Bremen gewinnt Nordderby - Hoffenheim steckt in der Krise

Kassierte vier Gegentore: Hoffenheims Torhüter Tim Wiese.
Kassierte vier Gegentore: Hoffenheims Torhüter Tim Wiese.
Foto: Daniel Maurer/dapd
Was wir bereits wissen
Werder Bremen feierte im 97. Nordderby gegen den Hamburger SV einen 2:0-Sieg. 1899 Hoffenheim ging im Spiel gegen Aufsteiger Eintracht Frankfurt 0:4 unter. Bayer Leverkusen besiegte den SC Freiburg 2:0 und betrieb Wiedergutmachung für die Auftaktniederlage.

Essen.. Ohne sein eigenes Zutun ist der Druck auf "Heilsbringer" Rafael van der Vaart beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV weiter gewachsen. Der nach seinem Wechsel noch nicht spielberechtigte Niederländer musste am Samstag tatenlos verfolgen, wie sein neuer Klub durch ein 0:2 (0:1) im Derby bei Werder Bremen die dritte Niederlage im dritten Pflichtspiel der Saison erlitt und nun wohl mehr denn je auf seine Fähigkeiten bei der Krisenbewältigung baut.

Aaron Hunt (51., Foulelfmeter) und Nils Petersen (67.) sorgten für den Sieg der zuvor ebenfalls ohne Erfolgserlebnis in die Spielzeit gestarteten Bremer. Besonders die Führung durch Hunt wirkte dabei wie eine Erlösung. Bereits zum Ende des ersten Durchgangs war der 25-Jährige zu einem Elfmeter angetreten, mit seinem Schuss allerdings an HSV-Torhüter Rene Adler (42.) gescheitert.

HSV mit Badelj und Jiracek in der Startelf

Vor 42.100 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion schienen die Gäste in der Anfangsphase indirekt neue Kräfte aus der Verpflichtung ihres Wunschspielers geschöpft zu haben. Unter den Augen van der Vaarts, der die Partie auf der Tribüne an der Seite von Gattin Sylvie verfolgte, wirkte der HSV in den ersten Minuten mutiger als zuletzt. Die unter der Woche neu zum Team gestoßenen Petr Jiracek und Milan Badelj bemühten sich im zentralen Mittelfeld um Struktur und stopften in der Defensive so manches Loch.

Dennoch hatten die Gäste früh erste Schrecksekunden zu überstehen. Nach einer Flanke von Marko Arnautovic kam Nils Petersen zum Kopfball, traf aber nur die Lattenunterkante des HSV-Tores (4.). Überhaupt zeigten sich die Bremer von den umfangreichen und kostspieligen Transferaktivitäten der Hamburger unbeeindruckt, hielten gut dagegen und übernahmen nach einer Viertelstunde endgültig das Kommando. Wirklich zwingend wirkten aber auch die in der Spielanlage reiferen Bremer nur selten. Einzig Sebastian Prödl kam gefährlich zum Abschluss, scheiterte aber an Adler (18.).

Adler hält Hunts ersten Elfmeter

Die Hamburger brachten nach ihrem ordentlichen Beginn kaum noch etwas in der Offensive zustande. Da auch die Bremer nachließen, schleppte sich die Partie so dahin - bis Jeffrey Bruma den ehemaligen Hamburger Eljero Elia im eigenen Strafraum plump zu Fall brachte und Referee Knut Kircher (Rottenburg) auf Strafstoß entschied. Adler fischte den platzierten Schuss von Hunt jedoch gekonnt aus dem Eck und rettete seinem Team das 0:0 in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel beließ Fink überraschend Badelj und nicht den nach 14 Minuten am Fuß angeschlagenen Jiracek in der Kabine. Erneut begann der HSV mit einigen guten Aktion, erlitt dann aber den nächsten Dämpfer. Dennis Aogo vertändelte den Ball im eigenen Strafraum leichtfertig und brachte Petersen zu Fall. Kircher zeigte erneut auf den Punkt, und Hunt verwandelte dieses Mal sicher.

Die Hamburger bemühten sich um eine Antwort, verfügten im Spiel nach vorn aber einfach nicht über die nötigen Mittel, um für dauerhaften Druck und Gefahr zu sorgen. Der zuvor kaum in Szene getretene Artjoms Rudnevs (63.) und Ivo Ilicevic (65.) kamen dem Ausgleich noch am nächsten. Besser machten es die Bremer: Petersen nutzte seine Chance völlig freistehend zum 2:0. Anschließend kamen beide Teams zu weiteren Möglichkeiten. Der Sieg der Bremer war jedoch zu keiner Zeit gefährdet. (dapd)

Hoffenheim unterliegt Eintracht Frankfurt 0:4

Markus Babbel konnte einem fürwahr leidtun: Mit den Händen in den Hosentaschen tigerte der Hoffenheimer Trainer rat- und rastlos entlang der Auswechselbank von links nach rechts. Die Frankfurter Fans sangen aus vollem Halse die Vereinshymne, beim Hoffenheimer Anhang dagegen herrschte Totenstille. 0:4 (0:2) hatte die TSG ihr Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Frankfurt verloren.

Alex Meier (39. Minute, 83./Foulelfmeter), Pirmin Schwegler (43.) und Martin Lanig (90.) erzielten die Tore für die Eintracht. Während die Frankfurter sich mit dem zweiten Sieg vorerst zur Überraschungsmannschaft der Liga herauskristallisiert haben, ist der Fehlstart von Hoffenheim perfekt. Alle drei Pflichtspiele der bisherigen Saison wurden verloren. Dass die Nerven beim Europa-League-Aspiranten blank liegen, zeigten die Platzverweise für Sejad Salihovic und Stephan Schröck (70./73.).

"Frankfurt hat zwei ganz eklige Tore gemacht. Danach haben wir die Ordnung verloren", sagte Hoffenheims Abwehrspieler Marvin Compper und ergänzte: "Wir können froh sein, dass es am Ende nur 0:4 ausging. Jetzt müssen wir zusammenhalten und Ruhe bewahren."

Gans anders dagegen die Stimmung bei Eintracht Frankfurt. "Wir wissen, dass wir gut Fußball spielen können. Dass es 4:0 ausgeht, ist natürlich sensationell", freute sich Sebastian Rode.

Babbel änderte seine Mannschaft trotz der Niederlage am vergangenen Wochenende nur auf einer Position: Der vor der Saison von der SpVgg Greuther Fürth gekommene Schröck durfte seine Bundesliga-Premiere feiern, während der Kapitän der vergangenen Saison, Andreas Beck, komplett aus dem Kader gestrichen wurde. Schröcks Debüt endete mit Gelb-Rot in der 73. Spielminute, als sich die Hoffenheimer nur noch mit Fouls gegen die Frankfurter zu wehren wussten. Dabei waren die Hausherren zunächst besser ins Spiel gekommen.

Wiese bei Traumtor von Pirmin Schwegler unglücklich

Mittelfeldspieler Roberto Firmino stach dabei besonders hervor. Die erste Gelegenheit hatte Boris Vukcevic, der in der zweiten Minute nach Zuspiel von Firmino zu zögerlich vor dem Frankfurter Tor agierte. Acht Minuten später setzte Firmino einen Distanzschuss knapp über die Latte. Kurz darauf legte der Brasilianer für Eren Derdiyok auf, der jedoch ebenso vergab (13.) wie Kevin Volland nach einem perfekten Steilpass von Firmino (20.). Die schlechte Chancenauswertung hielt die Gäste im Spiel.

Die von Trainer Armin Veh im Vergleich zum ersten Spieltag unverändert ins Spiel gegangene Frankfurter Elf bekam die Partie dann jedoch besser in den Griff. Nach einem zu kurzen Rückpass von Vukcevic konnte Tim Wiese vor dem heraneilenden Olivier Occean retten (31.). Acht Minuten später war er jedoch machtlos. Takashi Inui hatte sich auf der linken Seite durchgesetzt und Alex Meier bedient. Dessen flache Direktabnahme aus 20 Metern Torentfernung fälschte Innenverteidiger Marvin Compper unhaltbar zum 1:0 ab (39.).

Eingewechselter Salihovic fliegt nach vier Minuten vom Platz

Kurz vor dem Halbzeitpfiff glückte Frankfurts Kapitän Pirmin Schwegler ein Traumtor. Der Schweizer erkämpfte sich im Mittelfeld den Ball und konnte unbedrängt auf das Tor von Tim Wiese zulaufen. Aus etwa 25 Metern drosch er den Ball in das rechte obere Toreck. Ex-Nationaltorwart Tim Wiese stand bei dem Treffer zu weit vor der Torlinie und konnte nicht abwehren.

Nach der Pause blieb Frankfurt gefährlich, Hoffenheim war ratlos und wusste sich nur mit Fouls zu helfen. Meier hätte in der 60. Minute gar auf 3:0 erhöhen müssen, verfehlte das Tor von Wiese jedoch aus kürzester Distanz. Auch die Einwechslung von Salihovic machte das Kreativspiel von Hoffenheim nicht besser. Im Gegenteil: Schiedsrichter Michael Weiner schickte den Bosnier nach nur vier Minuten mit Gelb-Rot wieder vom Platz. Ebenfalls aufgrund wiederholten Foulspiels musste Schröck ihm drei Minuten später folgen. Danach hatte Frankfurt leichtes Spiel mit den Hoffenheimern, die mit hängenden Schultern und zwei Mann weniger nicht zurück ins Spiel fanden. Nach Foul von Kevin Volland an Bastian Oczipka stellte Meier per Elfmeter das 3:0 her. Lanig besorgte den Endstand. (dapd)

Leverkusen feiert gegen Freiburg ersten Saisonsieg

Am Tag nach dem Ende im Buhlen um Nationalspieler Andre Schürrle fand Bayer Leverkusen in der Fußball-Bundesliga den Weg in die Erfolgsspur. Die Werkself feierte am Samstag mit dem 2:0 (1:0) gegen den SC Freiburg den ersten Saisonsieg und betrieb Wiedergutmachung für die Auftaktniederlage bei Eintracht Frankfurt (1:2). Die von Christian Streich trainierten Gäste aus Freiburg liegen mit einem Punkt vom 1:1 gegen den FSV Mainz 05 im unteren Tabellendrittel.

Der in die Startelf gerückte Gonzalo Castro brachte Leverkusen vor 23.635 Zuschauern früh auf Kurs (8.). Neuzugang Philipp Wollscheid erzielte im zweiten Liga-Spiel für Leverkusen das 2:0 (55.). Von EM-Teilnehmer Schürrle, für den Leverkusen noch am letzten Tag der Sommer-Transferperiode am Freitag ein Angebot von Champions-League-Sieger FC Chelsea von angeblich 25 Millionen Euro erhalten haben soll, war kaum etwas zu sehen.

"Es war ein richtig gutes Spiel", lobte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler seine Mannschaft, merkte freilich an: "Wir hätten noch das eine oder andere Tor mehr machen müssen. Wir haben gut nach vorn gespielt. Und hinten haben wir kaum etwas zugelassen." Freiburgs Stürmer Max Kruse, einer der Leidtragenden der konzentrierten Defensivarbeit der Gastgeber, meinte: "Wir hatten uns natürlich mehr vorgenommen, dann haben wir aber schnelle Gegentore zu Beginn beider Halbzeiten kassiert - da ist dann gegen Leverkusen nicht viel zu machen."

Castro in Startelf für Bellarabi

Leverkusens Trainer-Duo Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä nahmen auf der rechten Seite zwei Änderungen vor. Neuzugang Daniel Carvajal, der für fünf Millionen Euro Ablösesumme aus der Reserve von Real Madrid kam, machte auf der rechten Verteidigerposition sein Pflichtspieldebüt. Und Castro kam für Karim Bellarabi. Das zahlte sich sofort aus. Leverkusen übernahm von Beginn an das Kommando und setzte die Freiburger unter Druck.

Dabei hätte Stefan Kießling Bayer in Führung bringen müssen. Der Stürmer umspielte Freiburgs Keeper Oliver Baumann, doch den schwachen Abschluss konnte Freiburgs Fallou Diagne vor der Linie klären. Die folgende Szene brachte aber die Führung. Einen Kopfball von Kießling nach Flanke von Nationalspieler Lars Bender konnte Baumann nur nach vorne abwehren. Castro drückt den Ball per Kopf aus einem Meter über die Linie.

Die Gastgeber konnten aus ihrer Feldüberlegenheit und weiteren Chancen wie der von Kießling (42.) aber kein Kapital mehr schlagen. Freiburg kam nur selten in den Leverkusener Strafraum. Ein Kopfball von Sebastian Freis, der für Julian Schuster von Beginn an spielte, strich am kurzen Eck vorbei.

Leverkusen setzt mit Erfolg nach

Nach dem Wechsel blieb der Europa-League-Teilnehmer aus Leverkusen, der am 20. September zum Auftakt seiner internationalen Saison Metalist Charkiw zu Gast hat, weiter am Drücker. Nach zehn Minuten war eine Ecke von Castro der Ausgangspunkt zum 2:0 von Innenverteidiger Wollscheid, der den Ball per Kopf wuchtig über die Linie drückte. In der Szene zuvor war Kießling erneut per Kopf am guten Gästekeeper Baumann gescheitert.

Die meisten Angriffe der Werkself liefen über die rechte Seite, auf der Carvajal einen guten Eindruck hinterließ und offenbar die erhoffte Verstärkung darstellt. Andre Schürrle, der offenbar angetan war von der Offerte aus England, aber von Sportdirektor Rudi Völler ein "No" bekam, war über weite Strecken unauffällig - und wurde in der 82. Minute ausgewechselt. (dapd)