Brisantes Wiedersehen zwischen Nethery und Kreis
22.03.2011 | 01:18 Uhr 2011-03-22T01:18:00+0100
Düsseldorf. DEG-Manager Lance Nethery und Adler Mannheims Cheftrainer Harold Kreis haben sich seit gut einem Jahr kaum noch etwas zu sagen. Am Mittwoch kommt es im Rather Dome zum ersten Eishockey-Play-off-Viertelfinale.
Ein Duell unter Freunden ist’s wahrlich nicht mehr, wenn es am Mittwoch im Rather Dome zum ersten Eishockey-Play-off-Viertelfinale kommt. DEG-Manager Lance Nethery und Adler Mannheims Cheftrainer Harold Kreis haben sich seit gut einem Jahr kaum noch etwas zu sagen. Am 18. März 2010 entließ Nethery, zwei Spieltage vor Vorrundenende, seinen einstigen Freund als DEG-Coach. Erstens wegen Erfolglosigkeit. Zweitens, weil sich Kreis früh dazu entschlossen hatte, das Arbeitsgebiet zu wechseln. Und, vielleicht, auch drittens, weil er mit Craig MacDonald einen der rot-gelben Leistungsträger mitnahm.
Der einstige NHL-Angreifer Nethery stellte sich, wieder einmal, selbst hinter die Bande, erlitt aber quittierten Schiffbruch: fünf Matches, fünf Niederlagen, schwächste Saison seit seinem Einstieg an der Brehmstraße im Sommer 2005.
Über den strittigen Rauswurf verliert Harold Kreis längst keine Worte mehr. „Das ist Vergangenheit und ist für eine Play-off-Serie unwichtig. Die Spieler werden auf dem Eis entscheiden, nicht ich an der Bande“, sagt der Deutsch-Kanadier aus Winnipeg. Der mit seinen als Titelfavorit vorgewetteten Adlern, neben den Berliner Eisbären der Finanzkrösus der Deutschen Eishockey-Liga, den Umweg über die Play-off-Vorqualifikation gegen die Nürnberg Ice Tigers nehmen musste.
Netherys und Kreis’ gemeinsame Historie in Mannheim reicht weit zurück. Beim jüngsten Play-off-Treffen der Eishockey-Traditionsklubs im März 1998 war Nethery bei den Adlern der Cheftrainer, Kreis nach 891 Erstliga-Spielen frisch beendeter Verteidiger-Karriere sein „Co“. Die DEG verlor unter Trainer Chris Valentine das Viertelfinale mit 0:3 klar, stieg fast-insolvent für zwei Saisons in die zweite Liga ab, während die Kurpfälzer am Ende die Meisterschale spazieren fuhren.
Das Geld spielt, zumindest aus Düsseldorfer Sicht, auch diesmal eine gewichtige Rolle. Während sich die Mannheimer seit Jahren unter anderem auf das Sponsorship des SAP-Gründers und Hoffenheim-Mätzens Dietmar Hopp stützen, dessen Sohn Daniel bei den Adlern als Hauptgesellschafter und Geschäftsführer auftritt, ist die DEG seit neun Jahren mit der Metro AG verbunden.
Wie lange noch? Der Vertrag läuft im Frühjahr 2012 aus. Die weitere Zusammenarbeit ist ungewiss. Nethery, in Personalunion Manager und Geschäftsführer am Brehmplatz, bietet deshalb nur Spielerverträge bis Ende der kommenden Saison an. Einzig Kapitän Daniel Kreutzer, mit 18 Treffer und 34 Vorlagen fünftbester Punktesammler der Liga-Vorrunde, steht wegen eines alten Kontrakts bis 2013 auf der Honorarliste.
Werbung für den Sponsor
Die Personalpolitik der vorsichtig-sparsamen Art hatte schon Konsequenzen. Reihe-eins-Mittelstürmer Rob Collins, viertbester Vorlagengeber der DEL, verlässt nach fünf Jahren Düsseldorf – in Richtung Hamburg Freezers.
Eine starke Play-off-Runde wäre für die DEG beste sportliche Werbung für den Namenssponsor, der jährlich für rund 500.000 Euro im aktuellen Sechs-Milionen-Etat steht. Ein Ausstieg wäre nicht der Untergang, aber trotzdem nur schwer kompensierbar.
Schließlich leckt die Kasse auch auf der Zuschauereinnahmeseite. Trotz bester Heimbilanz und der meisten erzielten Tore kamen gerade einmal 5180 Fans pro Spiel in den Rather Dome: nur Platz fünf in der DEL hinter Berlin (13 946), Köln (9696), Mannheim (9689) und Hamburg (7037). Sogar nur Platz 44 (!) in Europa, wo die DEG zu Meisterzeiten Anfang der 90-er Jahre die Besuchertabelle mit dem SC Bern und Västra Frölunda Göteborg stolz angeführt hatte.
„Ich bin enttäuscht und ratlos. Wir haben die Mannschaft mit jungen deutschen Spielern bestückt, spielen immer attraktiv offensiv. Was können wir noch tun?“ fragt Manager Nethery verzweifelt. Ganz gegen sein sonst eher diktierendes Naturell.
Rund 200.000 Euro weniger an den Kassenhäuschen als geplant sollen mit den Play-offs aufgefangen werden. Drei Heimspieleinnahmen gegen Mannheim und ein Seriensieg für die Mannschaft von Trainer Jeff Tomlinson, der Halbfinaleinzug mit einem Play-off-Derby gegen die Kölner Haie, die wiederum „nur“ den Vorrundenmeister Wolfsburg schlagen müssten – das würde nicht nur Lance Nethery prächtig gefallen.
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