Ein unglaublicher Einbruch

Abu Dhabi..  Es lief alles nach Plan. Martin Kaymer hat drei bärenstarke Runden beim Golfturnier in Abu Dhabi gespielt. Er ging mit einem riesigen Vorsprung am Schlusstag auf die Runde, und spätestens als er den ersten drei Löchern drei Birdies gespielt hatte, war eigentlich alles klar. Die Frage lautete nur noch: Wie hoch ist der Vorsprung mit dem der Mann aus Mettmann gewinnt und den Siegerscheck von 379 798 Dollar einstreicht?

Eigentlich. Doch dann kam alles ganz anders. Gerade noch hatte Golf-Kommentator Carlo Knauss von „Golf von einem anderen Stern“ geschwärmt, als Kaymer anfing, die Bälle vogelwild durch die Gegend zu schießen. Man hat im Golf schon viel erlebt, aber dass ein gestandener Profi unmittelbar vordem Ziel dermaßen die Nerven flattern, dass er einen Vorsprung von zehn Punkten verspielt, ist dann doch einfach nur unglaublich.

Gary Stal nutzt die Gunst der Stunde

Am Ende spielte der US-Open-Sieger aus Mettmann eine 75 und wurde mit insgesamt 271 (64+67+65+75) Schlägen nur Dritter. Den Sieg mit zwei Schlägen Vorsprung holte sich völlig überraschend der 22 Jahre alte Franzose Gary Stal, der am Schlusstag nervenfrei aufspielen konnte, Schlag um Schlag aufholte und eine 65 notieren durfte. Zweiter wurde der Weltranglistenerste Rory McIlroy aus Nordirland mit 270 Schlägen. Maximilian Kieffer (278: 70+71+68+69) aus Düsseldorf beendete das mit 2,7 Millionen Dollar dotierte Turnier der Europa-Tour auf dem geteilten 26. Rang.

Für Martin Kaymer, der die Veranstaltung der Europa-Tour bereits 2008, 2010 und 2011 gewann, drehte sich alles spätestens auf Bahn neun, wo er nach einem Schlag in einen Busch ein Doppelbogey kassierte. Weil der Weltranglisten-Zwölfte den Ball nicht aus dem Strauch spielen konnte, musste er ihn mit einem Strafschlag im Sand droppen. Und plötzlich war der erste Verfolger Stal nach zehn Löchern nur noch zwei Versuche entfernt.

Ähnliches passierte Kaymer an Loch 13, als er den Abschlag wieder verzog, aus der Bedrängnis einen Strafschlag nehmen musste und sich sogar ein Triple-Bogey (drei über Par) leistete. Erstmals in dem viertägigen Turnier gab er die Führung ab.

Kaymer wird nun analysieren müssen, warum er am Schlusstag einen dermaßen starken Einbruch erlebte. Die ersten Tage spielte er Ausnahme-Golf und schien nach seinem Weihnachtsurlaub bestens ausgeruht. Erstmals seit Jahren genehmigte er sich drei Wochen Auszeit. „Ich habe lange nach einem Ausgleichssport gesucht und ihn nun im Skifahren gefunden“, berichtete der 30-Jährige begeistert.

Mit einer privaten Skilehrerin arbeitete er an seinem Schwung. „Ich habe zeitweise gar nicht an Golf gedacht“, sagte Kaymer, der sehr früh nach Abu Dhabi geflogen war, um sich auf den Platz einzustellen.

Kieffer landet auf Rang 26

Für den zweiten Deutschen lohnte sich die Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit einer 69er Abschlussrunde bewies Kieffer seinen Aufwärtstrend. „Ich bin etwas gefrustet über mein Finish mit einem Bogey auf der 17, aber in einer Stunde werde ich mich freuen können“, sagte der 24-Jährige, der nach der mäßigen vergangenen Saison den Trainer gewechselt hat. An Loch 18 wartete er auf Kaymer im sicheren Glauben, gratulieren zu können.