1. FC Köln veröffentlicht die Fotos der Derby-Chaoten

Nach Abpfiff stürmten Kölner Fans den Rasen des Gladbacher Borussia-Parks.
Nach Abpfiff stürmten Kölner Fans den Rasen des Gladbacher Borussia-Parks.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Nicht zum ersten Mal machen Anhänger des 1. FC Köln negativ auf sich aufmerksam. Nach dem Platzsturm von Mönchengladbach drohen harte Sanktionen.
  • Nachdem Köln-Anhänger nach der Derby-Niederlage gegen Gladbach den Platz stürmten, kündigt der DFB am Sonntag Ermittlungen an.
  • Verantwortliche verurteilen die Vorfälle am Karnevalssamstag scharf. Köln rechnet mit harten Sanktionen und will die Täter zur Verantwortung ziehen. Deshalb veröffentlichte der Verein Fotos der Unruhestifter. Bereits in der Vergangenheit fielen FC-Anhänger negativ auf
  • Die Gewerkschaft der Polizei kritisiert die Gladbacher Einlasskontrollen. Die DFL reagiert auf die Terminierungs-Kritik

Mönchengladbach.. Zorn, Fassungslosigkeit und völliges Unverständnis beim 1. FC Köln. Nach dem Platzsturm von unbelehrbaren Hooligans am Ende des 0:1 (0:0) bei Borussia Mönchengladbach, dem sinnlosen Abbrennen von Pyrotechnik und dem Entzünden von Böllern drohen dem FC drastische Strafen bishin zu einem Geisterspiel.

Nicht nur Manager Jörg Schmadtke war regelrecht angewidert: "Das ärgert mich extrem." Max Eberl, Sportdirektor der Borussia, verglich die Hooligans mit "wilden Tieren" und forderte Haftstrafen. Er hoffe, dass die Chaoten „die Strafe bekommen, die ihnen zusteht und dass sie vielleicht auch mal dem Arbeitgeber Montag erklären müssen, warum sie nicht zur Arbeit kommen. Weil sie nämlich irgendwo sitzen.“

Wenige Stunden nach dem 82. Bundesliga-Rheinderby distanzierte sich der FC "ohne Wenn und Aber" von den unrühmlichen Vorfällen, veröffentlichte bewusst Bilder der Ereignisse und bittet um Unterstützung bei der Identifikation der Täter. Dem Verein und seinen ansonsten "großartigen Fans" sei "massiv" geschadet worden. In einer Phase, in der die Kölner mit dem DFB in einem Austausch über angemessene Strafen und die richtige Bewertung von Fan-Arbeit sind, seien die Vorkommnisse "ein schwerer Rückschlag, der den Club enttäuscht und ärgert".

Stöger: "Der bitterste Tag seit ich hier bin"

Schmadtke ließ schon wenige Minuten nach der Niederlage und dem hässlichen Ende wissen, dass der FC - nicht zum ersten Mal - mit harten Strafen rechnen muss: "Die wird schon deutlich werden." Auch die Borussia muss wegen mangelnder Platzaufsicht mit einer Bestrafung rechnen, obwohl die Aktion der rund 25 Vermummten nur aus dem Kölner Block resultierte. Der DFB kündigte am Sonntag bereits entsprechende Ermittlungen an. Beide Vereine werden Anfang der Woche zu Stellungnahmen gebeten. "Das ist der bitterste Tag seit ich hier bin", sagte Kölns fassungsloser Trainer Peter Stöger dem "Express".

Derby-Chaoten Der FC, dem möglicherweise sogar ein so genanntes Geisterspiel droht, will nun bei der Täterermittlung aktiv werden und die Verursacher "konsequent sanktionieren". Zudem behalte sich der Verein "weitere, harte Schritte gegen die beteiligten Gruppierungen vor".

Empört reagierten auch die Spieler. "Es kann nicht sein, das geht einfach nicht. Das sind keine Fans - die schaden nur dem Verein", verurteilte Kölns Torhüter Timo Horn das Geschehen vor den 54.010 Besuchern im ausverkauften Stadion. Granit Xhaka, der in der Nachspielzeit (90.+1 Minute) mit seinem ersten Kopfballtor im Fohlen-Dress die Partie entschied, sagte, es sei "bitter für den Fußball, dass so etwas passieren kann".

Kritik an Verband und Ordnungsdienst nach Derby-Ausschreitungen

Der Schweizer und seine Mitspieler eilten in die Kabine, als etwa 25 Vermummte, bekleidet mit weißen Overalls, praktisch mit dem Schlusspfiff ein Fluchttor stürmten und unbegreiflicherweise auf das Feld rennen konnten. Es gab heftige Rangeleien, Fußtritte und Faustschläge. Bei den Ausschreitungen wurden ein Polizist und mehrere Ordner verletzt. Zwei der Krawallmacher wurden nach Angaben eines Polizeisprechers vorübergehend festgenommen, von mehreren anderen FC-Fans hätten die Beamten die Personalien festgestellt. Die Abreise der Anhänger sei ohne Zwischenfälle verlaufen.

Bereits im Vorfeld gab es Kritik am Verband für die Terminierung der Hochrisiko-Partie an Karneval, denn im Hinspiel gab es 93 Ingewahrsamnahmen seitens der Polizei. DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig reagierte am Sonntag einsichtig: "Auch wenn die Ausschreitungen offensichtlich nicht mit der Ansetzung am Karnevals-Wochenende im Zusammenhang stehen, wird die DFL in dieser Hinsicht künftig noch sensibler vorgehen. Wir werden prüfen, ob und wie derartige Terminkollisionen trotz der bereits hohen Komplexität der Spielplanung vermieden werden können."

"Beim Einlass wurde nicht gründlich genug kontrolliert"

Arnold Plickert, NRW-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sieht in der Terminierung an Karneval hingegen sehr wohl einen Faktor, der zu den Ausschreitungen beitrug und kritistierte gegenüber der "Rheinischen Post" den Sicherheitsdienst der Gladbacher: "Alleine der massive Pyro-Einsatz im Block der Kölner zeigt doch, dass da beim Einlass ganz offensichtlich nicht gründlich genug kontrolliert worden ist. Der Ordnungsdienst war bei dem Platzsturm der Kölner Chaoten komplett überfordert."

Derby-Reaktionen Es ist nicht das erste Mal, dass Kölner Hooligans dem Verein extrem schaden. Im März 2014 war der damalige Zweitligist wegen ähnlicher Dinge vom DFB-Sportgericht zu einer 50 000-Euro-Strafe und einem für neun Monate zur Bewährung ausgesetzten Zuschauer-Teilausschluss verurteilt worden. Dem FC war seinerzeit vom Sportgericht kein Verschulden zugesprochen worden.

Teams flüchteten vor Fan-Mob bei letztem Abstieg

Beim letzten Abstieg der Kölner am 5. Mai 2012 hatte es nach dem 1:4 gegen Bayern München ähnliche Vorkommnisse gegeben. Damals hatte Schiedsrichter Florian Mayer die Partie einige Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit beendet, damit die Profis beider Teams, die vor einer schwarzen Rauchwolke und einem Fan-Mob flüchteten, sicher in die Kabinen kommen konnten.

Derby-Krawalle Die Jagdszenen von Mönchengladbach haben noch ein anderes Kaliber. Xhaka bekannte zwar, nicht unbedingt Angst gehabt zu haben: "Aber man muss natürlich aufpassen." Der Schweizer und seine Kollegen rannten in die Katakomben und kamen erst Minuten später wieder raus, um sich von den Borussia-Anhängern für den Sieg, mit dem die Elf von Lucien Favre ihre Champions-League-Ansprüche untermauerte, feiern zu lassen.

Wie Peter Stöger war auch Favre erbost ob der Ausschreitungen. "Das gehört nicht zum Fußball", kommentierte der Borussia-Coach, am Samstag exakt vier Jahre im Amt, das unrühmliche Verhalten. Stöger hielt sich noch zurück, als er feststellte, er könne "mit solchen Dingen nichts anfangen. Das kann ich nicht gut heißen - das ist bitter, mindestens so bitter wie das 0:1." (dpa/we)

Nicht der erste Skandal der Kölner Problemfans

Beim Platzsturm in Mönchengladbach ist die Kölner Fangemeinde nicht das erste Mal unangenehm aufgefallen. In der Vergangenheit hatte es eine Reihe an Vorfällen gegeben, die dem Club schon Strafen einbrachten. Eine Auflistung der größten Verfehlungen von Kölner Fans in der jüngeren Vergangenheit:

  • 14. Februar 2015: Nach dem Spiel bei Borussia Mönchengladbach (0:1) stürmen rund 25 Vermummte den Platz und liefern sich auf dem Rasen heftige Rangeleien mit Polizisten und Sicherheitskräften. Außerdem wurden im Kölner Block während des Spiels Pyrotechnik und Böller gezündet.
  • 19. März 2014: Das DFB-Sportgericht verurteilt den FC zu einer Geldstrafe von 50 000 Euro und einem für neun Monate zur Bewährung ausgesetzten Zuschauer-Teilausschluss. Die Strafen werden wegen des Einsatzes von Pyrotechnik sowie des Werfens von Gegenständen und Böllern in neun verschiedenen Fällen verhängt.
  • August 2012: Kölner Anhänger hetzen im Internet gegen FC-Spieler Kevin Pezzoni und lauern ihm vor der Wohnung auf. Der Verteidiger löst zum 31. August seinen Vertrag in Köln auf.
  • 5. Mai 2012: Zum Ende des Spiels gegen den FC Bayern München (1:4), das den FC-Abstieg besiegelt, werden im Kölner Block schwarze Rauchbomben gezündet. Außerdem stürmen Chaoten den Platz. Schiedsrichter Florian Mayer beendet die Partie einige Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit, damit die Profis beider Teams sicher in die Kabinen kommen. Das DFB-Sportgericht verhängt eine Geldstrafe von 40 000 Euro und einen Teilausschluss im ersten Saison-Heimspiel 2012/13.
  • 4. März 2012: FC-Hooligans bedrängen in drei Autos einen Fanbus von Borussia Mönchengladbach auf der Autobahn und zwingen den Fahrer zum Halt auf der Raststätte Siegburg-Ost. Dort greifen sie den Bus mit Ziegelsteinen und Schlagstöcken an. Verletzt wird niemand.
  • 13. August 2011: Kölner Fans werfen beim Auswärtsspiel auf Schalke Becher mit Urin und Fäkalien in den gegnerischen Block.