Jari Pasanen will mit den Iserlohn Roosters ins Halbfinale

Roosters-Trainer Jari Pasanen während des sechsten Spiels.
Roosters-Trainer Jari Pasanen während des sechsten Spiels.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Am Dienstagabend kann ein Traum der Iserlohn Roosters beim ERC Ingolstadt wahr werden. Noch nie stand der Klub unter den besten vier Teams der DEL.

Iserlohn.. Jari Pasanen schmunzelt, als er an den Augenblick erinnert wird, in dem eine volle Becher-Ladung Bier seinen grauen Mantel traf. Vier Sekunden waren am vergangenen Freitag noch zu spielen, die Iserlohn Roosters hatten gerade den Ausgleich beim ERC Ingolstadt erzielt. „Hinter uns meinten Fans, sie müssten ausflippen“, erzählt Pasanen leicht amüsiert, „da musste ich eingreifen.“ Heißt: Der Trainer der Roosters lieferte sich ein Wortgefecht mit dem bayrischen Anhang - an dessen Ende sein Mantel nass war. „Aber okay“, sagt er, „das gehört dazu. Außerdem war es früher in Bremerhaven oder so viel schlimmer, dort kippten sie eimerweise Bier auf uns.“

An diesem Dienstagabend dürfte der gebürtige Finne eine solche Dusche noch lockerer sehen, obwohl er stark erkältet ist und eher ins Bett als an die Bande einer Eisfläche gehört. Sie wäre der Ausdruck enormen Frusts beim amtierenden deutschen Meister und ein Indiz für den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte der Sauerländer.

Playoffs

Eine unscheinbare Karriere

Um 19.30 Uhr (live bei Servus TV) treffen sich der ERC und die Roosters zum Finale im Viertelfinale, zum entscheidenden siebten Spiel dieser Play-off-Serie. Der Sieger zieht ab Freitag in das Halbfinale gegen Hamburg Freezers oder Düsseldorfer EG ein, der Verlierer verabschiedet sich in den Urlaub.

„Wir sind noch nicht urlaubsreif“, sagt Jari Pasanen. Und: „Wir können etwas ganz Besonderes schaffen.“ Der Halbfinal-Einzug wäre nicht nur für den Klub ein Höhepunkt, sondern auch für den gebürtigen Finnen, der seit fast eineinhalb Jahren die sportliche Verantwortung trägt. „Ohne seinen Vorgängern zu nahe treten zu wollen, aber Jari ist unser erfolgreichster Trainer“, sagt Roosters-Boss Wolfgang Brück.

Nachdem Pasanen die Mannschaft nach der Trennung von Doug Mason übernahm, führte er sie trotz einer anfänglichen Niederlagen-Serie bis ins Play-off-Viertelfinale, welches erst nach großartigem Kampf mit 2:4 gegen die Hamburg Freezers verloren ging. Nun stehen die Roosters erstmals zum zweiten Mal in Folge in den Play-offs und sind lediglich einen Sieg vom Halbfinale entfernt.

Dank Pasanen? „Ihm gebührt sicherlich ein großer Anteil an diesem Erfolg“, antwortet Brück.

Spielbericht Aber: Wer ist dieser Jari Pasanen? Und wie pflanzte er Iserlohn ohne exorbitant gesteigerte finanzielle Mittel das Erfolgs-Gen ein?

Im südostfinnischen Imatra an der Grenze zu Russland wird Pasanen am 19. August 1964 geboren. Bei seinem Heimatklub Ketterä Imatra beginnt er eine Eishockey-Karriere, die ihn über Nordamerika nach Deutschland führt und eher unscheinbar verläuft. Bis er im Oktober 2013 vom „Co“ zum Cheftrainer der Roosters aufsteigt. Bei denen hatte er sich 2012 selbst als Assistenz-Trainer angeboten, um nach der Station Moskitos Essen neue Eindrücke zu erhalten. „Hoffentlich kann ich einiges zurückgeben“, sagte Pasanen damals.

Er kann. „Wir hatten keine zwei, drei Kandidaten in der Hinterhand, als wir uns von Doug trennten“, sagt Wolfgang Brück. Also gehen die Roosters ins Risiko und befördern den Familienvater, der in Essen wohnt. Ein Glücksgriff - was sich aber erst herausstellt, als Pasanen in seine Rolle hineinwächst und mit Jamie Bartman einen festen „Co“ zur Seite bekommt.

Pasanen ein System-Tüftler

Denn das macht ihn aus, den stets hart arbeitenden und besonnen agierenden Pasanen, dessen Vertrag bis 2016 gilt: Sein Faible für Krafttraining, seine taktische Kompetenz - und seine Teamfähigkeit. „Außerdem ist er experimentierfreudig, ein System-Tüftler“, sagt Christian Hommel, Ex-Spieler der Roosters. Er verrät zudem, dass Pasanen ein zweites, weniger öffentliches Gesicht besitzt. „Je nach Situation kann er auch aus der Haut fahren.“ In der Kabine in Richtung seiner Spieler. Oder auf der Bank. In Richtung der gegnerischen Fans. Aber nur, wenn es sein muss.