Christof Kreutzer hat die DEG wieder in die Spur gebracht

Leidenschaftlicher Düsseldorfer: DEG-Trainer Christof Kreutzer.
Leidenschaftlicher Düsseldorfer: DEG-Trainer Christof Kreutzer.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Der Trainer der Düsseldorfer EG hat dem zuvor Tabellenletzten neue Stärke vermittelt. Jetzt sind die Pre-Playoffs das nächste Ziel.

Düsseldorf.. Pausen sind selten im Eishockey. Ein paar Tage hat Christof Kreutzer, Cheftrainer der Düsseldorfer EG, jetzt durchschnaufen können. Genau richtig vor dem Liga-Endspurt.

Sieben Punktspiele noch, dann steht fest, ob die DEG, zwei Jahre lang der Prügelknabe der Liga, es endlich wieder in die Meisterschafts-Playoffs geschafft hat. Es wäre ein tolles Comeback, und es hätte viel zu tun mit Familie Kreutzer, die wie kaum eine andere für Eishockey steht.

Müssen wir uns Sorgen machen um das Aussterben einer Eishockey-Dynastie?

Christof Kreutzer: Wieso das?

Sie sind an der Brehmstraße aufgewachsen und als Spieler fünfmal Meister mit der DEG geworden. Jetzt sind Sie Chefcoach, Ihr jüngerer Bruder Daniel spielt seit Jahren als Kapitän für die DEG. Aber es kommt kein Kreutzer mehr nach...

Kreutzer: Stimmt. Daniel hat zwei Töchter, ich auch. Kein Sohn dabei.

Traurig?

Kreutzer: Überhaupt nicht. Hätte ich einen Sohn, dann wäre der vermutlich längst dazu verdammt, Eishockey zu spielen. Und er hätte auch den entsprechenden Druck als ein Kreutzer. Da bin ich doch ganz froh über meine Töchter. Spaß beiseite: Alles prima.

Ihre Töchter sind 22 und 20 Jahre alt. Dürften sie Eishockey-Spieler heiraten?

Ausblick Kreutzer: Warum denn nicht? Sie sollen glücklich werden. Wenn’s ein Bankkaufmann wird, wird’s ein Bankkaufmann. Oder eben ein Eishockey-Profi.

Dabei ist das Leben an der Seite eines Spielers oder Trainers nicht einfach, oder?

Kreutzer: Da müssten Sie meine Frau fragen. Die hält es jedenfalls schon lange mit mir aus. Natürlich weiß sie, dass wir nie ein Wochenende nur für uns haben, aber sie sagt dann immer: Am schlimmsten wäre es, wenn du jeden Tag pünktlich um vier nach Hause kommen würdest.

Zwei Jahre lang war die DEG abgeschlagener Letzter. Das muss doch einem wie Ihnen, der mit Leib und Seele an diesem Verein hängt, richtig weh tun?

Kreutzer: Wem macht das schon Spaß? Die DEG ist für mich etwas Besonderes. Es hängen so viele Emotionen dran. Aber für uns alle hier in Düsseldorf war es noch schlimmer. Es ging ja auch immer ums wirtschaftliche Überleben.

Hätte die DEG noch ein Jahr als Letzter überstanden?

Kreutzer: Ich weiß es nicht. Vielleicht hätten wie es nochmal verkraftet. Aber es wäre alles sehr schwierig geworden. Drei Jahre Letzter? Wie will man das noch verkaufen? Der Schritt nach vorne in diesem Jahr ist immens wichtig.

Dieser Schritt nach vorne sieht so aus: Sie werden Cheftrainer und geben für das Schlusslicht Platz zehn als Ziel aus, also die Playoff-Vorrunde. Und es funktioniert. War das der Mut der Verzweiflung?

Eishockey Kreutzer: So würde ich das nicht sehen. Das Ziel war sicherlich sehr ambitioniert. Ich weiß, dass uns vor der Saison kaum einer diesen Sprung zugetraut hätte. Aber wir wussten, wo wir die Hebel ansetzen mussten. Ein bisschen Glück gehört auch dazu. Ein Beispiel: Wir einigen uns im Laufe der letzten Saison mit drei Ingolstädter Spielern auf einen Wechsel zu uns, damals steht Ingolstadt auf Platz neun. Dann kommen die Playoffs und auf einmal haben wir drei Deutsche Meister geholt. Die haben natürlich ein breites Kreuz mitgebracht.

Jetzt liegt die DEG sogar auf Platz sechs und steuert die Meisterrunde ganz ohne den Umweg über die Pre-Playoffs an...

Kreutzer: Langsam. Ich schaue nicht nach oben, nur nach unten. Wenn mir jetzt einer Platz zehn garantiert, unterschreibe ich sofort. Das ist für uns immer noch ein riesiger Schritt. Erst wenn wir den gemacht haben, sehen wir weiter.

Als Spieler sind Sie in den Neunzigern mit der DEG fünf Mal Meister geworden. Sie müssten wissen, wie Playoffs gehen.

Kreutzer: Ich bin Realist. Ich weiß, was zusammenkommen muss, damit man sich in einen Lauf spielt. Aber wir reden immer noch über meine erste Station als Chefcoach. Wenn wir es in die Playoffs schaffen sollten, dann glaube ich auch, dass wir gut starten können. Und dann werden wir uns im Trainerteam schon überlegen, wie wir das angehen.

Ist das Leben als Trainer eigentlich schwieriger als zuvor als Spieler?

Zugang Kreutzer: Es ist ganz anders. Als Trainer musst du auf 25 Spieler achten, das ist ein schwieriger Job. Viel Arbeit, sehr komplex. Manchmal sage ich mir: Als Spieler habe ich das Schönste im Eishockey gemacht, jetzt mache ich immer noch das Zweitschönste. Ehrlich gesagt, auch mir war früher nicht bewusst, wie gut ich es eigentlich hatte.

Ein Wort noch zur Eishockey-Familie Kreutzer: Ihr Bruder Daniel ist Kapitän und das Gesicht der DEG. Wie gehen sie beide miteinander um?

Kreutzer: Die DEG ist für uns beide mehr als ein Verein. Daniel war immer schon ein Typ, der alles für Düsseldorf tut. Er ist jetzt 35 Jahre alt und war hier Kapitän und Leader lange bevor ich sein Cheftrainer wurde. Das hilft mir. Vielleicht wäre es schwieriger, wenn er jung wäre und ich in den Verdacht geraten könnte, ihn stärker fördern zu wollen. Aber das Thema stellt sich nicht. Wichtig ist: Wir spielen in der Kabine kein Theater. Wir gehen so miteinander um wie im Leben auch.