Jari Pasanen warnt Iserlohn Roosters: Bescheiden bleiben

Roosters-Trainer Jari Pasanen mahnt seine Spieler zur Bescheidenheit.
Roosters-Trainer Jari Pasanen mahnt seine Spieler zur Bescheidenheit.
Foto: Jakob Studnar / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Sieben Spiele noch, dann stehen die Teilnehmer an den Play-offs in der DEL endgültig fest. Die Iserlohn Roosters haben als Fünfter gute Aussichten.

Iserlohn.. Fast täglich schaut Wolfgang Brück in der Geschäftsstelle der Iserlohn Roosters am Seilersee vorbei. Fast täglich trifft der Geschäftsführende Gesellschafter des Klubs aus der Deutschen Eishockey Liga dort nicht auf euphorische Menschenmassen, die sich in einer langen Schlange anstellen, um Eintrittskarten zu ergattern. Als die Roosters vor gut einem Jahr im Viertelfinale der Play-offs an den Hamburg Freezers scheiterten, war dies zuletzt der Fall. Trotzdem sagt Wolfgang Brück: „Die Fans bringen sich in Position.“

Nicht etwa für den mit dem Heimspiel am Freitagabend (19.30 Uhr) gegen den EHC Red Bull München beginnenden Sieben-Spiele-Schlussspurt der Hauptrunde sorgen die Anhänger der Sauerländer vor. Sie eröffnen bereits den Kampf um Tickets für eventuelle Heimspiele in den diesjährigen Play-offs und werden Mitglied bei den Iserlohn Roosters - mit besonderen Rechten und Vorteilen beim Kartenerwerb. „Wir haben in den vergangenen zwei Monaten gut 300 neue Mitglieder begrüßen dürfen“, erzählt Brück. Damit bewegen sich die Roosters mehr und mehr auf die Marke 1500 zu.

Der beste Sturm der Liga

Der Grund für die langsam keimende Euphorie liegt auf der Hand: Auf Tabellenplatz fünf steht die Truppe von Trainer Jari Pasanen nach 45 Spieltagen und schaut auf den bislang besten Saisonverlauf in der DEL-Geschichte der Sauerländer zurück. „2008 waren wir in einer ähnlichen Position“, sagt Wolfgang Brück und erinnert sich an eine Roosters-Mannschaft, die ähnlich erfolgreich agierte wie die aktuelle. „Der Unterschied ist, dass wir in dieser Serie trotz einiger Ausfälle immer noch vier sehr gute Reihen auf das Eis bringen können“, erklärt der Klub-Boss, „und dass die Jungs sehr spektakuläres Eishockey bieten.“

Sehr spektakulär, weil sehr torreich. Mit 158 erzielten Treffern stellen die Roosters vor dem amtierenden deutschen Meister ERC Ingolstadt und dem aktuellen Tabellenführer Adler Mannheim den besten Sturm der Liga. Der Hauptgrund für den Höhenflug ist für Trainer Jari Pasanen neben den Zusammensetzung des Kaders aber die Fitness seiner Spieler.

Felix Magath des Eishockeys?

„Wir haben weniger Muskelverletzungen als andere Teams und regenerieren schneller in Phasen mit vielen Spielen“, sagt Pasanen. Wer nach den Heimspielen am Seilersee auf ein Autogramm eines Roosters-Spielers wartet, der muss sich zum einen in Geduld üben und nennt Pasanen zum anderen vielleicht den Felix Magath des Eishockeys. Denn der Roosters-Coach schickt seine Spieler unmittelbar nach der Schlusssirene in den Kraftraum - und lässt sonntags sogar schwere Gewichte auflegen, „weil montags meistens frei ist“.

Der Finne profitiert dabei von seinen Erfahrungen während der Saison 2004/05 als Co-Trainer bei den Hannover Scorpions. „Wir haben damals eng mit dem Olympiastützpunkt zusammen gearbeitet“, sagt er. „Außerdem war Michael Frontzeck Assistenztrainer beim Fußball-Bundesligisten Hannover 96 und auch mit ihm habe ich oft über das Thema gesprochen.“ Aus seinen Eindrücken und Erkenntnissen bastelte Pasanen sein derzeit erfolgreiches Fitnesskonzept.

Brück: Sind kein Außenseiter mehr

„Wir Eishockey-Trainer sind Diebe“, sagt der Roosters-Trainer grinsend, „wir klauen uns Ideen und wandeln sie für unsere Sportart um.“ Sportartübergreifend vermeidet aber auch Pasanen vor dem Start des Schlussspurts der Hauptrunde allzu mutige Aussagen. „Wir müssen bescheiden bleiben. Erstmal gilt es die Teilnahme an den Pre-Play-offs zu sichern, dann freuen wir uns - und schauen, was außerdem erreichbar ist.“

Ähnlich zurückhaltend denkt Wolfgang Brück über den 15-Punkte-Vorsprung der Roosters auf Platz elf. „Unser vordringliches Ziel bleibt Platz zehn“, sagt der Eishockey-Boss, „anschließend geht es um Platz sieben oder acht und ein weiteres mögliches Heimspiel.“ Inoffiziell dürften sowohl Pasanen als auch Brück bei sieben Punkten Vorsprung auf Rang sieben mit der direkten Qualifikation für das Play-off-Viertelfinale als Tabellenfünfter oder - sechster planen, doch offiziell halten sie sich bedeckt. Wie die Fans. Nur eins lässt sich Brück entlocken: „Noch ist nichts erreicht. Aber ich würde nicht mehr sagen, dass wir ein krasser Außenseiter sind. Wir haben gegen alle Gegner Chancen.“

Personal: Nur noch Giuliano fehlt auf dem Eis

Sieben Tage trainingsfreie Zeit hatte Jari Pasanen seinen Jungs gestattet. „Allerdings kamen die meisten zum freiwilligen Training“, erklärte er. Am Montag standen beim ersten offiziellen Training nach der Länderspielpause bis auf Jeff Giuliano alle Spieler auf dem Eis. Auch die angeschlagenen Teubert, Danielsmeier, Button und Whitmore.