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NHL-Stars bereichern DEL und das deutsche Eishockey

15.10.2012 | 20:09 Uhr
Christian Ehrhoff (r.) auf deutschem Eis in der DEL. Foto: Getty Images

Krefeld. Christian Ehrhoff, das sagen die, die ihn gut kennen, ist ein bodenständiger Typ. Mit einer kleinen Schwäche: Ehrhoff liebt schnelle Autos. Als Jugendlicher hat er sich in den Aston Martin verguckt, den Sean Connery als James Bond weltberühmt gemacht hat. Inzwischen steht so ein Modell in seiner Garage. Ehrhoff kann sich das leisten, er hat es als Eishockey-Profi nach ganz oben geschafft. Sobald er zurück ist, will er den Wagen wieder fahren. Zurück heißt: zurück in den USA, zurück in der NHL, zurück bei den Buffalo Sabres.

Bis dahin: fährt er Golf.

Im Prinzip passt das zu Ehrhoffs Lage: Die NHL hat ihre Spieler ausgesperrt und der gebürtige Moerser ist einer von zwölf Stars, die die Zeit hier überbrücken. Inklusive einem Dienst-Golf, dem ihm die Krefelder Pinguine stellen.

„Für die DEL nicht gut genug“

Hintergrund ist eine seit Wochen dauernde Auseinandersetzung zwischen der amerikanischen Spielergewerkschaft und den Eigentümern der NHL-Teams. Es geht, natürlich, ums Geld, vor allem um Gehaltsobergrenzen. Inzwischen haben die Vereine zum härtesten Mittel des Arbeitskampfes gegriffen, sie haben die rund 800 NHL-Profis ausgesperrt. Heute wird in New York zwar wieder verhandelt, aber kaum jemand glaubt noch an eine schnelle Einigung. Der Saisonstart ist längst abgesagt, man geht davon aus, dass in diesem Jahr in der NHL nichts mehr gehen wird.

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Ehrhoff in Krefeld erster NHL-Rückkehrer

Während Christian Erhoff als erster deutscher Nationalspieler nach dem Lockout der NHL in die DEL zurückkehren wird, hofft Adler Mannheim auf die Verpflichtung eines NHL-Trios. Korbinian Holzer hingegen wird in Kanada bleiben.

Das freut den Rest der Welt: Eishockey-Profis wollen Geld verdienen, vor allem aber wollen sie spielen. Wenn’s sein muss, in Krefeld. Oder auch in Crimmitschau.

Ein Dutzend NHL-Spieler, darunter absolute Top-Stars, haben inzwischen in Deutschland Unterschlupf gefunden. Ehrhoff in Krefeld, fünf andere auch in der DEL, und sechs weitere, so kurios es anmutet, in der provinziellen 2. Liga. Jonathan Bernier von den LA Kings, der als größtes Torwarttalent der NHL gilt, spielt nun auf unbestimmte Zeit in Heilbronn. „Für die DEL“, scherzt Bernier, „bin ich wohl nicht gut genug.“

Tatsächlich haben Zweitligisten mehr Möglichkeiten, NHL-Profis kurzfristig einzusetzen. In ihrer Liga dürfen pro Spiel zwar nur fünf Ausländer aufs Eis, aber ein Verein kann seinen Kader theoretisch mit so vielen Amerikanern oder Kanadiern auffüllen, wie er möchte. In der DEL dagegen sind pro Team nur elf Lizenzen für Ausländer erlaubt. Die meisten sind besetzt, außerdem schrecken Teams davor zurück, einen der Plätze an Spieler zu vergeben, der sofort nach Streikende in den USA die Koffer packen muss. „Das ist eine prinzipielle Sache“, sagt Karsten Mende, Manager der Iserlohn Roosters. Auch die Düsseldorfer EG verzichtet darauf, sich in der NHL zu bedienen . Mendes Kollege Walter Köberle räumt offen ein: „Uns fehlt dazu das Geld.“

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NHL-Stars in Deutschlands Eishockey-Ligen

Während des Lockouts sind zahlreiche NHL-Spieler temporär nach Deutschland gewechselt. Klicken Sie sich sich in der Shoutbox durch die Stars aus Übersee.

Finanziell ist die Sache nämlich nicht ohne. Zwar bekommen die Profis von ihrer Gewerkschaft ein Streik-Entgelt von bis zu 15 000 Dollar im Monat und verzichten deshalb bei ihren Übersee-Gastspielen häufig auf ein Grundgehalt. Aber die Vereine müssen zwei Versicherungen für jeden Spieler abschließen, eine gegen kurz- und mittelfristige Verletzungsausfälle, eine gegen Sportinvalidität. Die Prämien schießen schnell in sechsstellige Höhen, weil sie sich nach dem Gehalt richten: Christian Ehrhoff hat erst 2011 in Buffalo einen Zehn-Jahres-Vertrag abgeschlossen. Gehalt: 40 Millionen Dollar.

Trotzdem kann sich das Geschäft lohnen. Die Berliner Eisbären haben ganz andere finanzielle Möglichkeiten als Düsseldorf und Iserlohn, sie leisten sich deshalb seit ein paar Tagen ein Duo aus Philadelphia: Claude Giroux und Daniel Briere gehören zum Besten, was die NHL zu bieten hat, und seit sie da sind, rennen die Fans dem so schlecht in die Saison gestarteten Meister sogar beim Training die Bude ein. Berlin siegt wieder und bei der DEL reibt man sich die Hände: Sogar ARD und ZDF kommen vorbei und berichten in kurzen Beiträgen über die Stars.

Crosbys Comback

Das ist ein bisschen so wie mit dem Aston Martin und dem Golf: Wenn die NHL-Stars in ein paar Wochen ihre Sachen packen, wird die Liga beim einzigen Sender, der ihre Spiele live zeigt, wieder unter sich sein.

Er heißt: Servus TV.

Klaus Wille



Kommentare
16.10.2012
12:47
NHL-Stars bereichern DEL und das deutsche Eishockey
von SpongeBob59 | #3

Ich halte das für einen schlechten Witz. Da holen sich Vereine, die es sich leisten können, Spieler aus der NHL und verstärken sich in der Regel damit. Wenn der Lock-Off beendet wird, sind diese Spieler von heute auf morgen wieder weg und man muss wieder auf die vorhandenen Spieler zurückgreifen. Für mich ist das eine Wettbewerbsverzerrung.

16.10.2012
12:28
NHL-Stars bereichern DEL und das deutsche Eishockey
von MalNachgedacht | #2

@1: Das liegt wohl daran, dass es kaum einen Sport gibt, über den (gerade in der WAZ) entweder gar nicht geschrieben wird oder der, warum auch immer, dauernd von vorne bis hinten mies gemacht wird, wie Eishockey.

16.10.2012
12:24
NHL-Stars bereichern DEL und das deutsche Eishockey
von Sowieichdasssehe | #1

Hallo Herr Wille,

was soll heissen : "Wenn’s sein muss, in Krefeld."
Klar haben die Krefeld Pinguine nicht das große finanzielle Polster wie andere Vereine.
Hier spielt aber auch die Heimatverbundenheit zu seinem Stammverein, bei dem Christian Ehrhoff sehr lange vor seinem Wechsel gespielt hat eine Rolle.
Deswegen - nicht "wenns sein muss, in Krefeld" spielt er dort !

Oder warum spielt ein Dennis Seidenberg wieder in Mannheim, oder die Goc-Brüder ??

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