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Eine frische Tapete für den Rochusclub

09.10.2012 | 19:26 Uhr
Eine frische Tapete für den Rochusclub
Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.  Ion Tiriac und Rainer Schüttler kaufen ATP-Turnierlizenz für rund 1,6 Millionen Euro. Und erhalten so den Standort Düsseldorf im Kalender der 60 ATP-Städte.

Auf dem Papier sieht alles kinderleicht aus. Man streiche die Wörter „World“, „Team“ und „Club“ ersatzlos. Und schon ist, mit dem nötigen Kleingeld versteht sich, ein neues Produkt kreiert. Ganz so simpel mochte es Dietloff von Arnim am Dienstagmittag am Pressekonferenzmikrofon vor mehr als 40 Journalisten und diversen Kamerateams im Rochus­club nicht auf den Punkt bringen. Ging auch gar nicht. Unter dem Strich steht für den gemeinen Tennisfan allerdings erfreuliches: Vom 19. bis 25. Mai gibt es im Grafenberger Wald wieder Weltklassetennis. 28 Einzelspieler, 16 Doppel-Experten. Eine zweitägige Qualifikationsrunde soll vornweglaufen. Power Horse Cup nennt sich das ATP-Turnier, das dann nicht mehr unter dem wertvollen WM-Logo World Team Cup firmiert.

Nur vier Buchstaben fehlen

Die bisher für die Weltmeisterschaft zuständige Rochusclub-Turnier-GmbH wird liquidiert. Der Nachfolger firmiert, nur vier Buchstaben fehlen, unter Rochus-Turnier-GmbH. Die wird vom schon erwähnten bisherigen WM-Turnierdirektor von Arnim sowie von Ex-Profi Rainer Schüttler gelenkt. Der 36-jährige Korbacher hat schließlich die ATP-Turnierlizenz gemeinsam mit dem ehemaligen Boris-Becker-Manager Ion Tiriac von den Grafenbergern erworben (die NRZ berichtete bereits vergangenen Dienstag).

Ein Paket rettet (vorerst) den Profitennis-Standort Düsseldorf. Für die ATP-Lizenz erhielt der Rochus­club rund 1,6 Millionen Euro. Alle alten Verbindlichkeiten sind hiermit getilgt. Titelsponsor Power Horse geht in ein drittes Jahr. Zahlt mehr als eine Million Euro dafür, dass der Name des Kaltgetränks noch mehr ins optische Zentrum rückt. Die Österreicher dürfen sich einer starken europäischen Fernsehpräsenz sicher sein. Zwei Einzel werden täglich bei Eurosport live übertragen. Der Pariser Sender sicherte gestern für drei Jahre die Übertragungen zu.

Im Gegenzug verspricht von Arnim, der für den Rochusclub die Turnierlizenz von Tiriac und Schüttler zunächst für ein Jahr gepachtet hat: „Wir wollen den Zuschauern den World-Team-Cup-Standard erhalten. Keiner wird sich verschlechtern.“

Als dritter Court neben den bekannten Spielfeldern wird der beliebte „Platz 6“ nahe des Ballhauses geplant. Tribünen, Budengasse, Verkaufsstände – alles soll so bleiben wie bei der einstigen WM-Woche. Fehlen nur noch attraktive Cracks, die die Zuschauer locken. „Daran arbeiten wir intensiv“, verspricht Rainer Schüttler. Riesenplus: Er kennt mit seinem Manager Dirk Hordorff die Tennisszene exzellent.

Ob Ion Tiriac im nächsten Mai den Rochusclub besucht? Eine Einladung an den neben Handball-Legende Heiner Brand wohl bekannteste Schnauzbartträger im (deutschen) Profisport jenseits des Fußballs wird’s sicher geben. „Ion kommt eigentlich nur zu den Grand-Slam-Turnieren und steckt lange nicht mehr so in der Tennisszene wie früher. Ich denke, für uns macht er bestimmt eine Ausnahme“, sagt World-Team-Cup-Erfinder Horst Klosterkemper. Und der kennt den mit geschätzten 600 Millionen Euro reichen Rumänen seit mehr als vier Jahrzehnten.

DIE 35 WORLD TEAM CUPS IN KURZEN ZAHLEN UND FAKTEN

Starter und Nationen: 332 Spieler aus 25 Ländern von Argentinien bis USA nahmen teil. Darunter 19 Weltranglistenerste (zuletzt Andy Roddick/2006), aber auch „Exoten“ aus Mexiko, Indien, Neuseeland und Kasachstan.

Meiste Spiele: Jose Higueras/Spanien (17 Siege, 12 Niederlagen).

Meiste Siege: Stefan Edberg/Schweden (18).

Meiste Turnierstarts: Stefan Edberg, Anders Järryd, Jonas Björkman/alle Schweden (jeweils 10); Deutschland und USA (alle 35 Turniere).

Meiste WM-Titel: Deutschland (5) vor USA, Argentinien, Schweden und Spanien (je 4).

Längste Siegesserie: Fernando Gonzales/Chile (15 Spiele von 2003 bis 2005), Chile (10 Spiele von 2003 bis 2005).

Beste Zuschauerzahl: 77 800 in sieben Tagen (1999); Minusrekord: 36 000 (1978).

Höchstes Preisgeld: 2,1 Millionen Euro (2002 bis 2004); Minusrekord: 200 000 US-Dollar (1978).

Michael Ryberg

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