Großes Veh-Interview - BVB-Gegner Frankfurt genießt Erfolg

Eintracht-Trainer Armin Veh genießt den Erfolg mit seiner Mannschaft.
Eintracht-Trainer Armin Veh genießt den Erfolg mit seiner Mannschaft.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Vor zwei Wochen ist Armin Veh 52 Jahre alt geworden. Zu den ganz Jungen seiner Branche gehört er damit nicht mehr. Aber muss das ein Problem sein? Ein Gespräch mit dem Trainer von Eintracht Frankfurt vor der Bundesligapartie bei Borussia Dortmund – auch über die Vorteile des Älterwerdens.

Essen.. Herr Veh, wissen Sie noch, wer über den Spieler Armin Veh einmal gesagt hat: Wenn er nicht so faul gewesen wäre, hätte er eine Weltkarriere machen können?

Armin Veh: Das war ich. Mit dem Wort Weltkarriere wäre ich heute etwas vorsichtig, aber es stimmt, dass ich als Spieler viel mehr hätte erreichen können, wenn ich härter trainiert hätte.

Sie waren doch ein hoch talentierter Spieler. . .

Veh: Ja, eben. Ich hatte die Technik und die Schnelligkeit. Im Grunde würde ich sagen, dass mir der Fußball zu leicht gefallen ist. Und da ich zu wenig für meine Physis getan habe, habe ich die richtige Balance nicht gefunden.

Haben Sie einen Typ Veh im Kader?

BVB Veh: Nee, den gibt’s nur einmal. Im Ernst: Habe ich nicht, und ich glaube, so ein Typ hätte es heute schwer mit mir. Denn wenn ich heute meinen Spielern sage, dass Mentalität Talent schlägt, dann weiß ich, wovon ich rede.

Ihre Mannschaft steht als Aufsteiger auf Platz vier, mit Tuchfühlung zu Platz zwei. Mentalität oder Talent?

Veh: Bei uns kommt beides zusammen. Eins alleine würde heute auch nicht mehr reichen.

Sie lassen sehr offensiv und risikoreich spielen. Steht Ihre Zeit in der Gladbacher Fohlen-Elf Pate?

Veh: Ach, das wäre übertrieben. Ich habe auch in Reutlingen schon offensiv spielen lassen, aber das war die 3. Liga, deshalb hat man es nicht so bemerkt. Ich habe meiner Mannschaft nach dem Aufstieg gesagt, sie soll in der Bundesliga weiter mutig spielen, weiter nach vorne spielen. Und zwar unabhängig vom Gegner. Immer. Das kann dann auch mal schief gehen, dann fangen wir uns eben mal richtig eins ein. Aber das ist dann auch okay. Das stehen wir doch durch.

Viel hatten Sie ja in dieser Saison nicht durchzustehen.

Fußball Veh: Nein, das nicht. Aber ich halte es nun mal für sehr wichtig, dass man einen eigenen Stil kreiert. Ich möchte, dass die Leute erkennen: Aha, da spielt Frankfurt. Mit rummauern, um irgendwie drinzubleiben, geht das nicht. Das kann hier auch nicht der Anspruch sein. Und ich hätte keinen Spaß daran.

Sie sind Bundesliga-Trainer und wollen auch noch Spaß haben?

Veh: Ich bin Bundesliga-Trainer und weiß, dass zuerst die Resultate zählen. Und ich finde es tatsächlich toll, wenn ich samstags an der Linie stehe und das ein bisschen genießen kann, was mein Team da tut. Ich möchte Freude haben und ein gutes Spiel sehen. Ich bin nämlich auch Fußball-Fan.

Veh: "Im Grundsatz ist Dortmund mit den Bayern auf Augenhöhe"

Das klingt alles ziemlich gelassen. Kommt mit dem Alter auch Distanz zum Geschäft?

Veh: Distanz ist der falsche Ausdruck, Distanz entwickeln sie nie, weil sie immer mitten drin sind. Was ich meine, ist das: Ich bin jetzt 52 Jahre alt, und als ich sechs Jahre alt war, habe ich angefangen, Fußball zu spielen. Ich kann mich nicht mehr den ganzen Tag lang über einen verlorenen oder gewonnenen Zweikampf unterhalten oder einen Tag lang über einen Bericht in der Zeitung ärgern. Man verliert sicherlich ein paar Dinge im Alter. Ich kann zum Beispiel nicht mehr so schnell laufen wie früher.

Aber?

Veh: Aber man gewinnt in seinem Leben mehr hinzu. Gelassenheit. Und damit Offenheit. Ich vermute nicht mehr gleich hinter jedem Baum einen Heckenschützen, deshalb gehe ich sicherlich anders mit vielen Begleiterscheinungen meines Berufes um, als ich es früher getan habe. Ich hebe mir meine Energie für Dinge auf, die mir wichtig sind. Doch, ich würde sagen, es ist viel angenehmer mit mir geworden, als es früher manchmal war.

Trotzdem geht es um Resultate. Die Eintracht hat 37 Punkte auf dem Konto, Sie reden aber dennoch nach wie vor nur vom Klassenerhalt. . .

Jahresrückblick Veh: Weil ich vor der Saison gesagt habe, wir wollen 40 Punkte holen und in der Liga bleiben. Wenn wir die haben, können wir über neue Ziele sprechen. Dann werde ich die auch formulieren. Vorher nicht.

Ein Sieg am Samstag in Dortmund, und Sie haben die 40 Punkte. Wie gewinnt man bei der Borussia?

Veh: Gute Frage. Ich könnte jetzt sagen, wir brauchen einen extrem guten Tag und die Borussia darf keinen ganz so guten haben. Ich habe mir viele Spiele des BVB angeschaut, und ich muss sagen, da war so ziemlich das Beste dabei, was ich in den letzten Jahren zu Gesicht bekommen habe. Ich bin ein Fan der Dortmunder Spielweise. Dass es dieses Jahr mit der Meisterschaft nicht klappen wird, finde ich nicht so tragisch. Denn im Grundsatz ist Dortmund mit den Bayern auf Augenhöhe.

Wir kommen auch nicht ohne Schalke 04 aus. Der Verein hat noch keinen Trainer für die neue Saison verpflichtet und Horst Heldt, Ihr Partner aus Stuttgarter Meistertagen, ist Manager bei Schalke. . .

Veh: Sie brauchen gar nicht weiterzumachen. Dazu gibt es von mir nichts. Ich bin Trainer von Eintracht Frankfurt. Ende.

Ein Trainer, dessen Vertrag im Sommer ausläuft und der noch nicht verlängert hat.

Veh: Stimmt. Ich muss doch vorher wissen, wie es in Frankfurt weitergehen kann. Mir ist klar, dass wir nicht unter die ersten acht Vereine der Liga kommen können, was den Etat angeht. Aber ich möchte trotzdem sehen, dass der Verein dieser Mannschaft eine Entwicklungschance gibt. Wir haben hier junge, spannende Spieler: Kevin Trapp, Sebastian Rode, Alex Meier, Sebastian Jung. Eintracht Frankfurt ist, bei allem Respekt, eben auch nicht Fürth oder Augsburg. Da muss wirtschaftlich ein Fundament möglich sein, um um einen europäischen Wettbewerb mitspielen und eine Mannschaft weiter entwickeln zu können. Diese Perspektive muss ich erkennen können.