DEB-Insolvenz abgewendet - Eishockey-Pleite noch verhindert

Der frühere DEB-Präsident Uwe Harnos erklärte vor neun Monaten, der Verband mache ein Minus 250 000 Euro jährlich.
Der frühere DEB-Präsident Uwe Harnos erklärte vor neun Monaten, der Verband mache ein Minus 250 000 Euro jährlich.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In dieser Woche hätte der deutsche Eishockey-Verband zum Insolvenz-Richter gehen müssen. Eine Reform in letzter Minute verhindert das drohende Aus.

Frankfurt.. Die neue Woche hat begonnen – und der Deutsche Eishockey-Bund existiert auch weiterhin. Das klingt nicht wie eine Neuigkeit. Doch eine Selbstverständlichkeit ist es eben auch nicht. Der DEB stand so knapp vor dem Konkurs, dass der Gang zum Insolvenzrichter in dieser Woche unumgänglich gewesen wäre, hätten die Mitglieder des Verbandes – das sind die Vereine und die Landes-Eissport-Verbände (LEV) – nicht einer neuen Satzung zugestimmt, die die Finanzen massiv reformierte.

Bei der Versammlung in Frankfurt drohte die Einigung am Veto der Landesverbände zu scheitern. Ein Vorstoß des sächsischen Präsidenten sorgte für eine Elefantenrunde der LEV-Präsidenten mit dem DEB-Präsidium. Danach stand das „Wunder von Frankfurt“, wie es Sachsens LEV-Chef Lutz Michel nannte, fest: Die Satzung wurde einstimmig angenommen. Der DEB ist gerettet.

Wie kam es überhaupt zu der finanziellen Schieflage des Verbandes?

Sie hat nicht zuletzt mit dem früheren DEB-Präsidenten Uwe Harnos zu tun. Die Finanzierung des DEB war, vorsichtig formuliert, halsbrecherisch. Jahr für Jahr machte der Verband ein großes Minus. Im Schnitt, erklärte Harnos bei der DEB-Versammlung vor neun Monaten, auf der er seinen Rücktritt bekanntgab, waren dies 250 000 Euro. 2011, ein Jahr nach der Heim-WM, verbuchte der Verband gar ein Jahresdefizit von 650 000 Euro.

Eishockey-Oberliga Auf die Frage, wie dies zustande kam, sagte Harnos damals vor versammelter Presse: „Das kann ich mir auch nicht erklären.“ Der DEB setzte damals darauf, regelmäßig eine Heim-WM ausrichten zu können, um so die nötigen Löcher zu stopfen. Da die WM-Vergabe aber alles andere als kalkulierbar ist, wird die Waghalsigkeit des Ganzen offensichtlich. Harnos selbst hatte das zwar erkannt, aber keine notwendigen Reformen angeregt.

Wie hat sich der Verband nun gerettet?

Die Rettung hat eine große Dimension für das deutsche Eishockey. Denn rund drei Jahre nach der Gründung der Deutschen Eishockey-Liga 1994 schieden die Profiklubs im Streit als Mitglieder aus dem DEB aus. Die Liga selbst blieb nur durch einen Kooperationsvertrag mit dem DEB verbunden. Franz Reindl, seit Juli 2014 als DEB-Präsident im Amt, erreichte mit seinem Präsidium, dem auch Daniel Hopp (Adler Mannheim, Mitglied im DEL-Aufsichtsrat) angehört, nun die Einigung.

Die Profiklubs der DEL und DEL2 werden zur neuen Saison wieder ordentliche Mitglieder des DEB (die Ligen bleiben allerdings eigenständig) und bringen dem Verband pro Jahr zusammen einen Mitgliedsbeitrag von rund 210 000 Euro ein. Dazu kommen Einnahmen von rund 300 000 Euro durch eine Aktivengebühr für Spieler, Trainer und Schiedsrichter (im Schnitt zehn Euro im Jahr). Zudem wurden die Abgaben an die Landesverbände gesenkt, sodass DEB-Schatzmeister Berthold Wipfler nun rund 700 000 Euro pro Jahr mehr zur Verfügung stehen. Wipfler: „Auch mit den vereinbarten Änderungen an der Satzung kann man festhalten, dass der Verband auf lange Sicht abgesichert ist.“

Warum drohte die Einigung an den Landesverbänden zu scheitern?

Die LEV sind keine reinen Eishockeyverbände, sondern auf Landesebene für alle Eissportarten zuständig. Die Zahlungen an die LEV sind dort also einkalkuliert. Außerdem hatten sie bis Samstag großen Einfluss, machten bei der Stimmabgabe zusammen 50 Prozent der Mitglieder aus. Das wurde nun auf 33,3 Prozent reduziert.

Die Einigung von Samstag ist nun noch abhängig von der Zustimmung der Mitgliederversammlungen aller 15 LEV. Derweil rumort es in Nordrhein-Westfalen: Viele Klubs freunden sich mit dem Gedanken an, einen reinen Eishockey-Landesverband zu gründen.