Sportgeschichte: 15....
Freeman: Hoffnungsträgerin der Aborigines
15.09.2008 | 00:01 Uhr 2008-09-15T00:01:00+0200
Heute vor acht Jahren leitete Australien symbolisch die Annäherung an seine Ureinwohner ein. Denn mit Läuferin Cathy Freeman durfte am 15. September 2000 eine Aborigine das Olympische Feuer in Sydney entfachen.
Wer das Feuer entzündet, war bis zuletzt ein Geheimnis. In Sydney stockte einer ganzen Nation der Atem, als es gelüftet wurde: Mit der Auswahl der letzten Fackelläuferin wurde der Beginn einer politischen Wende auf dem fünften Kontinent eingeleitet. Bei den 27. Olympischen Spielen in Sydney wurde die Leichtathletin Catherine Freeman zur Hoffnungsträgerin und Symbolfigur einer ganzen Nation.
In einem silbernen Anzug und mit der Fackel in der Hand näherte sich Freeman dem Wasserbad. Als letzte Fackelläuferin entzündete sie das Olympische Feuer. Lodernde Flammen stiegen empor. Der leuchtende Kranz wurde auf einer Schiene nach oben gefahren, bis er über der Sportarena erstrahlte.
Australiens Hoffnungsträgerin
110.000 Zuschauer im Stadion und weitere 3,7 Milliarden Menschen vor den Fernsehern in aller Welt verfolgen die Eröffnungsfeier der Spiele in Australien. Die Läuferin Cathy Freeman, die 1997 den WM-Titel in Athen geholt hatte, durfte das Feuer entfachen - und eröffnete nicht nur die Spiele, sondern präsentierte sich als eine Aborigine, die für die Versöhnung der Ureinwohner Australiens mit der weißen Bevölkerung kämpft.
Das australische Sportidol ist die populärste Vertreterin der Aborigines. Bei Olympia 2000 holte sie die Goldmedaille. Sie lief die 400 Meter in einer Zeit von 49,11 Sekunden und schrieb nicht nur Sport-, sondern auch Politikgeschichte: Es war der erste Sieg einer Angehörigen der australischen Ureinwohner bei Olympia und der Karrieregipfel einer engagierten und zielstrebigen Leichtathletin.
Olympia 2000 - Symbolik pur
Bei der Ehrenrunde der Olympischen Spiele in Sydney im Jahre 2000 schwenkte Cathy beide Flaggen: die australische und die schwarz-rot-gelbe der Aborigines. Das hatte sie auch schon 1994 bei den Commonwealth Spielen getan und damit erstmals einen kleinen Skandal ausgelöst. Denn eine Ehrenrunde mit zwei gleichen Flaggen war nach den Regeln des Internationalen Olympischen Komitees nicht erlaubt.
Doch Freeman scherte sich nicht um Vorschriften und setzte ein Zeichen für ihre Vorfahren: Sowohl ihre Eltern als auch ihre Großmutter gehörten zur so genannten "gestohlenen Generation". Ihre Vorfahren wuchsen getrennt von ihren engsten Angehörigen und der Gemeinschaft auf. In fremden Familien oder Missionsstationen wurden sie gezwungen, sich der für sie fremden Kultur der Weißen anzuschließen und ihre eigenen Traditionen zu vergessen. Sie sollten sich schnellstmöglich an die "zivilisierte" weiße Bevölkerung anpassen.
Trotzdem gab die Familie ihre Kultur weiter: Cathy Freeman ist ihren Wurzeln treu geblieben und fühlt sich weiterhin als Aborigine.
Freeman lebte ihren Traum
Drei Jahre nach ihrem Goldmedaillen-Sieg in Australien kündigte Freeman ihren Rücktritt aus dem Leistungssport an, weil sie ihre größten persönlichen Erfolge bereits gefeiert hatte. Darunter ihre olympischen Medaillensiege in Sydney 2000 und Atlanta 1996 und die Weltmeisterschaftssiege in Sevilla 1999 und Athen 1997. Zudem wurde Freeman zur "Australierin des Jahres 1998" gewählt. Dass sie das Olympische Feuer entzünden durfte, war für die Läuferin ein einzigartiges Ereignis. Die Australierin hatte den Sprung von der erfolgreichsten Aborigine-Leichtathletin zur politischen Leitfigur mit Vorbildfunktion für einen ganzen Kontinent geschafft.
Mittlerweile leitet Catherine Freeman eine pädagogische Einrichtung, die jungen Aborigine-Frauen Perspektiven für eine bessere Zukunft zeigt und ihnen dabei hilft, die für sie beste Ausbildung zu finden. Mit der "Catherine Freeman Foundation" kämpft sie weiter für die Ureinwohner Australiens und die Versöhnung mit der weißen Bevölkerung.
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