Elfmeter

Vor der Ausführung eines Elfmeters, das weiß jeder Fußballer (und jede Fußballerin), sollte man sich möglichst wenige Gedanken machen. Anlaufen. Ecke aussuchen. Schießen. Jubeln. So in etwa sollte es aussehen.

Vorbildlich machte es jüngst die Engländerin Leah Williamson beim U19-EM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen. Ganz kühl behielt sie in der sechsten Minute der Nachspielzeit die Nerven und traf zum vermeintlichen 2:2-Ausgleich.

Vermeintlich, weil die deutsche Schiedsrichterin, Marija Kurtes, scheinbar etwas dagegen hatte. Eine englische Spielerin war zu früh in den Strafraum gelaufen, weswegen der Treffer nicht zählte. So weit, so korrekt. Anstatt richtigerweise den Strafstoß wiederholen zu lassen, entschied Kurtes allerdings auf Freistoß für Norwegen. Alle Proteste der Britinnen blieben erfolglos und 18 Sekunden später beendete die Unparteiische die Partie beim Stand von 2:1.

Nun traf die UEFA eine historische Entscheidung: Erstmals wurde ein Spiel wegen eines Schiedsrichter-Fehlers ab dem Moment der Fehlentscheidung wiederholt. So mussten beide Teams gestern am späten Abend noch einmal in Belfast antreten, um die letzten 18 Sekunden zu wiederholen, los ging es natürlich mit dem Elfmeter für die Mädels aus England.

Davon, dass sich Williamson in der Zeit zuvor keine Gedanken gemacht hat, wohin sie schießen will, ist freilich nicht wirklich auszugehen. Für wen das ein Vorteil war, blieb abzuwarten.