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Favre ist ein Glücksfall für Gladbach

07.05.2011 | 23:23 Uhr
Favre ist ein Glücksfall für Gladbach
Holte mit Gladbach 19 Punkte in elf Spielen: Lucien Favre. (Foto: Getty)

Essen.  Bayern München hat sich Platz drei gesichert und darf zumindest in der Qualifikation zur Champions League antreten, der FC St. Pauli steht als erster Absteiger aus der Bundesliga fest, und in Mönchengladbach bahnt sich ein kleines Fußball-Märchen an: Der Kommentar zur 33. Bundesliga-Runde.

Es ist die Zeit der Entscheidungen. Eine Woche nach dem vorzeitigen Titel-Gewinn von Borussia Dortmund werden jetzt die weiteren Preise in der Bundesliga verteilt: Bayern München hat mit dem 8:1-Sieg beim Absteiger St. Pauli doch noch die Tür zur Champions League geöffnet, Hannover 96 und der FSV Mainz 05 stehen als Teilnehmer der Europa League fest. Doch das schönste Märchen wird gerade in Mönchengladbach geschrieben: Denn mit dem 2:0-Sieg gegen den SC Freiburg hat die Borussia, die seit Monaten quasi auf dem direkten Weg in die zweite Liga war, erstmals wieder einen der beiden letzten Tabellenplätze verlassen und ist auf den Relegations-Rang 16 geklettert. Das allein ist schon ein Riesen-Erfolg für die Borussia vom Niederrhein, die den Klassenerhalt jetzt wieder selbst in der Hand hat.

Den direkten Abstieg vor Augen hat jetzt Eintracht Frankfurt, das durch die 0:2-Heimpleite gegen den 1. FC Köln auf den vorletzten Platz abgerutscht ist. Ein Desaster für die Frankfurter und die Quittung für den wohl unverständlichsten Trainer-Wechsel dieser turbulenten Saison. Dass Michael Skibbe vor Wochen von Christoph Daum abgelöst wurde, hatten schon damals nur die wenigsten verstanden. Jetzt versteht es niemand mehr. Daum ist in sechs Spielen mit der Eintracht ohne Sieg geblieben und hat dabei nur drei mickerige Punkte geholt. Dieser Trainer-Wechsel war ein Schuss in den Ofen. Und wenn die Frankfurter am nächsten Samstag im Auswärtsspiel beim Deutschen Meister Borussia Dortmund nicht ein kleines Wunder schaffen, heißt es: Abstieg für Frankfurt. Und aus der Daum. Dass es nach dem Spiel zu Krawallen kam, weil etwa 150 Chaoten das Spielfeld stürmten, passt zu dem Bild, das die Frankfurter abgeben: Einfach nur chaotisch und peinlich. Irgendwie kommt man zu dem Schluss, dass die Frankfurter den Abstieg in diesem Jahr mehr als verdient hätten.

Gladbach besiegt Freiburg

Das Gegenstück dazu spielt sich in Mönchengladbach ab. Als Lucien Favre Mitte Februar die Nachfolge von Michael Frontzeck antrat, schien er ein Himmelfahrtskommando zu übernehmen. Doch dieser kluge und leise Fußball-Lehrer aus der Schweiz war ein Glücksfall für die Gladbacher. In elf Spielen holte er seitdem 19 Punkte – das ist sensationell für einen Abstiegskandidaten. Favres Erfolgsrezept: Er brachte Ruhe und Struktur in das Spiel der Gladbacher, die bis dahin die Schießbude der Liga waren. Unter dem neuen Trainer gab es in elf Spielen nur acht Gegentore. Der Sieg gegen Freiburg war ein Paradebeispiel: Die Gladbacher behielten auch in kritischen Situationen die Ruhe und hatten zudem das nötige Quäntchen Glück, um die drei Punkte einzufahren.

Die Abstiegsentscheidung am letzten Spieltag wird jetzt ein echter Thriller. Als Absteiger fest steht bisher nur der FC St. Pauli, der beim 1:8-Untergang gegen Bayern München zeigte, dass die Bundesliga doch eine Nummer zu groß war. Um die weiteren Plätze gibt es einen Dreikampf zwischen Frankfurt (34 Punkte, minus 16 Tore), Mönchengladbach (35 Punkte, minus 17 Tore) und dem VfL Wolfsburg (35 Punkte, minus 7 Tore). Einer steigt direkt ab, einer kommt in die Relegation, einer schafft sofort den Klassenerhalt. Alle drei gefährdeten Mannschaften spielen bei Gegnern, für die es sportlich um nichts mehr geht: Frankfurt in Dortmund, Mönchengladbach in Hamburg und Wolfsburg in Hoffenheim.

Schalke unterliegt Mainz

Endgültig in Sicherheit gebracht haben sich am 33. Spieltag aus eigener Kraft der 1. FC Köln (2:0 in Frankfurt), Werder Bremen (2:0 gegen den offenbar überfeierten Meister Dortmund) und der VfB Stuttgart (2:1 gegen Hannover) . Schalke dagegen ist hinter dieses zuvor noch gefährdete Trio abgerutscht, was bezeichnend genug ist: Das 1:3 gegen Mainz war die fünfte Pflichtspiel-Niederlage in Folge. Diese Mannschaft versteht es offenbar wirklich nur, unter Druck Leistung abzurufen. Und Ralf Rangnick ist es nicht gelungen, den Druck aufrecht zu erhalten, nachdem der Klassenerhalt vor Wochen so gut wie eingetütet war. Ein ganz gefährliches Spiel, denn nun muss Rangnick mit Blick auf das Pokalfinale am 21. Mai gegen den MSV Duisburg schleunigst wieder Druck aufbauen und die Lethargie bekämpfen. Denn in der aktuellen Form verliert Schalke auch das Endspiel gegen den Zweitligisten, und was dann bei den Königsblauen los wäre, kann man sich leicht vorstellen.

Neben dem Abstiegsfinale steht am 34. Spieltag noch eine Entscheidung aus: Die zwischen Bayer Leverkusen und Bayern München um Platz zwei und drei – also um die direkte Teilnahme und um die Qualifikation zur Champions League. Leverkusen büßte das komfortable Polster durch das 1:1 gegen Hamburg ein, hat jetzt noch drei Punkte Vorsprung auf Bayern München, das aber das weitaus bessere Torverhältnis hat. Bayern empfängt Stuttgart, Leverkusen muss nach Freiburg. Diese Sache ist noch nicht gelaufen. Und wird ganz spannend für Jupp Heynckes, der vor einem brisanten Abschied aus Leverkusen steht: Wenn die Bayern ihn noch abfangen, fängt er im Sommer als Verlierer-Trainer in München an.

Manfred Hendriock

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Kommentare
08.05.2011
16:05
Favre ist ein Glücksfall für Gladbach
von karnevalsprinz | #5

Die Dortmunder Niederlage gegen Gladbach war wohl alles andere als Nachbarschaftshilfe, schließlich ging es da für Dortmund noch um die Meisterschaft und Leverkusen schloss bedrohlich auf.
Was Daum betrifft: Zweifelsohne hat er Ahnung vom Fußball, aber er müsste mal lernen, sein Maul nicht so weit aufzureißen. Er hatte seine befristete Verpflichtung ja schon als langfristig interpretiert und wollte Frankfurt in der nächsten Saison unter die deutschen Top 5 bringen. Da ist er ja nun ein Stück weit von entfernt. Einfach unseriös, der Typ.
Über Lothar Matthäus wurde mal gesagt, dass er der erste Spieler ist, der antwortet, bevor ihm eine Frage gestellt wird. Im Trainerbereich gilt das wohl für Daum.

08.05.2011
11:56
Favre ist ein Glücksfall für Gladbach
von MeidericherJung | #4

Stimmt. Aber trotzdem würde ich sagen, Daum hat sich abgenutzt.

08.05.2011
11:39
Favre ist ein Glücksfall für Gladbach
von ruhrgebieti | #3

Auch wenn ich Daum mitunter auch kritisch sehe, in den Medien wird immer getan, als hätte dieser Mann mit Fußball nie was zu tun gehabt und bei seiner Verpflichtung einfach wahllos einen aus der Putzkolonne herausgezogen.

Vor seiner Kokainaffäre hat er mehrere nationale Meisterschaften und Pokalsiege mit seinen Vereinen geholt und war so erfolgreich, daß der DFB bereit war, Völler für ein Jahr als Zwischenlösung zu akzeptieren, bis Daum Bundestrainer werden sollte.

Nach der Affäre hat er wieder 3 Meisterschaften und einen Pokalsieg geholt.

Deswegen macht Daum nicht alles richtig, aber soooo unfähig wie er hier dargestellt wird, ist er definitiv nicht.

08.05.2011
10:47
Favre ist ein Glücksfall für Gladbach
von Tadaa | #2

Gladbach ging erst nach der schmeichelhaften gelbroten Karte von Freiburg in Führung. Zuletzt schenkte Dortmund aus Nachbarschaftshilfe sehr offensichtlich 3 Punkte in Gladbach her. Und da kam schon ziemlich viel Dusel zusammen und noch ist man nicht gerettet.

08.05.2011
06:03
Favre ist ein Glücksfall für Gladbach
von Erbeck1 | #1

Favre macht keine spektakulären Ausagen wie Magath ( Truppe nicht fitt u.s.w. ) und erst recht keinen Zirkus wie Daum ( Selbstdarsteller ) , sondern er arbeitet ! Günter Netzer hat BMG zu recht im Vorfeld der Verpflichtung gratuliert und Favre als sehr guten Trainer bezeichnet .

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