Emotionales Volleyball-Wiedersehen mit Trainer Guidetti

Erst in den Katakomben angekommen konnte Giovanni Guidetti das brisante Duell mit seinen früheren Schützlingen ein wenig genießen. Der langjährige Erfolgscoach von Deutschlands Volleyballerinnen musste beim ersten Wiedersehen bei den Europaspielen eine klare Niederlage einstecken.

Baku.. Danach nahm der neue Trainer der Niederlande dennoch freudig seine ehemalige Außenangreiferin Maren Brinker an die Hand.

"Diesen Mädels habe ich zu verdanken, wie ich als Coach geworden bin - und auch als Mensch", schwärmte der Italiener nach dem klaren 0:3 von seinen mehr als acht Jahren als Bundestrainer. "Wir haben gelernt, zusammen Volleyball zu spielen, wir haben aber auch zusammen die Welt kennengelernt."

Zwei EM-Silbermedaillen holte er mit der DVV-Auswahl. Bei der WM 2014 in seiner Heimat Italien aber gab es nur Rang neun, die Ära des impulsiven Trainers endete mit deutlichen Misstönen. Im Januar machte der deutsche Verband einen Vertrauensverlust zwischen Coach und Team aus, Guidetti musste gehen.

Führungsfiguren wie Margareta Kozuch äußerten sich an Bakus Küste eher reserviert über das Rendezvous auf internationaler Bühne. "Wir waren schon konzentriert auf uns, egal was auf der anderen Seite passiert", sagte die Kapitänin. "Das ist der Gegner und der heißt Gegner und nicht Giovanni Guidetti."

Beide Seiten konnten jedoch die besondere Bedeutung nicht verhehlen. Als ihm eine Entscheidung der Offiziellen gegen Ende des dritten Satzes nicht gefiel, donnerte Guidetti sein auf eine Taktiktafel montiertes Tablet zu Boden. "Das sind die Emotionen, die wir von ihm kennen", berichtete Brinker mit einem Lächeln. "Es war auf jeden Fall einige Brisanz im Spiel." Unter anderem diese aufbrausende, fordernde Art soll zu Meinungsverschiedenheiten mit dem Team geführt haben.

Dennoch dachte auch die 28-Jährige Brinker gerne an die "super besondere Zeit" zurück: "Ich werde sie nie vergessen, er hat mich zu dem gemacht, was ich bin." In Landsmann Luciano Pedullà hat nun ein Gegenentwurf übernommen. Während Guidetti (42) gestikulierend durch die Coaching Zone tigerte, verhaarte sein grauhaariger Kollege (57) meist mit verschränkten Armen an der Seitenlinie. "Er ist sehr viel ruhiger und entspannter", berichtete Brinker von der Art Pedullàs. "Das tut uns vielleicht mal gut, eine Abwechslung zu haben."

Nach einem knappen Auftaktsieg über Bulgarien und einer Niederlage gegen Serbien wirkt das deutsche Team endgültig im stark besetzten Turnier angekommen. Die DVV-Auswahl liegt mit fünf Punkten nur noch einen Zähler hinter den Niederländerinnen und auf Kurs Viertelfinale.

Nach den Europaspielen folgt auf dem erhofften Weg zu Olympia der Grand Prix im Juli, im Herbst steht die EM in Belgien und den Niederlanden (26. September bis 4. Oktober) an. Dann könnten nach dem ersten offiziellen Spiel gegen Guidetti "mit Beigeschmack", wie es Mareen Apitz formulierte, auch weitere Duelle mit Oranje anstehen. "Da kommen noch mehr in diesem Sommer", blickte die Zuspielerin voraus, "und auch noch ganz viel wichtigere."