Gladbach-Fan schlägt Kölner offenbar mit Hilfe der Ordner

Der Polizist drängt einen Mann (Mitte), der aus dem Gladbacher Block in den Innenraum geklettert war, zurück. Zuvor hatte dieser Borussen-Anhänger auf einen Kölner Randalierer eingeschlagen -  Ordner halfen ihm offenbar dabei.
Der Polizist drängt einen Mann (Mitte), der aus dem Gladbacher Block in den Innenraum geklettert war, zurück. Zuvor hatte dieser Borussen-Anhänger auf einen Kölner Randalierer eingeschlagen - Ordner halfen ihm offenbar dabei.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Ein Video zeigt brisante Details vom Kölner Platzsturm im Borussia-Park: Demnach könnten auch Gladbacher Ordner an Prügeleien beteiligt gewesen sein.

Mönchengladbach.. Brutale Jagdszenen im Borussia-Park: Nachdem rund 30 vermummte Anhänger des 1. FC Köln auf den Platz gestürmt sind, schreiten die Sicherheitskräfte von Borussia Mönchengladbach ein. Es kommt hinter dem Tor zu heftigen Fausthieben und Fußtritten. Aber auch Gladbacher Anhänger klettern über die Mauer – und mischen sich ein.

Brisant: Auf einem Youtube-Video ist zu sehen, wie zwei Ordner der Borussia offenbar einen Kölner Randalierer festhalten, ihn gegen eine Mauer drücken – und dann einen Borussen-Anhänger über mehrere Sekunden auf ihn einprügeln lassen. Fünf, sechs, sieben gezielte Faustschläge gehen in Richtung Kopf und Schulterbereich – dann schreitet ein Polizist ein. Er drückt den Gladbacher zu Boden, setzt auch einen Schlagstock gegen ihn ein.

Diese Szenen werfen noch ein etwas anderes Bild auf die Ausschreitungen nach dem späten 1:0-Sieg der Gastgeber. Demnach drängen die Gladbacher Ordner den Borussen-Anhänger offenbar erst zurück, nachdem der Polizist eingegriffen hat. Es entsteht der Eindruck, als sei die Hilfe aus dem eigenen Block zumindest nicht unerwünscht. Diese Einschätzung legen auch die Bilder der ARD-Sportschau aus einer anderen Perspektive nahe.

Gladbach untersucht Videomaterial

Borussia Mönchengladbach hat die Ermittlungen bereits aufgenommen. "Wir werden alles, was im Innenraum passiert ist, genau untersuchen und auswerten. Sollte dort mit unseren Anhängern und Ordnern etwas schiefgelaufen sein, werden wir die betroffenen Personen auch bestrafen", sagte Borussia-Sprecher Markus Aretz auf Anfrage unserer Redaktion. Der Verein habe von eigenen Stadionkameras noch weiteres Videomaterial aus dem Innenraum vorliegen.

Aretz betont, dass es aber auch darum gehe, "Täter und Opfer nicht zu vertauschen. Die Täter sind mit größter Brutalität vorgegangen und haben unsere Ordner auch mit Pyrotechnik im Gesicht verletzt." Das Sicherheitspersonal werde natürlich geschult, so Aretz: "Aber was da passiert ist, kommt auch nicht aller Tage vor."Derby-Krawalle

Arnold Plickert, NRW-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), kritisierte den Gladbacher Sicherheitsdienst scharf. Er warf dem Verein grobe Versäumnisse vor: "Alleine der massive Pyro-Einsatz im Block der Kölner zeigt doch, dass da beim Einlass ganz offensichtlich nicht gründlich genug kontrolliert worden ist", sagte Plickert. Der Ordnungsdienst sei "bei dem Platzsturm der Kölner Chaoten komplett überfordert" gewesen.

1. FC Köln verbannt "Boyz"

Der 1. FC Köln hat bereits erste Konsequenzen gezogen. Der Verein entzog den "Boyz" den Fanclub-Status und schloss die Gruppe aus seiner AG Fankultur aus. Ermittelte Täter würden sanktioniert und in Regress genommen, teilte der Verein am Montag mit. Gegen die Mitglieder der etwa 40 Personen umfassenden Gruppierung soll ein unbefristetes Stadionverbot ausgesprochen werden. Ihnen drohen die Dauerkarten-Kündigung und der Ausschluss aus der Mitgliedschaft des Erstligisten.

Den Kölnern drohen nun erneut harte Sanktionen bis hin zum Geisterspiel. Der DFB-Kontrollausschuss kündigte bereits Ermittlungen an und forderte sowohl den FC wie auch Borussia Mönchengladbach zu Stellungnahmen auf.

Derby-Krawalle Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), fordert derweil, das Stadioninnenraumkonzept bei Fußballspielen auf den Prüfstand zu stellen: „Gewalttäter gehören raus aus den Stadien, bessere Einlasskontrollen durch qualifizierte Ordner sind dringend von Nöten. Außerdem müssen sich die Verantwortlichen fragen, ob Stehplätze der Sicherheit im Stadion nicht eher schaden. Zur Not muss das Stadioninnenraumkonzept komplett unter polizeiliche Führung gestellt werden."