Ein Monat vor Saisonstart: Die Baustellen der Bundesligisten

Vorsicht, Baustelle! Einen Monat vor Saisonbeginn gibt's noch einiges zu tun bei den Klubs der Fußball-Bundesliga.
Vorsicht, Baustelle! Einen Monat vor Saisonbeginn gibt's noch einiges zu tun bei den Klubs der Fußball-Bundesliga.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Training um Mitternacht, jede Menge Ladenhüter, Streit um ein Lebkuchenherz: Einen Monat vor dem Saisonstart müssen die Vereine noch viele Probleme lösen.

Essen.. Wenn die Fußball-Bundesligisten sich nicht gerade in den Trainingslagern aufhalten, strömen Zigtausende zu ihren Mannschaftspräsentationen. Und am Wochenende war auch schon wieder das Stadion in Mönchengladbach voll, als der Hamburger SV bei einem Vorbereitungsturnier das erste „Titelchen“ der Saison gewonnen hat. Keine Frage, die Fans können den Saisonstart kaum erwarten. Die Vereine haben es weniger eilig, damit sie noch in den letzten Wochen vor dem Eröffnungsspiel zwischen dem FC Bayern und Hamburg am 14. August ihre Baustellen abarbeiten können.

FC Schalke 04

Training Vermutlich zuckt Horst Heldt jedes Mal aus Vorfreude zusammen, wenn sein Handy klingelt und er aufs Display schaut. Es könnte sich ja schließlich ein Berater oder ein Manager eines anderen Vereins beim Sportdirektor der Königsblauen melden, der nach einem seiner Ladenhüter fragt. Kevin-Prince Boateng, Sidney Sam und Felipe Santana sind in Ungnade gefallen und sollen weg.

Ein paar Millionen Euro würden den Schalkern gut zu Gesicht stehen, Coach André Breitenreiter hätte ja noch gerne eine Verstärkung für die Offensive. Xherdan Shaqiri von Inter Mailand wird’s aber nur dann, wenn andere Spieler verkauft würden. Vielleicht klingelt ja in den nächsten Tagen noch mal Horst Heldts Handy.

Borussia Dortmund

Thomas Tuchels größtes Problem ist die Zeit – und von der hat er in der vergangenen Woche mehr in der Luft verbracht, als dem neuen BVB-Coach lieb sein konnte. Zwischen lauter PR-Terminen bat Tuchel seine Spieler sogar um Mitternacht zum Training. „Jeder hat sich zusammengerissen nach der Müdigkeit und den Reisestrapazen“, fasste Tuchel seine Eindrücke aus Japan, Singapur und Malaysia zusammen. Der 41-Jährige soll die Schwarzgelben taktisch weiterentwickeln und zusätzliche Spielsysteme zum von Jürgen Klopp bevorzugten 4-2-3-1 verankern. „Die Spieler haben eine große Offenheit gegenüber dem Neuen, was wir eventuell verlangen“, sagte Tuchel. Testläufe unter Wettkampfcharakter erfährt die BVB-Taktikschule bereits Ende Juli in der Europa-League-Quali.

Borussia Mönchengladbach

Lucien Favre gilt als Feingeist. Deshalb dürfte dem Fußballtrainer auch Tony Britten und sein Orchester gefallen. Der Komponist hat die Hymne zur Champions League verfasst. Ab September ertönt diese erstmals im Borussia-Park. Schon stellen sich die Fans vor, wie bald Ronaldo, Messi und Rooney über den Gladbacher Rasen laufen. Neben den Festtagen unter der Woche gibt es aber noch den Liga-Alltag. Auf den FC Barcelona kann Darmstadt 98 folgen, auf Manchester United der FC Ingolstadt. Schon andere Bundesligisten taten sich mit dieser Umstellung schwer. Wolfsburgs Meisterspieler bezahlten ihre Königsklassenauftritte 2010 mit dem Absturz auf Platz acht. Favres Hauptaufgabe wird es sein, die Sinne für das Kerngeschäft zu schärfen. Schließlich will er auch wieder Disco-Musik von Scooter hören. Die Band beschallt den Borussia-Park nach Toren in der Bundesliga.

Bayern München

Vielleicht kennt Pep Guardiola Lebkuchenherze nicht. Aber der Spanier wird froh sein, dass es sie gibt. Denn die Süßigkeit erhitzt gerade Münchens Fangemüter noch mehr als die vermeintliche Rolle des Trainers beim Abschied von Bastian Schweinsteiger. Kurz nachdem der Transfer am Samstag verkündet war, lief ein Anfang Juni gedrehtes Werbevideo im TV. Schweinsteiger packt darin seine Koffer, hinein kommt auch das Gebäck mit der Aufschrift „Träum mit mir“. Die Kommentatoren sprechen vom Ende einer Ära. Alles abgekartet, echauffieren sich Romantiker. Dies nimmt Guardiola jedoch nicht den Druck einer spannungsgeladenen Saison. Für ihn hat der FC Bayern die wichtigste Identifikationsfigur ziehen lassen – und wartet noch immer auf die Vertragsverlängerung des Katalanen. Genau wie auf den Triumph in der Königsklasse. Denn ein Lebkuchenherz mit „Champions-League-Sieger“ aus Zuckerguss wollten sie ihm ja doch um den Hals hängen, bevor Guardiola nach seinem dritten Jahr in München womöglich wieder „Servus“ sagt.

Bayer Leverkusen

Termine Neun Sekunden genügten Roger Schmidt für die ersten Lobeshymnen. Bei seiner Premiere im Oberhaus sah der Coach den schnellsten Treffer der Bundesliga-Geschichte. Vom Anstoßpunkt aus direkt zum Tor, Abwehrspieler jagen – das ist der neue Bayer-Stil. Attraktiv finden ihn die Fans bei den Erfolgen. Wenn Leverkusen wie in der Vorsaison eine Drei-Tore-Führung aus der Hand gibt oder 4:5 gegen Wolfsburg verliert, heißt es schnell: Schmidt lässt Harakiri spielen. Die Balance zwischen Abwehr und Angriff zu finden, wird die Hauptaufgabe für den Coach sein. Das ohne Stabilisatoren wie Simon Rolfes und Emir Spahic.

1. FC Köln

Jörg Schmadtke könnte Meditations-CDs besprechen. Das Mantra des Geschäftsführers lautet „Ruhe bewahren“. Solange der FC über den Abstiegsplätzen steht – wie an 34 Spieltagen der Vorsaison – kommt das an. Für Köln wird es in Jahr zwei nach dem Wiederaufstieg schwieriger. Spieler wie Jonas Hector sind bekannt und ausrechenbar, das Abwehrbollwerk nach Kevin Wimmers Weggang gesprengt. Ob Schmadtke in der Saison mit ruhigen Ansprachen auskommt, darf jedoch bezweifelt werden.