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Entthront, gesperrt und verarmt

09.10.2007 | 00:00 Uhr

Doping-Sünderin Marion Jones hat ihre fünf olympischen Medaillen von Sydney abgeben müssen.Auch die US-Sprintstaffel soll auf ihr Gold verzichten. Millionen-Vermögen ist weg

Boston. Drei Tage nach ihrem Doping-Geständnis ist die dreimalige Olympiasiegerin Marion Jones endgültig als Sprint-Königin entthront worden: Sie hat ihre bei den Sommerspielen in Sydney gewonnenen drei Gold- und zwei Bronzemedaillen abgegeben. Zudem hat die amerikanische Sprinterin der Streichung ihrer Resultate rückwirkend bis zum 1. September 2000 zugestimmt und eine zweijährige Dopingsperre akzeptiert. Wie das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) in einer Telefonkonferenz mitteilte, wurde das Edelmetall von Mitarbeitern der amerikanischen Anti-Doping-Agentur im Haus von Marion Jones' in Austin/Texas abgeholt und zur USOC-Zentrale nach Colorado Springs gebracht.

"Wir haben getan, was wir konnten. Die Betrügerin ist gefasst, die Medaillen sind in unserem Besitz und wir werden sie jetzt dem Internationalen Olympischen Komitee zurückbringen", sagte USOC- Geschäftsführer Jim Scherr. Gemäß ihrer Statuten können das IOC und der Leichtathletik-Weltverband IAAF bei Dopingvergehen gewonnene Medaillen acht Jahre rückwirkend aberkennen und Resultate streichen. Somit droht Jones auch der Verlust ihrer fünf Weltmeisterschafts-Plaketten, darunter drei goldene, die sie bei den Titelkämpfen 1999 in Sevilla und 2001 in Edmonton gewonnen hat. Die 1997 in Athen errungenen beiden Goldmedaillen könnte sie hingegen behalten.

Die IAAF kann laut eigener Satzung nach festgestellten Doping-Vergehen zudem sämtliche Preis- und Antrittsgelder von Athleten zurückfordern. Scherr kündigte an, dass das USOC im Fall Jones darauf dringen werde. Nach US-Medienberichten steckt die 31-Jährige, die einst Millionen ersprintete, jedoch in finanziellen Schwierigkeiten. Sie hatte im Juni nur ein Bargeldvermögen von 2000 Dollar angegeben. Die zweijährige Dopingsperre wird die sportliche Karriere der Kalifornierin nicht mehr beeinflussen, da sie nach ihrem Geständnis vor einem New Yorker Gericht das Ende ihrer Laufbahn verkündete. Sie gab zu, von September 2000 bis Juli 2001 mit Steroiden gedopt zu haben und widersprach somit ihren Aussagen aus dem November 2003, als sie bei einer Anhörung im Zuge der Balco-Untersuchungen jeglichen Dopingmissbrauch bestritten hatte.

Die einst beste Sprinterin der Welt bekannte sich zudem schuldig, 2005 im Zusammenhang mit einem Scheck-Betrug die Untersuchungsbehörden belogen zu haben. Wegen Falschaussage in zwei Fällen drohen ihr eine Geldstrafe bis zu 500 000 Dollar und zehn Jahre Gefängnis. Das Urteil soll am 11. Januar 2008 bekanntgegeben werden.

Bei der Sommerspielen von Sydney 2000 gewann Marion Jones Gold über die 100 Meter und die 200 Meter sowie mit der 4x100-Meter-Staffel der USA, die nun vom Nationalen Olympischen Komitee gleichfalls aufgefordert wurde, das Gold zurückzugeben. USOC-Präsident Peter Ueberroth und Geschäftsführer Scherr betonten, dass sie das IOC bei der Annullierung der Staffelergebnisse unterstützen würden, zumal mit Chrystie Gaines und Torri Edwards zwei Sprinterinnen beteiligt waren, die nach Sydney ebenfalls des Dopings überführt wurden: "Wir sind der Meinung, wenn ein Wettkampf auf unfaire Weise gewonnen wurde, sollte der dafür errungene Preis zurückgegeben werden. Und die Staffeln wurden nun einmal mit unfairen Mitteln gewonnen."

Die Annullierung der Ergebnisse von Marion Jones hat allerdings auch groteske Folgen. Denn nachträglich wird Ekaterina Thanou zur 100-Meter-Olympiasiegerin von Sydney erklärt - eben jene Griechin, die seit einer verpassten Doping-Kontrolle am Vorabend der Spiele 2004 in Athen selbst unter Verdacht steht, illegale Mittel genommen zu haben. Sie wurde bereits zwei Jahre gesperrt. "Wir müssen beunruhigt darüber sein, ob alle immer auf dem gleichen Level und nach den gleichen Regeln spielen", sagte Ueberroth, "aber wir haben keinen Einfluss darauf."

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