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Kölner Haie würdigen Rekord-Nationalspieler Udo Kießling

07.11.2012 | 19:04 Uhr
Kölner Haie würdigen Rekord-Nationalspieler Udo Kießling
Eishockey-Legende der Kölner Haie: Udo Kießling. Foto: imago

Köln.  Der Kölner Eishockey-Club feiert 40-jähriges Bestehen – und würdigt seinen Rekord-Nationalspieler Udo Kießling. Bei den ersten sechs Meisterschaften, die die Haie gewannen, stand die Verteidiger-Legende auf dem Eis. Seine Nummer 4 wird nie mehr vergeben.

Die Kölner Haie sind derzeit das Maß der Eishockey-Dinge in Deutschland. Nicht die Eisbären Berlin als Deutscher Meister, nicht die Adler Mannheim, sondern eben der KEC steht in der Deutschen Eishockey-Liga ganz vorne. Und dennoch – abgesehen von den wirklichen Eishockeyfans dürften Cracks wie Chris Minard und Andreas Holmqvist vergleichsweise unbehelligt rund um den Dom flanieren können. Und das, obwohl sie derzeit erstaunlich gut spielen.

Udo Kießling macht da ganz andere Erfahrungen. Da steht die Verteidiger-Legende der Haie mit der Nummer 4 an der Kasse eines Geschäfts und die Verkäuferin sinniert: „Irgendwoher kenne ich Sie doch!“ Kießling stutzt und lacht in solchen Situationen. „Sie ist erst 32 Jahre alt, ging aber früher mit ihrem Vater zum Eishockey“, berichtet der deutsche Rekord-Nationalspieler. Dabei ist es nun schon 20 Jahre her, dass der heute 57-Jährige, inzwischen deutlich ergraut, zuletzt für den KEC gespielt hat. Am 8. November feiern die Haie ihr 40-jähriges Bestehen – damals wurde die Profi-Abteilung aus dem Großverein Kölner EK herausgelöst. Nun, endlich, wird Kießling seinen Leistungen entsprechend geehrt. Bei einem Jubiläumsspiel mit vielen KEC-Stars von einst wird ein Banner mit seinem Namen und seiner Nummer unter das Hallendach gezogen und die „4“ fortan nicht mehr vergeben. „Das ist eine große Ehre“, so Kießling. „Es ist eine Anerkennung und Würdigung dessen, was ich in Köln geschafft habe.“

320 Einsätze für Deutschland

Und das ist eine Menge. Bei den ersten sechs Meisterschaften, die die Haie gewannen, stand Kießling auf dem Eis. 320 Mal spielte er für Deutschland, darunter fünfmal bei Olympia, gewann 1976 dabei Bronze und wurde bei der WM 1987 ins Allstar-Team gewählt. Das gelingt nicht vielen deutschen Eishockey-Spielern.

Dass die Leute Kießling kennen, verblüfft also nicht. Ein wenig komisch ist nur, dass immer noch Namen wie Hegen, Truntschka und Kießling von der breiten Öffentlichkeit eher mit Eishockey in Verbindung gebracht werden als die heutigen Stars. „Wir waren halt eine andere Spielergeneration“, sagt Kießling. „Wir waren mit dem Verein verbunden, haben ihn repräsentiert.“ Und beinahe noch wichtiger: „Wir sind auf die Fans zugegangen.“ Das ist heute anders. In den Arenen geht man zum Spiel, freut sich, ärgert sich – und geht nach Hause. „Wenn dann der Erfolg ausbleibt, bleiben Zuschauer auch schon mal zu Hause.“ Dass Eishockey bei Servus TV nun wieder im frei empfangbaren Fernsehen läuft, kann da nur bedingt Abhilfe schaffen. „In meiner Zeit liefen auch nur Drei-Minuten-Beiträge in der Sportschau. Da hat doch keiner gesehen, wie und warum ein Tor gefallen ist. So optimal war das auch nicht.“

Es braucht Charakterköpfe. So einer war Kießling als Spieler in jedem Fall. Unvergessen bleibt das zweite Finalspiel von 1986 gegen die Düsseldorfer EG. Die Haie lagen an der Brehmstraße nach 40 Minuten mit 1:5 hinten. „Da habe ich unserem Trainer Hardy Nilsson gesagt: Lass mich das mal machen!“ Und Kießling machte. Er wurde laut. Er rüttelte die Mannschaft auf: „Du darfst aber nicht nur schreien, sondern musst auch etwas zu sagen haben.“ Das hatte er. An der Ehre packte er seine Mitspieler. Mit Erfolg: Der KEC gewann noch mit 6:5. Ein Spiel später – daheim folgte ein 6:1 – waren die Haie Deutscher Meister.

Der erste Deutsche in der NHL

Solche Dinge sind es, die einen Spieler unvergesslich machen. 1982 war Kießling zudem der erste „wirkliche“ Deutsche, der in der NHL gespielt hat – wenn auch nur ein Spiel. „Ich wollte es einfach mal versuchen.“ So unterzeichnete er einen Vorvertrag bei den Minnesota North Stars. 1982 ging es über den Teich. Viereinhalb Wochen war er dort, machte ein Spiel. Zwei Strafminuten, zwei Schüsse aufs Tor standen zu Buche – und der Wunsch der North Stars, dass Kießling bleibt. „Das hätte sich aber nur bei 50 Spielen gelohnt.“ Also ging er zurück und kehrte nach einem Düsseldorf-Intermezzo zum KEC zurück.

Als er 1996 verletzungsbedingt seine Karriere in Landshut beendet hatte, war der Gang ins Trainergeschäft naheliegend. Er machte den Trainerschein, hatte eine Anfrage aus Frankfurt. „Das war mir aber zu früh. Danach habe ich das Jahr für Jahr rausgeschoben.“ So wurde er zum Zuschauer, arbeitet für einen Bauträger und stand nach 1996 nur einmal auf dem Eis. „Vor acht oder neun Jahren auf dem Weihnachtsmarkt.“ Seinem Wiedererkennungswert hat das aber ganz offenbar nicht geschadet.

Friedhelm Thelen



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