Die Wolfsburg-Explosion des Bas Dost - Vorbei mit dem Frust

Bas Dost bejubelt einen seiner vier Treffer für den VfL Wolfsburg gegen Bayer Leverkusen.
Bas Dost bejubelt einen seiner vier Treffer für den VfL Wolfsburg gegen Bayer Leverkusen.
Foto: imago/Chai v.d. Laage
Was wir bereits wissen
Holländer trifft beim 5:4 für Wolfsburg gegen Leverkusen viermal. Das Siegtor erzielt der lange in seinem Klub glücklose Stürmer in letzter Minute.

Leverkusen.. Als Bas Dost nach dem 5:4-Triumph seines VfL Wolfsburg bei Bayer Leverkusen in den Katakomben die Mixed Zone betrat, bildete sich blitzschnell eine Traube von Journalisten um den Mann des Tages. „So etwas ist mir auch noch nicht passiert“, sagte der 25-Jährige und meinte damit nicht etwa seine vier Treffer innerhalb von 90 Minuten. Nein, der Holländer erzählte von seiner ausgefallensten Anreise zu einem Fußball-Bundesligaspiel. Weil der reservierte Zug-Waggon fehlte, konnten sich die Wolfsburger nicht auf bequemen Polstern niederlassen. „Ich habe im Gang gesessen“, sagte Dost und erzählte dann lieber von seiner Sternstunde am Karnevalssamstag.

Irgendwann in der Schlussphase dieses verrückten Spiels sei ihm dieser Gedanke durch den Kopf gegangen: „Drei Tore hast du jetzt gemacht und gewinnst dennoch nicht. Das hat mich gestört.“ 4:4 stand es zu diesem Zeitpunkt. Dost hatte zum 1:0, 3:0 und 4:2 getroffen. Doch so brillant die Wolfsburger in der ersten Hälfte aufgetreten waren, so sehr ließen sie nach dem Wechsel nach. „Niemand hat mehr beim 4:4 an unseren Sieg geglaubt, und dann schießt du einfach das 5:4. Was für ein Wahnsinnsspiel.“ Stimmt – und Bas Dost setzte mit seinem vierten Treffer zum 5:4 in der Nachspielzeit den grandiosen Schlusspunkt.

Dost schien noch eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff mit Glückshormonen vollgepumpt zu sein. Der 1,93 Meter lange Stürmer erzählte und erzählte. Das war nicht immer so: „Ich stand oft genug hier in der Mixed Zone, war genervt, weil ich nicht mit Journalisten reden wollte.“

"Ich wusste, dass ich besser bin"

Vor drei Jahren war Dost für sieben Millionen Euro vom SC Heerenveen zum VfL Wolfsburg gekommen. Mit ebenso großen Hoffnungen des Klubs sowie ehrgeizigen Zielen des Spielers. In der Saison 2011/2012 hatte er gegen Excelsior Rotterdam nicht nur ein Viererpack erzielt, sondern in 34 Einsätzen 32 Mal getroffen. Aber der Euphorie folgte in Wolfsburg schnell die Ernüchterung. Dost musste sich in seiner ersten Saison für den VW-Klub mit acht Toren begnügen, in der zweiten waren es sogar nur vier. Immer wieder kämpfte er mit Sprunggelenksproblemen.

Verfolger-Duell „Ich wusste, dass ich besser bin. Es hat genervt, dass ich es nicht zeigen konnte“, beschrieb Dost in Leverkusen seine Frustrationsgefühle der vergangenen zwei Jahre. Seit November läuft es wieder. Neue Einlagen haben ihm geholfen. Wolfsburg dachte schon daran, einen neuen Angreifer zu verpflichten. Stattdessen wurde Ivica Olic an den Hamburger SV verkauft. „Das war ein wichtiges Zeichen und ein Riesen-Vertrauensvorschuss an ihn. Diesen zahlt er jetzt zurück. Bast braucht diese Sicherheit “, sagte VfL-Trainer Dieter Hecking. Neun Tore hat Dost in zehn Saisonpartien erzielt: Eine starke Quote, die ihn auf Platz vier der Torschützenliste gebracht hat.

Bas Dost war an diesem denkwürdigen Tag nicht der einzige Mehrfach-Torschütze: Der Leverkusener Heung-Min Son traf dreimal ins Netz. Aber dem Südkoreaner war die gute Laune vergangen: Wer am Ende verliert, kann sich nicht über ein Dreierpack freuen. „Es war bitter, dass wir noch das 4:5 kassiert haben“, erklärte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. „Normalerweise hat der liebe Gott für ein solches Spiel keinen Verlierer vorgesehen.“ Aber die Leverkusener müssen sich vorwerfen lassen, dass sie in der ersten Hälfte so schlecht agierten wie selten zuvor. Während die Hausherren ihren Frust bekämpften, stieg Dost strahlend in den Bus. „Ich werde die Fahrt genießen und viele SMS lesen“, sagte er. Diesmal musste er nicht im Gang sitzen.