DEG-Zugang Norm Milley - Der Chefkoch mit sozialer Ader

Hat auch neben dem Eishockey noch große Leidenschaften: Norm Milley.
Hat auch neben dem Eishockey noch große Leidenschaften: Norm Milley.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
DEG-Zugang Norm Milley hat gleich zwei Leidenschaften neben seinem Sport. Nach sieben Jahren in Wolfsburg will sich der Kanadier nun in Düsseldorf den Aufgaben neben dem Eis widmen.

Düsseldorf.. Es war ein tränenreicher Abschied. Als Norm Milley Mitte April im Kolumbianischen Pavillon am Wolfsburger Allersee zu seinen letzten Worten an die Fans der Grizzly Adams aus Wolfsburg ansetzte, wischte er sich Tränen aus den Augen und seine Stimme blieb kurzzeitig weg. Nach sieben Jahren wurde der Vertrag des besten Wolfsburger Punktesammlers aller Zeiten nicht verlängert. Doch mittlerweile sind die Tränen getrocknet und der freudigen Zukunft gewichen. „Im ersten Moment war es natürlich sehr enttäuschend. Aber ganz ehrlich gesagt ist es auch eine gute Chance, etwas neues zu starten. Und Düsseldorf scheint dafür perfekt“, erklärte Eishockeycrack Norm Milley gestern nach der ersten Trainingseinheit mit der DEG.

Starke Scorer-Quote von Milley in Wolfsburg

Die Rot-Gelben nutzten die Gunst der Stunde und lotsten den Rechtsaußen an den Rhein – der eine beeidruckende Bilanz aus Wolfsburg im Gepäck hat: fast ein Scorerpunkt pro Spiel. 317 in 345 Hauptrundenpartien waren es, satte 53 in 57 Play-off-Partien. Vor allem jedoch überzeugte der Stürmer immer durch Uneigennützigkeit. Norm Milley hat immer einen Blick für den Nebenmann, was 267 Vorlagen bei 103 Toren belegen. Daran will der 35-Jährige nun im rot-gelben Jersey anknüpfen. „Wir haben eine tolle Gruppe. Einige Jungs kenne ich bereits eine ganze Weile. Mit Rob Collins habe ich beim Deutschland-Cup zusammengespielt, mit Chris Minard früher in der American Hockey League. Es ist eine hart arbeitende Gruppe, ähnlich wie in Wolfsburg. Auch die Trainer sind einfach exzellent, und man kann gut mit ihnen reden“, betont Milley. „Allein der herzliche Empfang von Vereinsvertretern direkt am Flughafen sorgt dafür, dass man sich sehr willkommen fühlt.“ Was zudem ein großer Vorteil ist, wo der Familienvater sich in den nächsten zwei Wochen doch zunächst als Junggeselle durchs Leben schlagen muss. Seine Frau Katie und die Kinder Noah und Charlotte reisen ihm erst am 28. Juli nach Düsseldorf nach. „Ich habe mir das lange überlegt. Ich möchte mich zunächst auf das Training konzentrieren und die Teamkollegen richtig kennenlernen“, berichtet der Angreifer.

Für einen „Chefkoch“ jedoch kein Problem. „Ich bin zu Hause der Chef in der Küche, meine Frau dafür bei den Schuhen“, erklärt Milley grinsend. Was wohl vor allem auch die Geschäftsinhaber auf der Königsallee erfreuen dürfte, wo seine Gattin die Kreditkarte zum Glühen bringen könnte. Daher kommt der Kanadier lieber schnell wieder auf seine Vorliebe zu sprechen. „Kochen ist für mich eine echte Leidenschaft. Egal ob indisch, mexikanisch oder italienisch. Es ist unglaublich entspannend, mit einem Glas Wein das Essen zuzubereiten.“

Das Kochen ist jedoch nicht die einzige Passion des Eishockeycracks. Norm Milley widmet sich auch leidenschaftlich sozialen Projekten. „Es begann alles damit, dass der Vater eines guten Freundes an Prostata-Krebs gestorben ist. Vor drei oder vier Jahren haben wir dann in Wolfsburg mit der Aktion der Movember gestartet“, so der Puckjäger.

Von Toronto nach Ottawa auf dem Rad

Ja richtig – nicht November, sondern Movember. Bei dieser Aktion lassen Männer sich im November Oberlippenbärte wachsen, um während des Monats Spenden zugunsten der Erforschung und Vorbeugung von Prostatakrebs und anderen Gesundheitsproblemen von Männern zu sammeln. 1999 soll diese Idee im australischen Adelaide entstanden sein. „Vergangenes Jahr habe ich dann eine Charity-Radtour mit meinem Fahrrad von Toronto nach Ottawa gemacht, das sind tund 450 Kilometer. Wir haben rund 7000 Dollar für die dreijährige Fibi sammeln können, die an Leukämie erkrankt ist und in den USA behandelt werden musste.“

Auch in Düsseldorf will der Kanadier gemeinnützige Projekte antreiben. „Wir werden von den Fans bejubelt. Es ist ein Privileg, Eishockeyspieler sein zu dürfen. wenn es dann Wege gibt, um anderen zu helfen, sollte man diese auch nutzen“, betont der Familienvater, dem schon bald ein weiterer emotionaler Moment bevor steht.

Zum Saisonauftakt gegen seinen Ex-Klub

Denn wie es das Schicksal will, wird das erste Saisonspiel ihn gleich zurück an seine alte Wirkungsstätte bringen, zu seiner alten Liebe. „ Ehrlich gesagt bin ich froh, dass es so gekommen ist. Es wird ein emotionaler Abend werden, das ist klar, aber ich könnte mir keinen besseren Start vorstellen.“ Sieben Jahre war Wolfsburg sein Leben, er kennt die Spieler, das Spielsystem. „Es kann schon sein, dass ein paar Tränen fließen werden. Aber wenn das Spiel startet: Die DEG ist jetzt mein Team, meine Familie, die Teamkollegen meine Brüder“, so Milley, der vor allem ein Waterloo der vergangenen Saison verhindern will.

Damals, auch am ersten Spieltag der Saison, ging die DEG mit 0:7 im Wolfsburger Allerpark baden. „Dieses Mal wird es ein toller Abend für Düsseldorf werden“, schickt Milley sogleich eine Kampfansage an seine alten Kollegen.