Für Sahin gibt’s keinen Grund zur Entwarnung

Dortmund..  Der Hauptdarsteller suchte wortlos das Weite. Auch am Ende einer für ihn ereignisreichen Woche pflegte Marco Reus seinen Ruf als medienscheuer Profi. Lächelnd verweigerte er am späten Freitag Abend nach dem 4:2 (0:1) von Borussia Dortmund über den FSV Mainz 05 alle Interviews. Dafür redeten seine Teamkollegen - vornehmlich über Reus, der drei Tage nach seiner Vertragsverlängerung bis 2019 die entscheidende Figur auf dem Platz war.

Mittelfeldspieler Nuri Sahin geriet gar ins Schwärmen: „Was Marco spielt, ist Weltklasse. Dass er sich für uns entschieden hat, war auch für ihn eine Erlösung.“ Nicht minder begeistert kommentierte Ilkay Gündogan die ermutigenden Ereignisse der Vortage: „Die Unterschrift von Marco hat hier alle euphorisiert.“

Zur Freude aller Beteiligten stellte sich der erhoffte Reus-Effekt ein. Zum ersten Mal in dieser Saison wandelte der BVB einen Rückstand in einen Sieg um, zum erst zweiten Mal gelangen zwei Siege in Serie. Das war vor allem ein Verdienst des Nationalspielers, der als Schütze des 2:1 (55.) und als Passgeber zum 3:2 durch Pierre-Emerick Aubameyang (71.) brillierte. Bei seiner Auswechslung in der 84. Minute gab es Ovationen von den Tribünen. „Er hat sich wund gelaufen, durfte raus. Alles gut“, kommentierte Trainer Jürgen Klopp.

Eine Saison voller Prüfungen

Dabei drohte zunächst ein weiterer Rückschlag. Bereits nach 53 Sekunden. Der Heber von Elkin Soto zum 1:0 der Gäste hinterließ sichtbar Wirkung. „Das 0:1 war mal wieder eine Slapstick-Nummer. Aber vielleicht gehört das zu den Prüfungen, die wir diese Saison bestehen müssen“, klagte Fußball-Lehrer Klopp.

Doch anders als in der ersten Halbzeit trat die Borussia nach Wiederanpfiff nicht wie ein Abstiegskandidat, sondern phasenweise wie ein Vizemeister auf. Kurz nach dem Schlusspfiff fiel Hans-Joachim Watzke das Lächeln zunächst noch schwer. „Ich bin fix und fertig“, bekannte der BVB-Geschäftsführer „aber auch total erleichtert. In der ersten Halbzeit wirst du ja bescheuert.“ Der mühsame Erfolg im Kellerduell kostete auch Klopp mehr Nerven, als ihm lieb war: „Die gesamte Saison ist für uns eine extreme Herausforderung. Es war ein Sechs-Punkte-Spiel.“

Selbst das Glück scheint der Borussia wieder hold: Der Treffer zum 1:1 von Neven Subotic gelang im 13. Versuch - am Freitag den 13.. Mit dem 4:2 veredelte der BVB eine ermutigende Woche. „Der BVB ist wieder da“, skandierten die Fans schon vor dem Schlusspfiff. Bei aller Euphorie sah Torschütze Sahin (78.) jedoch keinen Grund zur Entwarnung: „Für den Kopf, für die Tabelle, für unsere Moral ist das superwichtig. Aber die Lage bleibt gefährlich. Wenn wir zweimal verlieren, sind wir wieder unten drin.“

Zumindest geht der Trend beim BVB nach oben - im Gegensatz zu den Mainzern. Nach nur einem Sieg aus den vergangenen 13 Spielen nimmt die Kritik an Kasper Hjulmand zu. Auf Fragen, ob sein Arbeitsplatz nun langsam aber sicher in Gefahr gerate, antwortete der Coach im Sky-Interview unaufgeregt: „So ist das nun mal, wenn man keine Punkte holt. Aber ich versuche immer, meine beste Arbeit zu machen.“