Fecht-Hoffnungen: Heidemann, Joppich und die Säbel-Asse

Am Freitag beginnen in Montreux in der Schweiz mit der Vorrunde im Herrenflorett-Einzel die Europameisterschaften der Fechter. Die Deutsche Presse-Agentur beleuchtet wesentliche Aspekte der Titelkämpfe.

Düsseldorf..  Welche deutschen Teilnehmer haben die größten Erfolgsaussichten?

Peking-Olympiasiegerin Britta Heidemann mit dem Degen, der viermalige Florett-Einzelweltmeister Peter Joppich und die Säbel-Asse um den ehemaligen Welt-Titelträger Nicolas Limbach. Heidemann ist trotz ihrer Achillessehnenprobleme immer für eine Medaille gut. Das gilt auch für Joppich und die Säbel-Experten.

Wie schnitten die deutschen Starter beim Europa-Championat 2014 in Straßburg ab?

Mau. Durch Joppich und das Säbel-Team gab es zweimal Bronze. Nur 2005 in Zalaegerszeg/Ungarn (einmal Bronze) waren deutsche Fechter bei einer EM noch weniger erfolgreich.

Wie sieht Sven Ressel als Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes die aktuelle Herausforderung?

"Die EM ist eine wichtige Etappe auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2016. Unser Fokus liegt darauf, sich möglichst in allen Disziplinen vordere Platzierungen zu erkämpfen, um eine gute Ausgangsbasis für die weitere Olympia-Qualifikationsphase zu entwickeln." Laut Ressel ist es zudem ein EM-Ziel, die Medaillenzahl von Straßburg 2014 um mindestens eine Plakette zu übertreffen.

Welche Bedeutung haben die Europameisterschaften auf dem Weg zu den Spielen 2016 in Rio de Janeiro?

Eine hohe. Denn in der Einzelwertung gibt es bei der EM die eineinhalbfache Punktzahl in der olympischen Qualifikationsrangliste.

Wo sind die Schwachpunkte im deutschen Verband?

Ganz klar: im Damensäbel. Obwohl die Dormagenerin Anna Limbach vor einem Jahr im Elsass EM-Siebte war, gilt dieser Bereich aktuell als der schwächste. EM-Neuling Ann-Sophie Kindler aus Eislingen soll behutsam an kommende Herausforderungen herangeführt werden. Künftig will Bundestrainer Eero Lehmann verstärkt auf den Nachwuchs setzen.

Im Bereich Herrendegen tut sich nach dem enttäuschenden 16. EM-Platz von 2014 unter 17 Teams einiges. Wie kommt es dazu?

"Die Jungs sind fleißig und zeigen ein professionelles Verhalten", sagt Bundestrainer Didier Ollagnon. Vor allem der Leverkusener Christoph Kneip überzeugte in der aktuellen Weltcupsaison mit zwei Platzierungen unter den Top drei. Der vor rund zwei Monaten verpflichtete Mental-Coach Christian Heiss hilft der Crew, eine längere Ergebnis-Stagnation nach und nach zu überwinden.

Die deutschen Säbel-Asse sind Team-Weltmeister von Kasan 2014 - aber in Rio gibt es mit dieser Waffe nur die Einzelentscheidung. Schmerzt das?

Ja! Denn Limbach und Co. sind immer in der Lage, Top-Plätze und Medaillen zu erreichen. Nun gibt es das Dilemma, dass sich maximal zwei deutsche Herren für die Spiele qualifizieren können. Auch Damenflorett ist bei den Spielen nur ein Individualwettkampf. In den anderen Waffengattungen (Damendegen, Damensäbel, Herrenflorett, Herrendegen) sind je Nation drei Athleten startberechtigt, sofern das Team qualifiziert ist. Die Rio-Qualifikation begann Anfang April und endet am 4. April 2016.