Trainer-Rausschmiss

Entlassener Stuttgart-Coach Labbadia steht sich selbst im Weg

Foto: Bongarts/Getty Images

Nach Hamburg und Leverkusen kann Bruno Labbadia nun auch den VfB Stuttgart zu den Ex-Klubs seiner Trainer Karriere zählen. An der ersten Trainer-Entlassung der Saison trägt auch zu diesem frühen Zeitpunkt der Fußball-Bundesliga nicht nur der VfB Stuttgart die Schuld. Ein Kommentar von Klaus Wille.

Essen.. Zur Zeit lächelt Fredi Bobic von überall her die Menschen an. Der Sportdirektor des VfB wirbt in Stuttgart für Busse und Bahnen. Dummerweise mit einem Slogan, der nicht zündet. Sinngemäß lautet er: Lieber auf dem Platz als in Flensburg punkten. Nun ist es aber so, dass der VfB nach drei Spieltagen ohne Punkt auf einem Abstiegsplatz steht. Und deshalb früh, ganz früh in der Saison seinen Trainer Bruno Labbadia entlassen hat.

VfB Stuttgart zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Dieser Rauswurf ist eine zweischneidige Sache. Labbadias Vorgänger Armin Veh, Markus Babbel, Christian Gross und Jens Keller haben schon die Erfahrung gemacht, dass es mit der Geduld in Stuttgart nicht weit her ist, jeder von ihnen musste schon in der Hinrunde gehen.

Der Standort krankt, ähnlich wie Hamburg, an einem Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Fredi Bobic und der neue Präsident Bernd Wahler entwerfen oft und gerne in bunten Farben große, visionäre Bilder. Die Realität ist eine andere, mausgraue.

Das alles macht es an diesem Standort nicht leicht, aber die Schuld am frühen Aus einzig beim Verein abzuladen, greift zu kurz. Bruno Labbadia hat in seinen zweieinhalb Jahren als VfB-Coach eine Reihe von Krisen durchstehen müssen, bei denen sich die Vorwürfe glichen: Die Mannschaft entwickelt sich nicht weiter, es ist keine Spielidee zu erkennen, es fehlt Fördern und Fordern der Jungen.

Labbadia hat die Grenze zur Geringschätzung überschritten

Entscheidend aber war, dass Labbadia in Stuttgart schon länger als Bremser wahrgenommen wurde, als einer, der die Grenze vom beinharten Realisten zum freudlosen Kleinredner überschritten hat. Bobic hat das Team vor der Saison verstärkt, Labbadias Reaktion war wenig mehr als öffentliche Geringschätzung.

Und da Bruno Labbadia zuvor in Hamburg und Leverkusen auf ähnliche Weise gescheitert ist, drängt sich ein Eindruck auf: Da steht sich einer selbst im Weg.

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