2:1 - Hannover fährt in Stuttgart ersten Rückrundensieg ein

Dürfen wieder Jubeln: Die Kicker von Hannover 96.
Dürfen wieder Jubeln: Die Kicker von Hannover 96.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Hannover 96 gelingt der erste Dreier seit November. Bayern siegt in Wolfsburg, Darmstadt schlägt Bremen. Der HSV und Ingolstadt trennen sich mit 1:1.

Essen.. Hannover 96 schöpft im Abstiegskampf nach dem ersten Sieg unter Trainer Thomas Schaaf wieder Hoffnung. Nach acht Niederlagen in Serie gewann der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga dank Matchwinner Christian Schulz 2:1 (1:1) beim VfB Stuttgart. Der Druck bleibt vor den anstehenden Derbys gegen Wolfsburg und Bremen aber unverändert groß.

Der VfB verpasste indes den vierten Heimsieg in Serie und ging unter Trainer Jürgen Kramny nach neun Spielen ertmals wieder leer aus. Timo Werner brachte die Schwaben vor 50.000 Zuschauern mit seinem fünften Saisontreffer in der 18. Minute in Führung. Schulz drehte die umkämpfte, spielerisch aber schwache Partie (32./82.). Für den Abwehrspieler waren es seine ersten Treffer der laufenden Saison.

Auch beim dritten Bundesliga-Abstieg plant Hannover weiter mit Schaaf. Dies hatte unmittelbar vor dem Spiel Sportchef Martin Bader noch einmal betont.

Hannover begann mutig. So musste VfB-Keeper Przemyslaw Tyton in der Anfangsphase zwei gefährliche Schüsse durch Iver Fossum (4.) und Kenan Karaman (9.) parieren. Zudem rettete Georg Niedermeier gerade noch vor Karaman (14.).

Stuttgart hatte dagegen zunächst einige Probleme. Im Mittelfeld leistete sich der VfB ohne den gesperrten Spielmacher Daniel Didavi zu viele Fehler. Dennoch führten die Schwaben schon frühzeitig, weil Hannovers Abwehr nach einem Freistoß von Alexandru Maxim überhaupt nicht im Bilde war und der völlig freistehende Werner per Kopf wenig Mühe hatte.

In der Folge übernahm der VfB auf dem seifigen Untergrund erst einmal die Kontrolle. Hannover zog sich weit zurück. In der 27. Minute hätte 96-Verteidiger Salif Sané eine scharfe Hereingabe von Didavi-Vertreter Maxim beinahe ins eigene Tor abgelenkt. Umso überraschender fiel der Ausgleich. Nach Freistoß von Hiroshi Kiyotake war Schulz am langen Pfosten zur Stelle.

Der VfB schüttelte sich kurz und hatte durch Christian Gentner gleich die große Chance zur erneuten Führung. Ron-Robert Zieler konnte jedoch klären. Nur wenig später rettete Oliver Sorg nach einem Niedermeier-Kopfball auf der Linie.

Nach dem Wechsel mussten die Fans lange auf solche Aktionen warten. Das Geschehen spielte sich meist im Mittelfeld ab. Risiko scheuten beide Teams. So dauerte es bis zur 66. Minute, ehe es wieder gefährlich wurde - aber dann so richtig: Erneut war es Sorg, der einen Ball von Werner von der Linie schlug. In der 75. Minute brachte dann Werner das Kunststück fertig, nach Pass von Filip Kostic am leeren Tor vorbeizuschießen. Schließlich scheiterte Kostic an Zieler (78.).

Erneut nach einer Standardsituation fiel die Entscheidung. Schulz scheiterte zunächst mit einem Kopfball an Tyton, drückte den Abpraller aber über die Linie.

Coman und Lewandowski schießen Bayern in Wolfsburg zum Sieg

Bayern München hat in der Fußball-Bundesliga einen weiteren großen Schritt in Richtung historischer Meisterschaft unternommen. Der Tabellenführer gewann bei Vizemeister VfL Wolfsburg mit 2:0 (0:0), baute den Vorsprung auf Verfolger Borussia Dortmund zumindest für einen Tag auf elf Punkte aus und ist dem vierten Titel in Folge ganz nah.

Kingsley Coman (66.) und Robert Lewandowski (74.) mit seinem 23. Saisontreffer erzielten die Tore für die Bayern, die in der Bundesliga seit dem 5. Dezember (1:3 in Mönchengladbach) unbesiegt sind. Mit dem Sieg am 116. Geburtstag schraubte der Rekordmeister sein Punktekonto auf 62 Zähler und hat nun genau doppelt so viele Punkte wie Vizemeister Wolfsburg.

Vor 30.000 Zuschauern in der ausverkauften VW-Arena rotierte Bayerns Trainer Pep Guardiola weniger als gedacht. Xabi Alonso erhielt im defensiven Mittelfeld den Vorzug vor Arturo Vidal, der Coman rückte für Thiago ins Team. Youngster Joshua Kimmich durfte trotz seiner Patzer gegen Turin wieder in der Innenverteidigung ran.

Die Bayern begannen ähnlich dominant wie gegen Juventus und setzten sich bei Ballbesitz hartnäckig in der gegnerischen Hälfte fest. Schon nach zwei Minuten musste Wolfsburgs Keeper Koen Casteels nach einem Vorstoß von Coman über die linke Seite beherzt eingreifen. Thomas Müller (6.) und Lewandowski (16./31.) schlossen ihre Möglichkeiten nicht zwingend genug ab.

Bei Ballbesitz rückten Bayerns Außenverteidiger Philipp Lahm und Juan Bernat ins Halbfeld und zogen ihre Gegenspieler von den Flügeln mit. Arjen Robben und Coman hatten auf den Außenpositionen mehr Platz und konnten ihre Stärken im Eins-gegen-eins immer wieder ausspielen, allerdings resultierten zu wenig echte Chancen daraus.

Die "Wölfe" fanden zunächst kein Mittel, suchten oft mit langen Bällen in Richtung Kimmich ihr Glück. Erst allmählich legten die Gastgeber ihren großen Respekt ab. Nach einem Kopfball von Max Kruse (19.) musste sich Manuel Neuer erstmals strecken. Die Riesenchance hatte Marcel Schäfer (45.). Nach Kopfball-Vorlage von Kruse kam Schäfer zehn Meter vor Neuer frei zum Schuss, doch das Wolfsburger Urgestein verstolperte.

Guardiola konnte mit dem Auftritt seiner Elf nicht zufrieden sein, brachte zum zweiten Durchgang zunächst Thiago und im Anschluss Franck Ribéry für Robben. Zunächst erhöhte sich der Druck. Müller war frei durch, wollte Lewandowski auflegen, doch Schiedsrichter Manuel Gräfe entschied auf Abseits. Kurz danach zog Lewandowski aus kurzer Distanz übers Tor.

Wolfsburg konnte sich immer wieder befreien. Nach einem Angriff über die linke Seite zog Kruse (65.) den Ball nach Innen. Draxler nahm Maß, doch Neuer war zur Stelle und faustete das Spielgerät übers Tor. Glücklicher waren die Bayern kurz darauf, als Coman einen von Naldo abgefälschten Ball ins Tor verlängerte. Lewandowski sorgte für die Vorentscheidung.

Bei den Gastgebern gehörten Abwehrchef Naldo und der engagiert spielende Kruse zu den besten Akteuren, bei den Bayern gefielen Coman und Neuer.

Umkämpftes Unentschieden zwischen HSV und Ingolstadt

Der Hamburger SV hat in der Fußball-Bundesliga den nächsten Dämpfer eingesteckt. Die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia kam am 23. Spieltag zu Hause gegen den FC Ingolstadt nicht über ein 1:1 (1:0) hinaus und verpasste es, in der Tabelle an dem Aufsteiger vorbeizuziehen.

Neuzugang Josip Drmic (7.) traf in einer temperamentvollen Partie erstmals für die Hamburger, Lukas Hinterseer (61.) köpfte für Ingolstadt nach einer Ecke zum Ausgleich ein. Es war schon das zehnte Tor nach einer Standardsituation für die Schanzer, Labbadia hatte seine Mannschaft vor dieser Stärke zuvor eindringlich gewarnt.

Der HSV gab die Führung vor den eigenen Fans völlig unnötig aus der Hand und verpasste die Chance, sich endgültig aus dem Abstiegskampf zu verabschieden. Ingolstadt rangiert weiter im sicheren Mittelfeld der Liga.

Vor 50.675 Zuschauern im Volksparkstadion vertraute Labbadia der Mannschaft, die in der Vorwoche einen Punkt bei Eintracht Frankfurt geholt hatte. Auf der anderen Seite setzte Ralph Hasenhüttl überraschend Stammkeeper Ramazan Özcan auf die Bank und ließ stattdessen Örjan Nyland spielen. Zudem bekam Hinterseer den Vorzug vor Moritz Hartmann.

Der eingespielte HSV übernahm sofort die Kontrolle und legte nach einer schönen Kombination einen Traumstart hin. Nach einem exzellent vorgetragenen Angriff über Nicolai Müller und Aaron Hunt stand Drmic goldrichtig und musste nur noch aus fünf Metern einschieben.

Doch nach dem Führungstreffer verfielen die Hanseaten wieder in Apathie, ließen das anfängliche Tempo vermissen - Ingolstadt musste gar nicht so viel tun, um immer mehr Spielanteile zu gewinnen und zu Chancen zu kommen. Pascal Groß (18.) aus der Distanz und Mathew Leckie (21.) hatten für die Schanzer gute Möglichkeiten. Labbadia tobte an der Seitenlinie angesichts der Passivität seiner Hamburger.

Es entwickelte sich immer mehr eine hart umkämpfte Partie ohne große spielerische Highlights. Stattdessen behakten sich beide Teams im Mittelfeld, es gab viele versteckte Fouls, immer wieder Unterbrechungen. Vor der Pause versuchte es noch einmal Lewis Holtby aus gut 20 Metern für den HSV - doch sein Schuss ging über die Latte.

Auch nach dem Seitenwechsel sahen die Zuschauer mehr Fouls und Nicklichkeiten als Torraumszenen. Der HSV blieb zu passiv und schaffte es nicht, seine spielerische Überlegenheit auch umzusetzen. Die Ingolstädter warfen hingegen alles, was sie hatten, in die Waagschale - vor allem viel Kampf und Leidenschaft. Und so hatte Almog Cohen (56.) plötzlich eine richtig gute Möglichkeit, vergab aber knapp. Beim Ausgleich setzte sich Hinterseer gegen seinen Bewacher Gideon Jung durch und nickte souverän ein.

Der HSV hatte seine Besten in Drmic und Emir Spahic, bei Ingolstadt überzeugten Cohen und Pascal Groß.

2:2 gegen Darmstadt - die Luft für Skripnik wird dünner

Claudio Pizarro hat Werder Bremen vor einer bitteren Heimniederlage bewahrt. Der Stürmer traf mit seinem 183. Bundesligator in der 89. Minute gegen Aufsteiger Darmstadt 98 zum 2:2 (1:1)-Endstand. Dennoch wird die Luft für Werder und Trainer Viktor Skripnik im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga immer dünner. Bremen könnte am Sonntag sogar auf einen direkten Abstiegsplatz zurückfallen.

Seit August wartet man nun an der Weser auf einen Erfolg vor eigenem Publikum. Die Gäste hingegen, die das Hinspiel gegen die Norddeutschen mit 2:1 gewonnen hatten, bewiesen erneut ihre Auswärtsstärke. Die Lilien liegen weiter vier Punkte vor Bremen.

Vor 40.396 Zuschauern im fast ausverkauften Weserstadion gingen die Gastgeber durch ein Abstaubertor von Anthony Ujah (33.) in Führung, per Kopfball bereitete Sambou Yatabare diesen Treffer vor. Für den Ausgleich sorgte der Ex-Bremer Sandro Wagner mit einem lässig verwandelten Foulelfmeter (44.). Gäste-Kapitän Aytac Sulu (82.) sorgte mit seinem sechsten Saisontor für die Führung der Gäste, dann rettete Pizarro mit seinem Kopfballtreffer Werder immerhin noch einen Zähler.

Dabei hätten die Gäste die Partie schon in der ersten Halbzeit für sich entscheiden können. Wagner (14.), Konstantin Rausch (22.) und Jerome Gondorf (25.) vergaben klare Einschussmöglichkeiten gegen phasenweise konfuse Bremer, denen man den Druck des Abstiegskampfes anmerkte.

Auch in den Zweikämpfen machten die Hessen den engagierteren Eindruck, der Führungstreffer der Grün-Weißen war ihre einzige nennenswerte Torchance in den ersten 45 Minuten.

Die größten Defizite offenbarten die Platzherren im schnellen Umschaltspiel. Hier wurde der am Sprunggelenk verletzte Mannschaftskapitän Clemens Fritz schmerzlich vermisst. Coach Skripnik war sichtlich unzufrieden und zitierte mehrfach einen seiner Schützlinge zu sich an den Spielfeldrand.

Nach dem Seitenwechsel fiel beiden Teams zunächst in der Offensive wenig ein. Die Bremer reagierten und ersetzten Yatabare in der 58. Minute durch den mehr nach vorn orientierten Ungarn Laszlo Kleinheisler. Was am Spielablauf aber nichts entscheidendes änderte.

In der 68. Minute vergab Ujah die Chance auf sein zweites Tor, Slobodan Rajkovic störte den Stürmer im letzten Moment. Auf der anderen Seite traf Sulu per Kopf, ehe Pizarro nach einem Eckball zur Stelle war. (sid)