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Ex-Gerolsteiner-Teamchef Holczer belastet Teamarzt Schmidt

18.04.2013 | 18:05 Uhr
Ex-Gerolsteiner-Teamchef Holczer belastet Teamarzt Schmidt
Michael Holczer, ehemaliger Teamchef des Gerolsteiner-Rennstalls, sagte vor dem Stuttgarter Landgericht ein weiteres Mal aus.Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Stuttgart.  Die Zeugenaussage des Ex-Teamchefs Holczer im Betrugsprozess gegen Radprofi Schumacher dauerte vor dem Landgericht Stuttgart mehrere Stunden. Er leugnete eine von Schumacher behauptete Mitwisserschaft der Doping-Praktiken im Team und belastete Teamarzt Schmidt.

Ein Auftritt hat nicht gereicht. Ex-Teamchef Hans-Michael Holczer muss im Betrugsprozess gegen den Radprofi Stefan Schumacher vor der 16. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart ein zweites Mal aussagen. Am kommenden Dienstag wird sich der 59 Jahre alte Lehrer den Fragen der Schumacher-Verteidigung und des Staatsanwaltes stellen.

Die erste Holczer-Anhörung am zweiten Prozesstag dauerte am Donnerstag mehrere Stunden. Dabei zeigte sich der Ex-Teamchef bestens vorbereitet und angriffslustig. Er blieb bei seiner Marschroute, nicht von den Dopingpraktiken in seiner früheren Gerolsteiner-Mannschaft gewusst zu haben. "Ich war 2008 beseelt davon und überzeugt davon, dass wir das Dopingthema wegbekommen", sagte der rhetorisch geschulte Holczer. Vom Blutdopingmittel CERA, mit dem seine Fahrer Schumacher und Bernhard Kohl 2008 aufgeflogen waren, hätte er im Juli 2008 "zum ersten Mal" gehört.

Schmidt macht Zeugnisverweigerungsrecht geltend

Gleichzeitig belastete der Geschichts- und Mathematiklehrer seinen früheren Teamarzt Mark Schmidt schwer. "Bernhard Kohl hat mir geradezu Unglaubliches erzählt über Mark Schmidt", sagte Holczer über angebliche Beschuldigungen seines ehemaligen Fahrers an die Adresse Schmidts. "Die deutlichen Worte haben mich gefreut", sagte Schumacher-Anwalt Dieter Rössner der Nachrichtenagentur dpa.

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Der Mediziner sollte am 30. April in Stuttgart aussagen, machte aber sein Zeugnisverweigerungsrecht geltend. Schmidt habe laut Holczer dem geständigen Doper und längst überführten Ex-Profi Kohl eine Zentrifuge und ein Hotelzimmer für Dopingpraktiken während der Tour de France 2008 zur Verfügung gestellt. Auch Kohl werde nicht in Stuttgart als Zeuge erscheinen, teilte Richter Martin Friedrich mit. Der Österreicher sei bereit, in seinem Heimatland auszusagen.

Holczer bezeichnete Schumacher als Lügner. "Das ist vollkommen gelogen", sagte der Ex-Teamchef zu Schumachers Behauptungen, sein Ex-Chef habe ihn mehrmals indirekt auf Doping angesprochen . "Blank erfunden", nannte Holczer zudem Details der Schumacher-Aussagen zum Thema Mitwisserschaft der illegalen Praktiken. Der ehemalige Teamchef verneinte, wie von Schumacher behauptet, falsch ausgestellte Kortison-Atteste durch die Ärzte gebilligt zu haben.

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