Der Wert der Tradition, den die Liga nicht verlieren sollte

Das vergangene Bundesliga-Wochenende lieferte historische Ergebnisse und Spielverläufe.
Das vergangene Bundesliga-Wochenende lieferte historische Ergebnisse und Spielverläufe.
Foto: imago
Die Liga bietet Spektakel, allein in zwei Spielen fielen 17 Tore. Ihr Unterhaltungswert basiert allerdings auf der langen Geschichte vieler Vereine.

Essen.. Reden wir über Tradition. Beim Hamburger SV hat es Tradition, sich Klatschen einzufangen, die man vorher so für kaum möglich hielt. Ein Blick ins Bundesliga-Geschichtsbuch fördert ein Spiel am Traditionstermin Samstag, 15.30 Uhr, zu Tage, das das 0:8 bei Bayern München in ein vergleichsweise mildes Licht taucht. Hamburg hat es nämlich schon fertig bekommen, 1:8 bei Rot-Weiß Oberhausen zu verlieren. Jawohl, in der Bundesliga.

Das 8:0 der Bayern gehört trotzdem zu den zwei Partien dieses Spieltags, die zeigen, warum die Bundesliga boomt – obwohl an der Spitze alles entschieden sein dürfte. Acht Punkte liegt München vor Wolfsburg, acht Punkte liegt Wolfsburg vor dem Dritten, im Moment Gladbach. Nicht zufällig war der VfL am zweiten Kracher des Spieltags beteiligt, dem 5:4 in Leverkusen.

Meister und Vizemeister stehen nach menschlichem Ermessen also fest, und vielleicht sollte man sich für gewisse Zeit an dieses Tabellenbild gewöhnen. Es wird nämlich etwas dauern, bis die Bayern ihren nächsten großen Umbruch meistern müssen, wenn eines Tages Trainer Pep Guardiola gehen wird oder Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Arjen Robben und Franck Ribery die Mitte der 30 erreicht haben. Es ist auch davon auszugehen, dass Wolfsburg die VW-Millionen dank Manager Klaus Allofs weiter mit Verstand ausgeben wird.

Ab Platz drei aber ist alles möglich. Was zusammen mit Spielen, in denen acht oder neun Tore fallen, den Reiz der Liga ausmacht.

Anstoßzeiten sind Teil der Tradition

Reden wir also noch einmal über Tradition. Über eine schlechte, wie den Teil der Kölner Fans, den niemand mehr in einem Stadion sehen will. Oder eine gute, wie das Nord-Süd-Duell. Hamburg gegen München hat eine 50-jährige Geschichte. Deshalb wird man von diesem 8:0 auch länger sprechen als vom – sicherlich spektakuläreren – 5:4 der Wolfsburger in Leverkusen. Weil es eben, pardon, nicht Schalke in Dortmund erzielt hat. Oder Dortmund auf Schalke.

Tradition hat im Fußball ihren Stellenwert, weil sie Identifikation stiftet. Auch deshalb sollte sich die Liga gut überlegen, ihre Samstag-um-Fünfzehnuhrdreißig-Tradition noch weiter zu entwerten, weil sie glaubt, ohne neue TV-Milliarden nicht gegen die Premier League gewinnen zu können. Man kann auch ganz andere Werte verlieren.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE