Beim 1. FC Köln fehlt zum Trainingsauftakt der Star

Peter Stöger (r.) geht beim 1. FC Köln in seine dritte Saison als Trainer.
Peter Stöger (r.) geht beim 1. FC Köln in seine dritte Saison als Trainer.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der 1. FC Köln beginnt als erster NRW-Bundesligist mit dem Training. Top-Zugang Anthony Modeste hat noch Urlaub. Er steht aber für neue Ansprüche im Verein.

Köln.. Es ist mächtig was los im Kölner Grüngürtel. Überall sind Bagger im Einsatz. Im Franz-Kremer-Stadion, Spielstätte der U 21 des 1. FC Köln, haben Arbeiter gleich das komplette Grün herausgehoben.

Der alte Rasen macht einem neuen Platz, dazu wird im Rücken des Geißbockheims an allen Ecken gerecht, gesät, geschnitten. Neben der Straße, die quer durch den Stadtwald führt, parken die Autos Stoßstange an Stoßstange. Die Wagenbesitzer stapfen, vorbei an den Baggern, durch den Matsch – und ein solariumgebräunter Dreißiger raunt seiner Freundin geheimnisvoll zu: „Modeste.“

Doch als das Paar wenig später mit 400 anderen FC-Anhängern den Kölner Trainingsauftakt verfolgt, trabt kein Anthony Modeste über den Rasen. Der prominente Zugang der TSG Hoffenheim, dessen angeblich 4,5 Millionen Euro teure Verpflichtung für die forcierten Ambitionen des Fußball-Bundesligisten steht, ist kürzlich zum zweiten Mal Vater geworden, hat deshalb noch bis Samstag Sonderurlaub bei Lebensgefährtin Maeva und Baby Brooklyn Anthony jr.

Verlängerte Familienfreizeit für Modeste – vor dem Einstieg bei einem Klub, der die vergangene Saison als Aufsteiger auf Rang zwölf abschloss und bei dem Cheftrainer Peter Stöger („Die Ruhe des Vereins steht im Vordergrund“) auf die zentrale Errungenschaft der letzten zwei Jahre pocht. Bei dem Sportboss Jörg Schmadtke jedoch zugleich ankündigt: „Wir betreiben hier kein Understatement.“

Ziel: Bis 2020 schuldenfrei

Dafür steht nicht zuletzt der Name Anthony Modeste. Der Franzose kommt als Nachfolger des nach Bremen abgewanderten Anthony Ujah – und kennt das Primärziel seines neuen Arbeitgebers. „Ich will dabei helfen“, erklärt Modeste, „den FC in der Bundesliga zu etablieren.“

Ein fester Platz in der nationalen Beletage soll dabei der erste Satz im geplanten Kölner Dreisprung sein. Zudem will der Klub, aktuell mit 24 Millionen Euro in der Kreide, bis 2020 schuldenfrei sein. Und an dritter Stelle im Zukunftsszenario stehen Investitionen in die Infrastruktur, Pläne für den Ausbau des Kölner Stadions auf 75 000 Plätze liegen bereits in der Schublade.

Hosiner wagt zweiten Anlauf

Zuerst aber muss ein solides sportliches Fundament geschaffen werden. Mit dabei seit Neuestem: Der Österreicher Philipp Hosiner, der im Januar schon mal zum Medizincheck in der Domstadt weilte. Dabei entdeckten die Ärzte allerdings einen Nierentumor bei dem 26-Jährigen. Hosiners linke Niere musste entfernt werden, zuletzt spielte er für die Reserve von Stade Rennes – am Montag wurde nun ein Leihvertrag unterzeichnet.

Eine emotionale Angelegenheit für alle Beteiligten – wobei der FC mit dem Engagement Hosiners nicht als Wohltäter auftritt, sondern ein klares sportliches Ziel verfolgt: Hinter dem nach einer starken Rückrunde gesetzten Japaner Yuya Osako und Modeste soll Hosiner gemeinsam mit Bard Finne und Simon Zoller für Konkurrenz und Flexibilität im Angriff sorgen.

Schalkes Santana im Gespräch

Zusätzlich zur Verpflichtung von Dominique Heintz (21) aus Kaiserslautern fahndet der FC nach einem weiteren Innenverteidiger – um den Abgang von Kevin Wimmer zu Tottenham aufzufangen. Im Gespräch sind Schalkes Felipe Santana, Douglas von Dynamo Moskau und der Frankfurter Carlos Zambrano.

Eine Aufgabe aber hat bei den Puzzlearbeiten absolute Priorität: Die Suche nach einem kreativen Kopf für das Mittelfeld. Eine Top-Besetzung dieser Position könnte den FC weiter voranbringen auf dem Weg Richtung obere Tabellenhälfte. Dort wollen sich die Kölner mittelfristig einnisten – und irgendwann die Europa-League-Plätze ins Visier nehmen. „Das wird schon zwei, drei, vier Jahre dauern“, sagt Sportchef Schmadtke.