Lebenswandel : Ein Banker im Bootcamp
Düsseldorf. Es geht quer durch versteckte Seitenstraßen. Das Ziel: ein Bootcamp. Hier daddeln sich eSportler für große Turniere ein. Mittendrin steckt Stefan Wuttge. Sein Wechsel vom Geldinstitut in die Selbstständigkeit hat sich ausgezahlt.
Einige Minuten vom Bahnhof entfernt hängt ein Schild an einem eher unscheinbaren Gebäude: „Atomik“. Von Außen weist wenig auf ein Zocker-Trainingslager hin. Keine großen Schaufenster, keine protzige Außenwerbung. Nur ein schmaler Eingang deutet darauf hin, hier an der richtigen Adresse gelandet zu sein. Skeptische Blicke sind programmiert, aber irgendwo führt tatsächlich eine Treppe aufwärts. Und eh man sich versieht steht man mittendrin – im Bootcamp für eSportler.
Grelles Licht auf Monitoren? Passt nicht!
Zunächst wirkt die Umgebung wie ein stinknormales Internetcafé. Doch bereits der zweite Blick ändert den Eindruck: Kaum einer surft hier im weltweiten Netz. Auf den Monitoren knallt es gewaltig: Vornehmlich Counter-Strike oder Warcraft – aber auch Fifa 08 und andere angesagte Games.
Ganz hinten in einer Ecke sitzt Stefan Wuttge. Die Schreibtischlampe ermöglicht ihm die Sicht auf allerlei Papierkram. Große Festbeleuchtung findet man im Raum nämlich nicht. Grelles Licht und Monitore? „Nee, passt nicht.“ Während an den Rechnern reihenweise eifrig geklickt wird, schellt bei Stefan Wuttge das Telefon in einer Tour. Ihm gehört der Laden. Der Hausherr ist zudem an dem Lieferservice „Die Versorger“ beteiligt. Seine Jungs bringen bis tief in die Nacht auf Nachfrage Getränke und anderen Party-Schnickschnack ins Haus. Alles das muss gemanagt werden.
Der 32-Jährige hat für sich die richtige Wahl getroffen, als er vor Jahren den soliden Bankjob kündigte. „Das war nicht meine Welt“, sagt er und lehnt sich zurück. Eine neue Idee musste her. Und mitten in Düsseldorf, wo die Miete erschwinglich war, entstand ein Internetcafé. Daraus resultierte schnell die nächste Idee: Ein Trainingscamp für eSportler.
Beruf und Berufung
Die Verbindung zu Spielekisten kam nicht zwangsläufig, hatte aber dennoch Wurzeln. „Ich bin in der Atari-Zeit aufgewachsen, hatte natürlich einen C64 und so weiter…“ Was damals Hobby war, ist heute Beruf und Berufung. Selbst zu spielen, ist jedoch nur noch drin, wenn die Zeit es zulässt. Vornehmlich Counter-Strike, für „ein oder zwei Stunden“ - mehr lässt der Terminplan des Selbstständigen nicht zu. „Wenn ich meinen Administrator dagegen vor den Monitor setze, bekomme ich den gar nicht mehr vom Bildschirm weg.“
Angefangen hat Wuttge in der Game-Welt mit zehn Rechnern. „Davon waren noch zwei dabei, die mir selbst gehörten.“ Nachgerüstet wurde, sobald neue Kohle in die Kasse kam. Erst durch Lan-Partys, dann mit World of Warcraft-Nächten. Wuttge: „Die Zahl der Rechner mussten wir daher stetig erhöhen.“
Die großen Clans waren schon da
Nun ist er Chef-Commander im Bootcamp. Aber was ist ein Bootcamp eigentlich genau? „Hier treffen sich die Clans zum ausführlichen Training. Speziell vor den Finals der Electronic Sports League in Köln sind wir total ausgebucht.“ Dann müssen die professionellen Computersportler schon mal auf eine Warteliste. Sie nehmen es in Kauf, in der Regel ohne zu murren. Training ist vor Ligaspielen und Turnieren eine Sache des Kollektivs. Die großen Clans waren allesamt schon da: n!faculty, nGize, SK Gaming. Wuttge: „Die koreanische Warcraft 3-Elite hat sich bei uns auf ihre Spiele in Köln vorbereitet.“
In einem Nebenraum des Internetcafés haben die eSportler ihr eigenes Reich. Meistens bleiben sie für die Vorbereitung ein ganzes Wochenende. „In der Regel übernachten die Jungs dann hier.“ Bisher funktioniert das noch recht pragmatisch – mit der Isomatte und Pizzaservice. „Wir wollen aber noch Duschen und eine größere Küche ergänzen.“ 280 Euro kostet ein Wochenende für bis zu acht Leuten. Monitore oder Tastaturen können auch angemietet werden.
Duschkabinen werden nachgerüstet
Zielgruppe sind übrigens nicht nur Jungspunde, allein schon weil der Zutritt erst ab 16 Jahren gestattet ist. Auch ältere Daddel-Freunde treffen sich hier schon mal nach der Arbeit zum gepflegten Zocken.
Los ist im Laden eigentlich immer was. „Am vollsten ist es bei uns in der Nacht“, sagt Stefan Wuttge. Auch wochentags sind die Türen bis sechs Uhr morgens geöffnet. Etwas andere Öffnungszeit als bei der Bank gibt es bei Atomik dann doch.
















3 Kommentare
War schon dort, ist sehr nett!!
Coole Entscheidung sowas zu machen. Typen die sich auch mal trauen was anzupacken sollte es viel häufiger geben. Nur die Mutigen werden belohnt!
Da würd ich auch gern mal hin...