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Doping-Beichte

Ex-Radprofi Armstrong beichtet Doping in Talk mit Oprah Winfrey

18.01.2013 | 10:48 Uhr
Lance Armstrong gibt zu, was längst alle wussten: Er hat gedopt, gelogen, betrogen. Doch es bleiben Fragen offen: Wer waren die Hintermänner des Dopingsystems?Foto: Reuters

Washington.  Ex-Profi Lance Armstrong hat in einem Interview mit US-Talkmasterin Oprah Winfrey erstmals die Einnahme von Dopingmitteln bei allen sieben Tour-de-France-Siegen eingeräumt. Aus Sicht des gefallenen Radstars war es in seiner aktiven Zeit unmöglich, die Tour de France ohne Doping zu gewinnen.

Oprah Winfrey , die Gastgeberin, kam nach einem kurzen Einspielfilm sofort zur Sache: Hast Du gedopt? War Epo dabei? Kortison auch? Und andere Wachstumshormone? Viermal antwortete Lance Armstrong kurz und bündig und sehr blass im Gesicht mit: Ja. Nach über 13-jährigem Lügen und Abstreiten riss der bis vor kurzem als bester Radfahrer aller Zeiten geltende Texaner die hohe Mauer des Schweigens ein und gab zu, bei allen sieben Tour-de-France-Siegen zwischen 1999 und 2005 unter dem Einfluss verbotener Mittel und Methoden gestanden zu haben .

Im ersten Teil des Gesprächs am Donnerstagabend , Teil zwei wird in Deutschland am Samstag um 3 Uhr morgens zu sehen sein, erklärte der 41-Jährige, bis zum Jahr 2005 gedopt zu haben. Bei seinem Comeback 2009, als er Dritter bei der Tour war und 2010 (Platz 23) sei er „sauber“ gewesen. Seine Begründung: Bis 2005 seien die Doping-Kontrollen vor allem außerhalb der Rennen lax gewesen.

Kommentar
Schaler Nachgeschmack bleibt - von Dirk Hautkapp

Ex-Radprofi Lance Armstrong gibt in seiner TV-Beichte bei Talk-Queen Oprah Winfrey nur das über sein jahrelanges Doping zu, was bekannt war. Die erste Etappe des in zwei Teile aufgesplitteten Geständnisses hinterlässt einen mehr als schalen Nachgeschmack - ein Kommentar.

Auffällig war, dass Armstrong die entscheidende Instanz im Radsport, den Weltverband UCI, in keiner Form belastete. Vorwürfe, die UCI habe 2001 einen positiven Epo-Test verschwinden lassen und Armstrong habe sich dafür mit einer Spende von 125 000 Dollar „bedankt“, seien falsch. „Die Geschichte ist nicht wahr. Es gab keine positive Probe, keine Bestechung des Labors und keine geheimen Treffen mit dem UCI-Chef“, sagt er auf Winfreys Frage.

Armstrong: unmöglich, Tour de France ohne Doping zu gewinnen

Aus Sicht des Ex-Profis war es in seiner aktiven Zeit unmöglich, die Tour de France ohne Doping zu gewinnen. Armstrong erweckte den Eindruck, der Missbrauch sei weit verbreitet gewesen, hütete sich aber davor, andere Fahrer zu belasten.

Reaktionen
"Zu wenig, zu spät"

Ob beim IOC, der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) oder den Stars der Tennis-Szene, die dieser Tage um den Sieg bei den Australian Open kämpfen: Ex-Radprofi Lance Armstrong muss nach seiner Doping-Beichte bei US-Talkerin Oprah Winfrey Kritik von allen Seiten einstecken.

Von großem Interesse wird in den nächsten Tagen sein, was Armstrong zu den mannigfachen Vorwürfen sagte, er habe Team-Kollegen  zum Doping gedrängt, ja gezwungen. „Nicht wahr“. Allenfalls laste er sich an, die „Doping-Kultur des Radsports nicht beendet zu haben“. Erfunden hätten sie andere.

Als Motiv für seinen fortgesetzten Betrug führte der Amerikaner einen „unbändigen Wunsch“ an, „um jeden Preis zu siegen“. Doping sei für ihn damals wie „Reifen aufpumpen“ gewesen.  Energisch wies er den Vorwurf der US-Doping-Agentur zurück, sein System sei das ausgeklügelste und umfassendste Doping-System in der Geschichte des Sports gewesen. Diesen Stellenwert verdiene dann doch das Doping-System der DDR.

„Ich war ein arrogantes Arschloch“

Ob er nie Sorge gehabt habe, dass alles auffliegt, wollte Winfrey wissen. „Ich war ein arrogantes Arschloch“, sagte Armstrong über sich. Hat es sich denn nie falsch angefühlt, zu dopen, wollte Winfrey noch einmal wissen. An dieser Stelle entwickelte sich ein bemerkenswertes Dialog. „Nein“, gab Armstrong zurück und fügte grinsend hinzu: „furchterregend“. Hatten Sie ein schlechtes Gewissen, setze die Moderatorin nach. „Nein“, antwortete Armstrong und ergäntze: „noch furchterregender“.

Hatten Sie nie das Gefühl, ein Betrüger zu sein. Erneut antwortete Armstrong mit einem klaren Nein. Und das sei „am furchterregendsten“. Warum, setzte Winfrey wieder nach, verklagte Lance Armstrong dann Menschen , darunter enge Wegbegleiter, von denen er wusste, dass sie mit ihren Doping-Enthüllungen Recht hatten? O-Ton: „Ich war ein Typ, der immer alles unter Kontrolle haben musste.“

Armstrong will sich bei Emma O'Reilly entschuldigen

Stellvertretend für viele entschuldigte sich Armstrong bei seiner früheren Masseurin Emma O'Reilly. Er hatte die Irin verklagt und mehrfach schwer beleidigt. Sie war einer der 26 Hauptbelastungszeugen, die in der Anklage der US-Anti-Doping-Agentur gegen Armstrong aufgeführt sind.

Doping bei der Tour

Von seinem Geständnis erwartet der Ex-Profi keine heilsame Wirkung. „Das war eine einzige große Lüge. Wenn es Leute gibt, die das hören und mir nie vergeben werden, verstehe ich das gut.  Ich werde den Rest des Lebens mit dem Versuch zubringen, Vertrauen zurückzugewinnen und mich bei den Leuten zu entschuldigen.“

Dirk Hautkapp



Kommentare
07.02.2013
10:18
Ex-Radprofi Armstrong beichtet Doping in Talk mit Oprah Winfrey
von ExWalsumer | #10

War doch eigentlich klar oder?

Und jeder, der sich die großen Radrennen anschaut, egal ob im TV oder Life unterstütz das Doping. Eigentlich ist doch jedem klar, dass das nicht ohne geht, abe rmanche wollens nicht wahr haben.

Davon ab, diese kleinen Rennen, wo die meisten Leute ohne Sponsoren oder so fahren, die kann man sich ruhig weiter anschauen.
Wenn man nichts dran verdient, sind auch die wenigsten so blöd ihre Gesundheit zu riskieren.

Bin mal gespannt wie alt die Armstrons und Ulrichs so werden.

18.01.2013
15:43
Ex-Radprofi Armstrong beichtet Doping in Talk mit Oprah Winfrey
von Nixlos | #9

Solange sportliche Wettkämpfe extrem kommerzialisiert werden und Niederlagen oder sogar zweite Plätze als Katastrophe und Weltuntergang etc. bezeichnet werden muss sich jeder Zuschauer auch an die eigene Nase fassen. Das entschuldigt kein Doping, aber die Zusammenhänge dürfen nicht aus den Augen gelassen werden.

18.01.2013
13:01
Ex-Radprofi Armstrong beichtet Doping in Talk mit Oprah Winfrey
von frankreinhard | #8

Wenn in den letzten 50 Jahren nur mal ein Schalker auf die Idee gekommen wäre, zu dopen, dann hätte ich auch schon eine Meisterschaft feiern können!

1 Antwort
Ex-Radprofi Armstrong beichtet Doping in Talk mit Oprah Winfrey
von moersLokal | #8-1

selbst zum dopen sind die schalker zu blöd ;-)

18.01.2013
12:31
Ex-Radprofi Armstrong beichtet Doping in Talk mit Oprah Winfrey
von Kronenschmeckt | #7

Ein deutscher Radprofi, der auch Doping gestanden hat, sagte, dass man ohne Doping keine Chance hat unter den ersten 100 der Tour mitzufahren. das sagt natürlich einiges aus.
Also wo setzt man den Hebel an? Denn anscheinend dopen ja alle.
Es gibt wahrscheinlich nur eine Möglichkeit.
Nämlich dass sich alle Sponsoren zurück ziehen und dadurch diesen Sumpf trocken legen.

18.01.2013
11:13
Ex-Radprofi Armstrong beichtet Doping in Talk mit Oprah Winfrey
von EduardM | #6

Wer glaubt eigentlich, das die anderen Sportarten dopingfrei sind. Da wird genauso gedopt wie überall in dieser Gesellschaft.

Das was ich Armstrong tatsächlich vorwerfe ist sein System, das er andere zwang mitzumachen, das er jeden, der sich weigerte, jeden der aussteigen wollte zerstörte, das er gemeinsam mit dem Weltverband ein mafiöses System aufbaute.

18.01.2013
11:01
Ex-Radprofi Armstrong beichtet Doping in Talk mit Oprah Winfrey
von Dr.Seltsam | #5

Training dient auch der Leistungssteigerung..
Legal, illegal, moralisch oder unmoralisch.. Das ist doch willkürlich.
Das ganze Thema Doping ist doch nur geheuchelt.

18.01.2013
09:14
Ex-Radprofi Armstrong legt bei Oprah Doping-Beichte ab
von Grom | #4

Mit dieser ganzen medialen Aufmerksamkeit, hilft die Presse dem Kerl auch noch, aus seinen Betrügereien maximalen Profit zu schlagen. Sehr gut, wirklich sehr gut.

18.01.2013
09:01
Ex-Radprofi Armstrong legt bei Oprah Doping-Beichte ab
von Nebukadnezar | #3

.

Eine Beichte sieht anders aus. Erst wenn der Sumpf von Doping trockengelegt ist, gibt es wieder einen fairen Wettkampf.

Und wer denkt und entschuldigt sich bei den ehrlichen Sportlern, die um ihre Erfolge betrogen wurden ??

.

18.01.2013
08:12
Ex-Radprofi Armstrong legt bei Oprah Doping-Beichte ab
von gudelia | #2

Das war nichts! Eine Anreihung von Aussagen um die Strafe so klein wie möglich zu halten. Ich sehe da Parallelen zu weit Schlimmeren. Den kann man abhaken, nur ein kleines Würstchen in einer Fleischfabrik.

18.01.2013
07:16
Ex-Radprofi Armstrong legt bei Oprah Doping-Beichte ab
von Meinemal | #1

Eigentlich soll man Sport treiben, um vom Drogenkonsum wegzukommen. Nun scheint es so, dass man "erfolgreichen Sport" nur treiben kann, wenn man Drogen einnimmt. Verkehrte Welt, aber die Medien wollen es ja wohl so!

1 Antwort
Ex-Radprofi Armstrong legt bei Oprah Doping-Beichte ab
von buntspecht2 | #1-1

#1Natürlich haben sie recht denn jetzt ist die Tour de France langweilig geworden und damit uninteressant.

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