Erfolgstrainer Lance Nethery hat Duisburg wiederentdeckt

EVD-Trainer Lance Nethery startete in Duisburg seine Europapokal-Laufbahn.
EVD-Trainer Lance Nethery startete in Duisburg seine Europapokal-Laufbahn.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Der Kanadier war im deutschen Eishockey immer eine große Nummer. Jetzt arbeitet er an alter Wirkungsstätte - beim EV Duisburg in der dritten Liga.

Duisburg.. Lance Nethery schmunzelt kurz. „Nein“, sagt der 57-jährige Kanadier und schaut sich um. „Hier in Duisburg hat sich nicht wirklich viel verändert.“ Kurz geht er in sich. „Die Banden sind neu. Die Halle ist deutlich heller geworden. Aber die Eissporthalle ist immer noch wiederzuerkennen.“ Nun hat er die 44 Jahre alte Spielstätte zwar inzwischen schon öfter betreten, seitdem er 1982/83 für den damaligen DSC spielte, aber seit ein paar Tagen ist er auch sportlich dort zu Hause, wo seine Europa-Laufbahn begann. Als „Teamchef“ beim EV Duisburg. In der Eishockey-Oberliga.

Das ist verrückt genug. Denn die Deutsche Eishockey-Liga und Lance Nethery schienen ein fast untrennbares Pärchen zu sein. Als die Profiliga 1994 gegründet worden ist, war der aus Toronto stammende Kanadier bereits dabei, als Chefcoach der Adler Mannheim. Dreimal in Folge, von 1997 bis 1999, wurde er mit den Mannheimern Deutscher Meister.

Seite an Seite mit Uwe Krupp

Mit den Kölner Haien wurde er 1999 Spengler-Cup-Sieger, als Manager mit den Frankfurt Lions 2004 noch einmal Meister. In seiner Zeit in Mannheim, Köln, Frankfurt und Düsseldorf stand er zudem weitere dreimal im Play-off-Finale jeweils als Trainer oder Manager. Doch als Uwe Krupp im Oktober beim KEC als Trainer gefeuert wurde, musste auch Manager Nethery gehen.

Und nun die dritte Liga. Warum eigentlich?

Eishockey Nethery lacht kurz in sich hinein. „Das hat drei Gründe. Der erste Grund ist: Die Füchse haben ein Ziel.“ Denn die Duisburger, die nach dem DEL-Aus 2009 einen Neunanfang starteten, wollen zurück ins Profigeschäft, sprich: der Aufstieg in die DEL2 soll her. „Das ist ein schwieriges Ziel, an dem wir arbeiten. Schaffen wir das, ist das super. Schaffen wir es nicht, sind wir zwar traurig, aber das Leben wird weitergehen.“

Nethery hat Spaß an Arbeit mit jungen Spieler

Netherys zweiter Grund: „Die Mannschaft ist sehr jung. Es ist wirklich erfrischend mit den Spielern zu arbeiten. Sie sind sehr willig, sehr ehrgeizig.“ Und als ob er es für sich gerade jetzt erst realisiert, wiederholt er: „Ja, es ist wirklich erfrischend.“ Die Füchse kooperieren aktuell mit den Kölner Haien und Krefeld Pinguinen und bilden junge Spieler per Förderlizenz für höhere Aufgaben aus – und sind selbst erfolgreich dabei.

Eishockey 2012 hatte das Team das Oberliga-Finale gegen Bad Tölz erreicht und das entscheidende Spiel vor über 4000 Fans knapp verloren. Dieses System hatte Franz Fritzmeier (34) entwickelt, der inzwischen zum Co-Trainer der Haie aufstieg. Der bisherige EVD-Sportdirektor und Fritzmeier-Nachfolger Matthias Roos wurde kürzlich entlassen. Nethery wurde als Teamchef Nachfolger mit Ex-Nationalspieler Uli Egen als Trainer.

35 Jahre im Profi-Geschäft

Doch Nethery hatte ja noch einen dritten Grund: „Am Ende meiner Karriere wollte ich immer schon jungen Spielern etwas zurückgeben“, sagt er. Etwas ernster als zuvor. Es soll also bald Schluss sein? Nethery zuckt mit den Schultern. „Ich bin nun 35 Jahre im Profigeschäft, davon 32 in Europa.“ Sein Vertrag in Duisburg gilt zunächst nur für die aktuelle Saison. Ob’s danach für ihn weitergeht? „Ich weiß es nicht. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“

Aktuell macht ihm der Job in Duisburg Spaß. „Läuferisch kann diese Mannschaft mit vielen DEL-Mannschaften mithalten“, sagt er. „Die Erfahrung fehlt natürlich. Und das spielerische Element.“ Der Hauptgrund dafür: „Ein deutscher Nachwuchsspieler absolviert vielleicht bis zum Alter von 21 pro Saison 40 Spiele. In Nordamerika sind es rund 70 Spiele. Das Spiel lernst du nur im Spiel. Deswegen dauert es bei deutschen Spielern schon mal, bis sie 23 oder 24 sind.“

Nethery ist aktuell 57. Und wer weiß – vielleicht bleibt er ja noch in Duisburg, bis er 58 ist. Oder 59.