwortlichen waren danach bedient. „Das ist mindestens so bitter wie eine 0:1-Niederlage“, sagte Trainer Peter Stöger, „eigentlich ist es der bitterste Tag, seit ich in Köln bin.“ Weil die Chaoten schon vorher reichlich Pyrotechnik abbrannten und abfeuerten – auch das kein Ruhmesblatt für den Gladbacher Ordnungsdienst – wird auf Köln wohl eine empfindliche Sanktion zukommen. „Das wird deutlich“, ahnt Schmadtke.

Kölns Keeper Timo Horn legte danach als einer der wenigen den Finger in eine entscheidende Stelle: „Das muss die Fan-Mehrheit verhindern“, sagte Horn und spielte damit darauf an, dass sich die Platzstürmer unbeeinträchtigt von der Mehrheit der Kölner Fans im Gäste-Block auf die Aktion vorbereiten konnten.

Derby-Reaktionen 1:0 am Ende verdient

Weil ja auch, und eigentlich nicht zuletzt, Fußball gespielt wurde: Gladbach siegte in der Nachspielzeit durch einen Kopfballtreffer von Granit Xhaka nach Freistoß von Thorgan Hazard. Der Freistoß war ein Geschenk von Schiri Aytekin, was die Kölner lang und breit thematisierten. Was aber auch nichts daran ändert, dass ein 0:0 nicht verdient gewesen wäre, weil Gladbach alles im Griff hatte. Jedenfalls sportlich.