Fifa-Chef Blatters indirekte Attacke gegen Uefa-Boss Platini

Sepp Blatter spricht aus, was ohnehin schon jeder wusste: Es gab politische Einflüsse bei der Vergabe der WM 2022 an Katar.
Sepp Blatter spricht aus, was ohnehin schon jeder wusste: Es gab politische Einflüsse bei der Vergabe der WM 2022 an Katar.
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Was wir bereits wissen
Fifa-Chef Sepp Blatter spielt sich auf als Hüter der Moral. Dabei steckt hinter seinen Äußerungen zur WM 2022 eine Attacke gegen Uefa-Chef Michel Platini - denn der könnte ihm bei der geplanten Wiederwahl 2015 als Gegenkandidat in die Quere kommen. Ein Kommentar.

Essen.. Wenn ein Mann wie Sepp Blatter erklärt, es habe „direkte politische Einflüsse“ bei der von Anfang an umstrittenen Vergabe der WM 2022 an Katar gegeben, dann bedeutet das zweierlei: Zunächst macht Blatter eine Selbstverständlichkeit öffentlich – als ob irgendjemand daran geglaubt hätte, dass dieses Turnier in der Wüste gelandet ist, weil die Idee so bestechend logisch war. Und dann verfolgt Blatter natürlich eigene Zwecke: Er zielt auf seinen ehemaligen Ziehsohn und heutigen Erzrivalen Michel Platini.

Der Franzose wird nämlich womöglich 2015 gegen Blatter um das Amt des Fifa-Präsidenten kandidieren. Und Platini hat seine Wahl pro Katar längst bestätigt. Allgemeingut ist auch, dass der Uefa-Chef wenige Tage vor der Abstimmung noch zu einem Abendessen mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und Scheich Hamad Al Thani, dem Emir von Katar, eingeladen war. Ein Schelm, dieser Blatter, dass er Böses dabei denkt.

Sportpolitik Dass sich aber nun genau dieser Fifa-Chef, einer der gewieftesten Strippenzieher in der Geschichte des Sports, als Gralshüter der Ethik aufspielt, gerade so als sei die Fifa in seiner Ägide nicht in den Ruf eines Korruptions- und Intrigen-Stadls geraten: ein Witz, bei dem das Lachen im Hals stecken bleibt.