„Es ist noch nicht fünf vor zwölf“

Essen..  Alle rätseln, wie der BVB in einen Abstiegsstrudel geraten konnte. Jürgen Kuhl, Sportpsychologe am Olympiastützpunkt Essen, hat einen Ansatz.

Was sind die Ursachen für die Krise?

Die Dortmunder haben sich zu früh auf eine Abstiegskampfdiskussion eingelassen. Jetzt haben wir eine kritische Situation, aber es ist noch nicht fünf vor zwölf. Wenn jedoch der Sturm so richtig weht, braucht man Führungsspieler. Mats Hummels hat den Anspruch, ein solcher zu sein, er hat aber zurzeit nicht die Stabilität. Und wenn Sie hinten instabil stehen, setzt sich das vorne fort.

Wie helfen Jürgen Klopps Durchhalteparolen?

Ich halte ihn für einen richtig guten Trainer. Nur ist momentan auch in seiner Authentizität eine gehörige Portion Verunsicherung zu spüren. Das Problem ist: Wenn man häufig vor einer Mannschaft gesagt hat, heute drehen wir den Spieß um, dann fräst sich bei Spielern der Gedanke ein: Das haben wir beim letzten Mal auch gehört... Aber letztlich ist es die einzige Strategie, die hilft. An eigenen Fähigkeiten zu zweifeln, ist hochproblematisch.

Fehlen also doch wieder die Typen, die die anderen Spieler mitreißen...

Es rächt sich auf jeden Fall die Struktur: Wenn Sie jemanden haben, der gerade seine Wackler hat, ist es schwer, die Sicherheit ins Team hereinzubekommen. Dann braucht man schon zwei, drei Leute, die mal laut werden und Dampf nach dem Spiel machen. Mir ist es beim BVB auf dem Feld zu leise.