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Für Talente brechen harte Zeiten an

04.07.2007 | 03:05 Uhr

Dortmund. Borussia Dortmunds "Jugend-Stil" hatte einst die Bundesliga beeindruckt. Nuri Sahin, David Odonkor, Florian Kringe und Marc Kruska spielten sich in die Schlagzeilen. Vergangenheit. Heute setzt der BVB wieder auf gestandene Profis, weil er nach d

Nuri Sahin hat Fußball-Geschichte geschrieben: Er war jüngster Bundesliga-Debütant (16 Jahre und 335 Tage alt), jüngster Bundesliga-Torschütze und jüngster Spieler, der jemals in der türkischen Nationalmannschaft eingesetzt wurde. Nicht nur der große Arsene Wenger pries den Türken nach der U 17-Europameisterschaft 2005 als außergewöhnliches Talent. Folglich bereitete Arsenal London Sahins Klub Borussia Dortmund ein Transferangebot. Doch die verlockende Ablösesumme von drei Millionen Euro für den 16-Jährigen ließ BVB-Chef Hans-Joachim Watzke nicht weich werden. "Nuri", versicherte er damals, "ist unsere Zukunft." Heute denkt Borussia Dortmund darüber nach, das einstige "Juwel" auszuleihen.

Bert van Marwijk meldet Interesse an

Sportdirektor Michael Zorc bestätigt: "Es muss eine Lösung sein, die in der Weiterausbildung des Jungen begründet ist. Das heißt, dass für ihn Spielanteile gewährleistet sind und er sich fußballerisch entwickeln kann." Diese Möglichkeit kann ihm der BVB kaum noch bieten, obwohl Zorc einräumt, "dass es kein Problem wäre, ihn hier zu behalten." Davon geht Sahin, der am 5. September seinen 19. Geburtstag feiert, auch noch aus: "Ich weiß, dass es sehr schwer wird, aber ich will versuchen, mich hier durchzubeißen. " Trotz seiner jungen Jahre hat er immerhin schon 47 Bundesligaspiele bestritten.

Aber die Konkurrenz ist fast übermächtig. Mit Giovanni Federico, Mladen Petric und "Kuba" Blaszczykowski hat ihm Borussia drei Neuzugänge vor die Nase gesetzt. Sebastian Kehl ist zurückgekehrt. Florian Kringe, Steven Pienaar, Marc Kruska und Tinga sowie der von Trainer Thomas Doll hoch geschätzte Daniel Gordon halten bessere Karten als Filigrantechniker Nuri Sahin in der Hand. Dessen Defizite diagnostiziert die sportliche Leitung in Geschwindigkeit und Athletik.

Bert van Marwijk, sein ehemaliger Trainer und Förderer, sendet Signale aus, dass Feyenoord Rotterdam wegen eines Ausleihgeschäfts auf Borussia zukommen könnte. "Ich habe bisher nichts Konkretes gehört", sagt der 18-Jährige, der zunächst einmal plant, mit Borussia am Montag ins Trainingslager in die Schweiz zu fahren.

Ohnehin hat der Profi-Nachwuchs in Dortmund wieder einen schweren Stand. Die Zeiten, da sich der BVB rühmte, die jüngste Bundesliga-Elf aller Zeiten zu stellen, gehören der Vergangenheit an. Die Unternehmensführung meldet heute, da sie die Personalkosten auf über 30 Millionen Euro erhöht hat, andere Ansprüche an. Im letzten Spiel der Saison 2005/06, beim 3:3 in München gegen den FC Bayern, gehörten noch sieben Spieler aus der eigenen Talentschmiede (Brzenska, Caliskan, Sahin, Kringe, Kruska, Gambino, Odonkor) der Mannschaft an.

Nun läuft selbst der unter van Marwijk stets gesetzte Florian Kringe Gefahr, seinen Stammplatz im Mittelfeld zu verlieren. Er weiß um die neue Konkurrenzsituation und hat im Urlaub nicht auf der faulen Haut gelegen, sondern an seiner Fitness gearbeitet. Auch dem gerade 20 Jahre alt gewordenen Marc Kruska (bisher 73 Bundesligaspiele) droht die Versetzung auf die Bank. Aber Kruska, anders als der eher sensible Sahin ein Kämpfer-Typ, wird sich nicht so leicht abschieben lassen.

Thomas Doll verspricht allen eine "faire Chance" und stellt jedem Spieler die Möglichkeit in Aussicht, "mir das Leben so schwer wie möglich zu machen." Für Borussias Nachwuchs eine echte Herausforderung.

Von Wilfried Wittke

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