Enttäuschende Rückkehr
18.09.2008 | 23:15 Uhr 2008-09-18T23:15:05+0200Borussia Dortmunds erster Auftritt auf der internationalen Bühne nach fünf Jahren endet mit einem 0:2 gegen Udinese Calcio. Jürgen Klopps Warnungen wurden offenbar überhört. Auch mit Frei kam die Wende nicht
Dortmund. Borussia Dortmund hat bei der sehnsüchtig erwarteten Rückkehr auf die internationale Bühne den ersten Akt nicht wie von den Fans erhofft als Lust-, sondern als Trauerspiel inszeniert. Im Hinspiel der ersten Runde des Uefa-Cups fuhr Udinese Calcio, der Tabellensiebte aus Italien, mit eiskaltem Konterfußball einen 2:0-Auswärtssieg ein. Die Hoffnungen der Borussen auf das Erreichen der lukrativen Gruppenphase sind damit ins Reich der Träume abgedriftet.
Beide Trainer hatten ihren jeweils besten Stürmer auf der Bank gelassen. Jürgen Klopp hatte mit Alex Frei, der nach seiner langen Verletzungspause noch keine Kraft für 90 Minuten hatte, eine Jokerrolle vereinbart. Pasquale Marino hingegen verzichtete notgedrungen auf Nationalstürmer Antonio di Natale, dem eine Grippe die Energie nahm.
Dass Udinese Calcio auch ohne den Top-Angreifer auskommen kann, bewiesen die Italiener bereits gleich zu Anfang. Schon in der zweiten Minute hätten sie in Führung gehen müssen, als BVB-Rechtsverteidiger Antonio Rukavina patzte, Alexis Sanchez-Sanchez jedoch das Überzahlspiel egoistisch abschloss und den Ball am Tor von Weidenfeller vorbei schob.
Jürgen Klopp sah sich schon früh bestätigt. Er hatte davor gewarnt, dass dieser Gegner das perfekte Umschalten von Abwehr auf Angriff beherrscht. Hatte auch jemand zugehört?
Als schon in der achten Minute Mohamed Zidan verletzt vom Platz getragen musste, wurde der folgende Freistoß dem BVB zum Verhängnis. Die Italiener wehrten den von Tamas Hajnal in den Strafraum geschlagenen Ball ab und leiteten ihn direkt in einen Konter um: ein Steilpass, dazu schlechtes Stellungsspiel der BVB-Abwehr - Antonio Floro-Flores behielt die Nerven und netzte eiskalt ein. Alles durfte passieren - nur das nicht. Sind italienische Mannschaften, die auswärts in Führung gingen, eigentlich jemals noch bezwungen worden? Natürlich gab es Ausnahmen, aber das Fußballgefühl sagt: nie.
Klopp reagierte, brachte Tinga für Zidan und stellte damit das System um. Er verstärkte das Mittelfeld - wohl auch, um die klugen Pässe auf die italienischen Angreifer früher zu unterbinden. Es nutzte wenig. Denn zum unklugen Verhalten gesellte sich auch noch Pech. Mats Hummels verletzte sich, Felipe Santana musste den Innenverteidiger ersetzen. Da waren erst 23 Minuten gespielt.
Der BVB mühte sich ab, es fehlte ihm jedoch jegliches Durchsetzungsvermögen. Und wenn dann mal ein Schuss von Florian Kringe oder ein Schlenzer von Tamas Hajnal aufs Tor kamen, machte sich Torwart Samir Handanovic vorbildlich lang.
Auf der anderen Seite musste auch Roman Weidenfeller nach Fehlern des eingewechselten Felipe Santana zweimal kräftig mithelfen, um die Vorstellung nicht peinlich werden zu lassen. In der 35. Minute aber war er machtlos: Gökhan Inler ließ ihm keine Chance. 0:2, der K.o.
52 400 Zuschauer sahen, wie die Borussen sich in der zweiten Halbzeit quälten, um vor das Tor der Italiener zu kommen. Als Roman Weidenfeller es aus unerklärlichen Gründen versäumte, aus dem Tor zu laufen, hätten sie sich beinahe sogar ein drittes Kontertor eingefangen. Alexis Sanchez-Sanchez aber verhaspelte sich erneut, den Nachschuss von Gaetano D#1#2Agostino kratzte Felipe Santana kurz vor der Linie weg.
In der 62. Minute warf Jürgen Klopp den Hoffnungsträger ins Rennen, endlich kam Alexander Frei. Doch das Ding war längst verloren. Zweimal in einer Woche spielt man nicht gegen Mannschaften, die eine klare Führung in Dortmund noch leichtsinnig und überheblich verschenken.

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