Eine Unart an der Seitenlinie

Bundesliga-Schiedsrichter zu sein, ist doch ein toller Job. Keiner ist näher dran, wenn die Stars ihre Kunststückchen zelebrieren. Aber keiner erntet mehr Unverständnis. Von den Rängen, von emotionalisierten Spielern – und immer öfter auch von den Trainerbänken.

„Der Pöhler von Dortmund“, Jürgen Klopp, machte seinem Fußball-Arbeiter-Image immer wieder alle Ehre, indem er an der Seitenlinie malochte und sich im wahrsten Wortsinn am Schiedsrichtergespann abarbeitete – und dabei deutlich übers Ziel hinausschoss.

Selbst der Gentlemen der Liga hat die Unart, den Respekt der Unparteiischen zu untergraben, offenbar für sich entdeckt. Pep Guardiola legt „liebevoll“ den Arm um die Vierte Offizielle Bibiana Steinhaus – geschehen in Gladbach im Oktober. Am Dienstag in München herzte er Schiedsrichter Michael Kempter nach dem Tor zum zwischenzeitlichen 1:0 durch Arjen Robben. Zuvor hatte er nach einem nicht anerkannten Treffer schon versucht, auf den Linienrichter einzuwirken. Nicht ohne ihm dabei demonstrativ „dankend“ die Hand zu geben.

Selbst wenn Guardiola weit entfernt davon ist, in angsteinflößender Manier auf die Spielleiter zuzustürmen: Was der Spanier macht, untergräbt die Autorität der Schiedsrichter auf noch unangenehmere Weise: Sie ist herablassend. Dabei hat er das nun wirklich nicht nötig. Es wäre schön, wenn er das einsieht.