„Eine gute Chance auf Olympia“

Hamburg..  Auf dem Weg zu Olympischen Spielen in Hamburg haben die Kampagnen-Macher am Montag eine weitere Etappe genommen. Sechs Tage nach Gründung der deutschen Olympia-Bewerbungsgesellschaft kamen die Gesellschafter zu ihrer ersten Versammlung in der Kampagnen-Zentrale in der Hafencity zusammen. Diese Zeitung sprach zuvor im Rathaus mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD).

Herr Minister, Herr Bürgermeister, die Bewerbungsgesellschaft für die Olympischen Spiele 2024 in Hamburg ist gegründet. Welche Chancen hat Deutschland realistisch, die Spiele zu holen?

Olaf Scholz: Hamburg und Deutschland haben eine gute Chance, die Olympischen Spiele zu holen – und zwar gemeinsam. Es gibt nämlich ein gutes Konzept, und die Bundesrepublik Deutschland genießt weltweit ein hohes Ansehen. Viele wünschen sich, dass Olympische Spiele und Paralympics wieder einmal bei uns stattfinden. Seit den Münchner Spielen von 1972 ist eine lange Zeit vergangen.

Was ist das größte Pfund der deutschen Bewerbung?

Scholz: Wir veranstalten Spiele mitten in der Innenstadt. Das ist Resultat der stadtgeschichtlichen Entwicklung Hamburgs und durch die Umnutzung innerstädtischer Flächen möglich. So ist schon die HafenCity entstanden, an die ein Teil des neuen Weltkulturerbes – die historische Speicherstadt – unmittelbar angrenzt. So wird es mit der Elbinsel sein, auf der die Olympischen und Paralympischen Spiele ohne lange Wege stattfinden sollen – das ist etwas, das es anderswo nicht gibt. Dazu kommt eine vergleichsweise entspannte Verkehrssituation und eine vernünftige Nachnutzung der Neubauten.

Thomas de Maizière: Hamburgs Bewerbung ist deshalb so gut, weil sie den Sportler ins Zentrum stellt. Sie verspricht kurze Wege und ist auch eine Abkehr vom Gigantismus. Dazu kommt ein transparentes Verfahren und ein nachhaltiges Gesamtkonzept. Allerdings braucht Hamburgs Bewerbung auch das Gewicht und Renommee unseres Landes und deshalb ist das Ansehen Deutschlands in der Welt auch eine zentrale Chance für die Hamburger Bewerbung. Dieses Gewicht werden wir in die Waagschale werfen, auch wenn wir starke Konkurrenten haben.

Wie wollen Sie Mitbewerber wie Rom, Paris oder Boston schlagen?

De Maizière: Was die Städte eint, ist – anders als manch andere Bewerberstadt –, dass sie alle über jeden demokratischen Zweifel erhaben sind. Das ist ein wichtiger Punkt: Wir wollen, dass Olympische Spiele da stattfinden, wo ihr Gedanke, nämlich die Wahrung der Menschenrechte und die Beteiligung von Sportlern aus der ganzen Welt, eine Chance haben...

Scholz: ...und wir werden die Mitbewerber nicht schlecht reden. Das wird ein sportlicher Wettbewerb unter den Städten. Wir wollen ja, dass die Sportler aus Frankreich, Italien oder aus den USA gerne nach Hamburg kommen.

Sie dürfen dem Steuerzahler jetzt ruhig mal eine Gesamtsumme nennen, die die Spiele kosten dürfen...

Scholz: ... damit Sie dann schreiben: „Schon wieder ein Politiker, der zu früh eine falsche Summe genannt hat“? Nein, das erspare ich uns. Die Vorgänge rund um die Elbphilharmonie haben aber dazu beigetragen, dass wir das Herangehen an Infrastrukturmaßnahmen in der Stadt komplett verändert haben. Das heißt: Kostenstabiles Bauen mit mehr Aufwand bei der Planung, bevor man endgültige Entscheidungen trifft. Das heißt auch, dass man keine Kosten nennen sollte, wenn man noch keine Präzision in den Planungen hat. Seriosität wird ein entscheidendes Kriterium für die Hamburger Bewerbung sein.

De Maizière: Auch deshalb wurde das Hamburger Referendum in den November gelegt – weil wir etwas später einen besseren Überblick über die Kosten haben und die Bürger wissen sollen, worüber sie abstimmen...

Scholz: Wir arbeiten uns Schritt für Schritt voran. Bei den Kosten für die Sportstätten, für die Sicherheit und die überregionale Verkehrsinfrastruktur. Bei letzteren handelt es sich um ohnehin geplante Maßnahmen wie den achtspurigen Ausbau der A 7, die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße, den Bau der südlichen Autobahn A 26 oder einer neuen S-Bahnlinie und die S- und U-Bahnstation an den Elbbrücken beim Olympiagelände.

De Maizière: Nehmen wir einmal an, wir würden Bundesverkehrswege deswegen im Norden bauen, weil sie auch für Olympia gut sind. Dann kann das heißen, dass man im Süden, im Westen oder im Osten zu diesem Zeitpunkt etwas weniger Infrastrukturprojekte fördern kann. Das geht nur dann, wenn die Bewerbung Hamburgs als nationale Aufgabe verstanden wird und nicht als ein Regionalprojekt – und das tun wir.

Und wie werden Sie die Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Thüringen dafür ins Boot bekommen?

S cholz: Die Bewerbung Hamburgs um die Olympischen Spiele ist tatsächlich eine nationale Aufgabe und so wird die Bewerbung von Hamburg und der Bundesrepublik Deutschland betrieben. Das zeigt die Anwesenheit von Thomas de Maizière bei der ersten Sitzung der Gesellschafterversammlung und die Tatsache, dass der Bund Mitglied dieser Gesellschaft ist...

D e Maizière: Zuletzt war der Bund bei der Bewerbungsgesellschaft von München aktiv und da waren wir 1972 erfolgreich.

Die Olympiagegner in Hamburg machen mobil – wie schätzt der Bürgermeister die Stimmung ein?

Scholz: Ich spüre sehr viel Zustimmung in der Stadt. Hier sind nämlich ganz viele sicher, dass der Senat und die Bundesregierung in der Lage sind, ein solches Projekt zu bewältigen. Dieses Vertrauen brauchen wir. Und es haben sich schon über 4000 Helfer freiwillig gemeldet – besser kann ein Start nicht gelingen.

Und wie wird der Bundesinnenminister den Rest Deutschlands begeistern?

De Maizière: Das Referendum muss in Hamburg gewonnen werden. Und die besten Botschafter für Olympia sind am Ende die Sportler selbst.

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