Eishockey-Bundestrainer lässt auf sich warten

München (dpa) - Reden mag Franz Reindl derzeit überhaupt nicht - zumindest nicht öffentlich. Seit Wochen bemüht sich der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) um eine vernünftige Nachfolge für den bisherigen Bundestrainer Pat Cortina.

Bislang vergebens. "Spätestens Mitte Juni" sollte die Nachfolge eigentlich geklärt sein. Dies hatte der DEB Mitte Mai mitgeteilt, als klar war, dass Cortinas Vertrag nach drei Jahren nicht verlängert wird. Nun ist fast Mitte Juli - und ein Nachfolger noch nicht in Sicht.

Dies liegt vor allem daran, dass Reindls Wunschkandidat Uwe Krupp wohl nicht zu haben ist. Zumindest nicht hauptamtlich, denn der frühere Stanley-Cup-Sieger ist inzwischen Chefcoach der Eisbären Berlin. Eine Doppelfunktion eines Clubtrainers wird nach Absprache zwischen DEB und der Deutschen Eishockey Liga (DEL) abgelehnt. "Der DEB wird in ein paar Tagen eine ganz andere Lösung präsentieren", verriet Eisbären-Geschäftsführer Peter-John Lee dem "Tagesspiegel".

Das Nationalteam soll künftig von einem Generalmanager geführt werden. Und zwar hauptamtlich und nicht nur nebenher, wie es der Wolfsburger Manager Charly Fliegauf bislang machte. "Die Nationalmannschaft braucht eine Identifikationsfigur, ein Gesicht mit Background", begründete dies Reindl zuletzt. Der Generalmanager soll Spieler scouten, möglicherweise auch nominieren, das Nationalteam perspektivisch entwickeln und die Richtung vorgeben.

Nach dpa-Informationen will der DEB noch in dieser Woche eine Lösung verkünden. Die könnte Marco Sturm heißen. Der 36 Jahre alte frühere Nationalspieler beendete im vergangenen Jahr seine Karriere nach 1006 Spielen in der nordamerikanischen Profiliga NHL - so viele Partien absolvierte bislang kein anderer deutscher Spieler. Die von Reindl geforderte Identifikationsfigur wäre Sturm also zweifelsohne.

"Noch ist nichts fix", sagte der deutsche NHL-Rekordspieler und bestätigte die Verhandlungen mit dem DEB. Bis Ende der Woche sollen nun noch die zuständigen Gremien tagen. Ob dann auch bereits die Lösung für den Bundestrainer-Posten präsentiert wird, ist unklar.

Im Gespräch war zuletzt ein Team-Modell mit mehreren Coaches, die das Nationalteam abwechselnd oder unterstützend gemeinsam bei den einzelnen Turnieren betreuen sollen. Dabei würde dann auch Krupp mit Sicherheit wieder eine Rolle spielen.

"Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich über den Stand der Verhandlungen nichts sagen kann", lautete die Aussage Reindls in dieser Woche in der "Eishockey News". Mehr will der frühere Nationalspieler derzeit nicht erklären. Reindl reagiert nicht auf Anrufe, Anfragen oder SMS. Der 60-Jährige will Fakten präsentieren und keine Wasserstandsmeldungen abgegeben.

Dass sich die Suche so in die Länge zieht, ist untypisch für die bisherige Ära von Reindl als DEB-Präsident. Im Eiltempo setzte der langjährige Funktionär seit seiner Amtsübernahme vor einem Jahr dringend benötigte sportliche und strukturelle Reformen im Verband durch. Und er kassierte ebenso schnell aus seiner Sicht fragwürdige Entscheidungen seines umstrittenen Vorgängers Uwe Harnos wieder ein.

Dass der Macher Reindl nun nicht im gewohnten Tempo vorankommt, liegt auch daran, dass die Entscheidung jetzt passen muss. In zwei Jahren richtet Deutschland gemeinsam mit Frankreich die WM aus, und Reindl hofft auf ein ähnlich wundersames Turnier wie 2010, als das DEB-Team unter dem damaligen Bundestrainer Krupp sensationell Vierter wurde. Dies könnte die Initialzündung für Reindls kühne Pläne sein, das deutsche Eishockey bis 2026 in der Weltspitze zu etablieren.